Anmache mit Niveau?? Nein, wie primitiv!

Kurzgeschichte zum Thema Allzu Menschliches

von  tastifix

In dem eleganten Tanzcafe herrscht Hochbetrieb. Sabine hält Ausschau nach einem passenden Tanzpartner. Dann entdeckt sie ihn: Groß, dunkelhaarig und gutaussehend, eine tolle Figur. Ihre Blicke treffen sich, er lächelt charmant zurück und fordert sie prompt auf.
„Eine so schöne Frau wie Sie und alleine hier?“, fängt er an.
´Oha! Mal hören, was der sonst noch so alles anbringt.`
Zufälligerweise ist der nächste Tanz der, der viele Frauenherzen höher schlagen lässt - ein Wiener Walzer. Und noch höher dann, wenn währenddessen ein Dackelblick nach dem anderen in die ohnehin dahin schmelzende weibliche Seele dringt. Auch Sabines Herz fühlt sich berührt, doch keinesfalls in den siebenten Himmel befördert. Jedoch ist dieser Charmeur dermaßen von sich überzeugt, dass er es gar nicht merkt.

„Sie tanzen wie eine Elfe!“
„Danke!“, säuselt Sabine zurück und fragt sich insgeheim, wie wohl eine Elfe tanzt.
Daraufhin legt er richtig los und Courts-Mahler-Schmalz in die Stimme:
„Man trifft so selten eine Frau wie Sie!“
„Einen Mann wie Sie aber auch nicht oft!“
Die Schultern straffen sich, er wächst sichtlich um mindestens zwei Zentimeter und die Stimme wird noch samtiger.
„Meinen Sie wirklich?“
´Der nimmt das tatsächlich auch noch wörtlich!`
Sabine ist erschüttert. Nun ist ja beim Wiener Walzer Tuchfühlung angesagt und die wird dann dermaßen tuchfühlig, dass Sabine fast die Luft weg bleibt. Nach fünf Minuten Drehungen am laufenden Band, stürmisch rechtsherum und noch stürmischer linksherum einschließlich der Blicke, aus denen mittlerweile der Schmalz nur so tropft, reicht es Sabine und sie erbittet sich eine Pause. Wie nicht anders zu erwarten, begleitet der scheinbar-Kavalier-der-alten-Schule sie zu ihrem Platz, bedankt sich mit einem angedeuteten Diener und schiebt ihr sogar noch den Stuhl unter. Jedoch macht er keinerlei Anstalten, etwa zu verschwinden.

„Darf ich mich wohl zu Ihnen setzen?“
Die Frage hätte er genauso gut lassen können, denn er sitzt bereits und verstrickt Sabine in ein höchst intensives Gespräch über solche Frauen wie sie und deren überragende Vorzüge. Nach jedem Satz rückt er unaufhaltsam ein bissel näher. Im gleichen Maße rutscht Sabine  möglichst unauffällig Zentimeter für Zentimeter zur Seite. Es muss ja nicht unbedingt jeder mitbekommen, was sich da abspielt.
„Der geht mir gehörig auf den Geist!“
Doch ist sich dieser Möchtegern-Casanova ganz offensichtlich seiner Sache so sicher, dass er selbstverständlich hartnäckig bleibt und sich dann fast auf Sabines Schoss plumpsen lässt. Ihr wird es endgültig zu bunt, mit wütendem Blick weicht sie ausgesprochen ostentativ und deutlich sichtbar für die Umsitzenden zurück und kippt dabei halb vom Hocker.
„Huuch!“
Von allen Seiten strecken sich rettende Hände entgegen. Der angeblich für sie Entflammte aber hat wohl endlich kapiert, dass seine Bemühungen von keinem Erfolg gekrönt sein werden und das männliche Ego einen deftigen Dämpfer einstecken muss: 
´Da hat mir doch wirklich eine Frau widerstanden ...`
Er fällt aus der Kavaliersrolle und verdünnisiert sich.

Ein paar Minuten später beobachtet Sabine, wie er beim Tanzen der Nächsten fast in den Ausschnitt kriecht ...

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