In mir lebt diese Stimme

Bild zum Thema Andere Welten

von  Fuchsiberlin

An manchen Tagen früher, da wollte ich einfach nur fliegen. Sehr hoch und weit über die Wolken hinaus. Schwerelosigkeit der Emotionen, und Fluchtgedanken vor einem Leben, das sich oft eher zerstörerisch als aufbauend zeigte. Das Leben? Nein, Systemerror, Menschen, nahestehende und fremde ... Doch existiert tatsächlich ein Paradies? Wo auch immer … ? Leben ist kein Paradies. Eine tote Taube am Straßenrand wird nie mehr fliegen.

Stumme Schreie und ein Schweigen verursachen keinen Lärm. In meinem Kopf höre ich immer wieder eine Stimme. Diese wendet sich an mich. Emotional beladene Töne, die von meinem inneren Kind stammen. Es weint, schreit, (ver)zweifelt, lächelt, träumt, sucht und hofft.

Wirke ich auf dich irre, verrückt oder schizophren, wenn ich dir etwas über mein inneres Kind erzähle? Vorgestern ist vergangen, doch das innere Kind lebt in allen Zeiten.

Im Bistro, da sprichst du einen Satz zu viel aus. Du bewertest Gefühle als "richtig" oder "falsch". Schubladen aus Holz können brennen. Meine Schubladen sind leider auch gefüllt. Ich sollte sie mit einem Streichholz anzünden.

Manche Worte verletzen (un-)bewußt, manipulieren, und können einen anderen Menschen in den Tod treiben. „Der Selbstmörder war zu schwach und feige“, denkt ein Einzelner. Nach dem Tod verturteilt manchmal irgendjemand den Suizidanten und richtet (noch einmal) über diesen.

Ach, ehe ich es vergesse: Die Liebe, sie kann einen anderen zum (Weiter-)Leben  motivieren. Ich lebe. Auch wenn früher mein inneres Kind oft den Drang verspürte zu sterben. Oder war es mein Wunsch? Oder der von uns beiden? Ein "Mein" oder ein "Dein" existiert in diesem Fall nicht.
Beide sind zu einem Ich miteinander verschmolzen.

Kannst du dir vorstellen, wie schwer es ist, wie viel es an Energie kostet, gegen einen Todeswunsch anzukämpfen? In jungen Jahren sammelte ich eines Tages vor dem Abgrund einige Pilze.
Der einzige ernsthafte und dennoch sehr kindlich-naive Versuch, dem Leben ein Ende zu zu bereiten.
Mangels Giftpilzen scheiterte der Versuch.

Manchmal, da möchte ich mir die Ohren zuhalten, die Hände an den Mund pressen und die Augen mit schwarzem Papier bedecken. Aus einer Angst, Traurigkeit und einem Schmerz heraus.
Vielleicht stellt dies eine Form von Selbstschutz dar. Doch so funktioniert Leben nun einmal nicht.

Mein Glas ist voll. Mit Rotwein gefüllt. Dabei mag ich keinen Wein.
Mein inneres Kind möchte Liebe. Ich versuche ihm zu helfen.
Ich lebe.

Kommentare zu diesem Text

chichi† (80)
(13.07.14)
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 Fuchsiberlin meinte dazu am 14.07.14:
Es gibt mehr Menschen, die damit leben, als manch einer glaubt, liebe Gerda.

Ich danke Dir.

Liebe Grüße
Jörg
cooori (20)
(13.07.14)
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 Fuchsiberlin antwortete darauf am 14.07.14:
Jenau so is dit, cooori.

Die Kost muß ja nicht jeder gedanklich verspeisen. Nicht alles können wir Menschen nachvollziehen, nachempfinden, verstehen.

Ich danke Dir.

Liebe Grüße
Jörg
Anne (56)
(13.07.14)
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 Fuchsiberlin schrieb daraufhin am 14.07.14:
Ich danke Dir, liebe Anne. Insbesondere auch für den persönlichen Einblick. Du weißt, wie es sich anfühlt ...

Ja, es ist ein Weg, ein Prozeß, einer der nicht von heute auf morgen endet.

Ich danke Dir.

Liebe Grüße
Jörg
Pocahontas (54)
(13.07.14)
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 Fuchsiberlin äußerte darauf am 14.07.14:
Ja ..., liebe Sigrun.

Ich danke Dir sehr.

Liebe und ebenfalls stille Grüße
Jörg
B-Site (30)
(13.07.14)
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 rabenvata (14.07.14)
Was für Bilder!

Bin tief beeindruckt.

LG
rv.

 Fuchsiberlin ergänzte dazu am 14.07.14:
Ich danke Dir.

Liebe Grüße
Jörg
BabetteDalüge (67)
(14.07.14)
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 Fuchsiberlin meinte dazu am 15.07.14:
Ich danke Dir für diesen persönlichen Einblick, BabetteD. Man kann den Weg finden, doch viele finden diesen nicht oder geraten auf Irrwege.

Leider gibt es Menschen, die mit ihrer Kritik, ihrem Agieren auf Kosten anderer leben wollen, sich so eine emotionale Bereicherung verschaffen, in dem sie als Seelenvampir fungieren.

Liebe Grüße
Jörg
BabetteDalüge (67) meinte dazu am 16.07.14:
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 Fuchsiberlin meinte dazu am 17.07.14:
Nur eine Kritik, die als Hilfestellung daherkommt, und nicht als Abwertung angedacht ist, über diese kann nachgedacht werden. Dennoch sollte immer berücksichtigt werden: Ein Mensch hat auch Ecken und Kanten, und verfügt neben Stärken auch über Schwächen. So sollte dieser dann auch angenommen, und nicht versucht werden ihn zu verbiegen. Um nicht einen Menschen nach eigenem Geschmack zwanghaft formen zu wollen. Der Mensch reift in seiner Entwicklung nicht im Sonnenschein, sondern im Kampf gegen Widerstände des Lebens.

Ich danke Dir, Babette.

Liebe Grüße
Jörg
BabetteDalüge (67) meinte dazu am 18.07.14:
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 Dieter Wal (15.07.14)
Gefällt mir. Hat etwas von "Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang"-Romantik.

Ich glaube dem Erzähler, dass er es völlig ernst meint.

 Fuchsiberlin meinte dazu am 15.07.14:
Deinen ersten Satz im Kommentar, Dieter, empfinde ich als inhaltlich interessant, außergewöhnlich ausgedrückt, und passend für den Text gewählt.

Ich danke Dir.

Liebe Grüße
Jörg

 Ganna (16.07.14)
...ich fühle Hilflosigkeit, wenn ich die Zeilen lese...Ohnmacht, angemessen darauf reagieren zu können, weil ich nicht weiß wie...und weil ich weiß, dass es keine Hilfe geben kann, keine wirkliche Hilfe, die über Jahre hinwegreicht, um den kleinen Jörg erreichen zu können und ihm das zu geben, was er heute noch vermisst...verstehen vielleicht, mitfühlen, wenn ähnliches schon empfunden wurde...Betroffenheit, nicht mehr und es scheint mir zu wenig...

 Fuchsiberlin meinte dazu am 17.07.14:
Ich danke Dir für Deinen einfühlsamen Kommentar, Ganna.

Viele kennen es, dieses innere Kind, so wie es durch die Zeiten lebt, und wie ich es auch kenne. Leider, denn dahinter steckt bei jedem Einzelnen eine Vorgeschichte ...

Liebe Grüße
Jörg
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