Kindermund!

Tagebuch zum Thema Allzu Menschliches

von  tastifix

Kinder denken anders...


Vielleicht hatten wir bei der religiösen Erziehung unserer Ältesten mehr erreicht, als wir dachten. Dachten wir.

Es war im Sommerurlaub. Claudia war gerade `mal drei Jahre alt, hielt aber bei Wanderungen schon recht gut mit. Am Feld vor uns stand eine winzigkleine Kapelle. Da könnten wir ein paar Minuten rasten.
"Kommt, die sehen wir uns ´mal an!", schlug ich vor.

Claudia war sofort Feuer und Flamme. Überall da, wo es etwas Neues zu entdecken galt, mischte sie mit.

Brav setzte sie sich dann zwischen uns in die Bank und verhielt sich auch mucksmäuschenstill. Kein ´Mir ist langweilig`, kein ´Wann gehen wir endlich`, gar nichts. Absolute Stille, Frieden.

Wir, ihre Eltern, wagten kaum zu atmen. Uns wurde es unheimlich. So kannten wir diese Plapperschnute nicht, soo nicht.

Wir betrachteten das Marienbild über dem Altar. Die Muttergottes trug das Jesuskind auf dem Arm. Das Jesuskind hielt mit beiden Händen einen Kelch. Es machte einen sehr zufriedenen Eindruck.

Noch immer starrte Claudia nachdenklich auf das Bild. Noch immer gab sie keinen Mucks von sich. Noch immer wunderten wir uns, eigentlich zunehmend mehr. Verstehe jemand die Kinder...!

Da fand die Stille ein abruptes Ende. Über Claudias Gesichtchen flog ein Freudenschimmer. Dann rief sie so laut, dass auch das nächste Dorf garantiert alles mitbekam:

"Mami, Papi, das Jesuskind hat ein Eis in der Hand!"

Aha, daher also wehte der Wind!

Wir sahen uns an und prusteten los.
Klar, dass Claudia dann auch ein Eis wollte. Wenn schon das Jesuskind...Und dann noch ein so großes...?!!

Natürlich bekam sie ihr Eis.
Klar, dass sie dann höchst zufrieden war.
Eben wie das Jesuskind auf dem Bild.

Kommentare zu diesem Text

seelenliebe (52)
(30.06.06)
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 tastifix meinte dazu am 01.07.06:
Hallo Anne!

Den lieben G'russ zur Nacht habe ich leider erst gerade um 16.15 Uhr am heutigen Samstag gelesen, smile! Ich könnte mir vorstellen, dass unser Töchterchen dann noch immer mehr "Eis" entdeckt hätte, grins! Sie hat uns mit ihrer Spontanität oftmals in peinliche Situationen gebracht. Heute lachen wir darüber. Damals schwitzten wir Blut und Wasser! Ich schick`Dir auch einen lieben Gruss und wünsche Dir noch einen tollen Sommertag! Herzlichst Gaby
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