Erwerbslos ... und voller Erwartung

Manifest zum Thema Umbruch

von  eiskimo

Ich bin in die Erwerbslosigkeit getaucht. Freiwillig abgeharzt. Ich möchte tatsächlich nichts mehr erwerben, denn ich habe längst alles, was ich brauche. Ich meine natürlich: Materiell. In meiner immer neu angefachten Konsumfreude habe ich nämlich viel zu viel erworben an nutzlosem Zeug.
Ab sofort werde ich mich ideellen Gütern verschreiben. Ich werde mich bilden, ich werde forschen, ich werde spielen, mich mit netten Mitmenschen treffen, künstlerisch kreativ sein!
Denn  gemessen an meinem  materiellen Besitz liege ich spirituell und intellektuell weit zurück. Da bin ich ein Habenichts. Aber es  gibt  riesige Schätze in meiner Reichweite, die ich gerne für mich erschließen würde: Im kulturellen Bereich, in der Musik,  in der Philosophie, der Religion…Auch im Sport sehe ich noch tolle Betätigungsfelder – zweckfrei, ohne auf kommerziellen oder pekuniären Gewinn fixiert zu sein.  Es wird mir gut gehen, ich werde zufrieden sein, das spüre ich!
Welche Freiheit, welche unbelastete Dimension -  endlich!
Und was ich nicht vermissen werde, das ist dieser Dämon GELD, der mein bisheriges Leben so klein gehalten hat. Kleinkrämerisch. Kleingeistig. Arm.


Anmerkung von eiskimo:

Die bevorstehende Konsum-Orgie "Weihnachten" (im Ursprung total spirituell angelegt!) wird meine Umkehr verständlich machen

Kommentare zu diesem Text


 AZU20 (15.11.18)
Viel Erfolg dabei. Hoffentlich. LG

 eiskimo meinte dazu am 15.11.18:
Danke!. Das Schreiben hier hat mr schon gut getan

 Didi.Costaire (15.11.18)
Das klingt vielversprechend.

Beste Grüße, Dirk

 eiskimo antwortete darauf am 15.11.18:
Das klingt nicht nur so, das IST so. Unser Wirtschaftssystem mit seiner Wachstums-Fixiertheit lenkt uns von den wirklich schönen Dingen permanent ab...

 Dieter_Rotmund (15.11.18)
Nette Satire, deren satirschen Gehalt man nicht sofort erkennt.

 eiskimo schrieb daraufhin am 15.11.18:
Ich denke, es ist eine Offenbarung, aber keine Satire.

 TrekanBelluvitsh (15.11.18)
Ich kann das verstehen. Dennoch verwechsle bitte nicht Materialismus mit Konsumismus. Der Materialismus ist nämlich eine gute Sache. Der Konsumismus nicht.
(Leider wird noch das eine als Synonym für das andere benutzt. Mal sehen, was die Zukunft bringt.)

 eiskimo äußerte darauf am 15.11.18:
Was ist am Materialismus gut? Muss ich jetzt Marx lesen?

 TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 15.11.18:
Nein.
Beim Konsumismus steht der Konsum im Mittelpunkt. Was konsumiert wird, spielt eigentlich keine Rolle, solange konsumiert wird, d.h. Güte und Sinnhaftigkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Mit anderen Worten: Es geht um den Erwerb, nicht um den Besitz. (Dies ist auch eine Definition von Gier.) Das ganze Finanzwesen mit seinen "Produkten" ist z.B. darauf aufgebaut. Man verdient nicht Geld damit, dass man etwas Besitzt, sondern durch Kauf und Verkauf - am Besten schnell hintereinander.

Beim Materialismus steht das Material im Mittelpunkt. Was erworben wird, spielt eine große Rolle, denn es wird nicht zum Zwecke des Erwerbs angeschafft, sondern zum Nutzen bzw. zum Benutzen. Weil du in deinem Text von Kreativität sprachst: Ein Maler wird Geld für gute Farben ausgeben, weil er so das handwerkliche in seiner Arbeit besser absichern kann. Güte und Sinnhaftigkeit spielen eine große Rolle. Mit dem Erwerb eines Materials ist die Erfahrung nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Es ist erst der Beginn der Erfahrung bzw. des Nutzens.



Ich muss jedoch zugeben, dass Letzteres in erster Linie meine Definition ist. In der Regel werden die beiden Begriffe wie gesagt synonym verwendet. Der Konsumismus ist im Augenblick im Westen die vorherrschende Wirtschaftsideologie. Diese kritisiere auch ich. Das, was ich Materialismus nenne, findet meine Zustimmung, auch weil er viel mit dem zu tun hat, was wir sind. Letztlich ist auch der Grashalm, den ein Affe benutzt, um so Termiten aus einem Bau zu angeln (in meinen Augen) Materialismus.

 eiskimo meinte dazu am 15.11.18:
Gefällt mir gut, diese Unterscheidung. So gesehen beziehe ich mich auf den Konsumismus. Was Du dazu anmerkst, macht die Sache wirklich klarer!

vG
eiskimo

 EkkehartMittelberg (15.11.18)
Lebst du den normalen Standard eines Harzers oder kannst du auf Gespartes zurückgreifen, wenn du Lust auf gutes Essen und Trinken hast?

 eiskimo meinte dazu am 15.11.18:
Ich kann auf einiges zurückgreifen, aber ohne es zu tun. Natürlich bin ich da privilegiert. Vielleicht muss man an eine Art Überdruss herangeführt werden, um sich davon frei machen zu können.

 JohndeGraph (15.11.18)
Ich persönlich finde es richtig was du da schreibst. Ich brauche jedenfalls keine Million Euro. Was ich brauche habe ich und ich weiß, im Gegensatz zu anderen, dass es mir nichts bringt, wenn ich Geld mit in mein Grab nehme. Die Gier ist eben nicht gut. Sie tut auch nicht gut und wer das nicht einsieht, der hat für mich ein Defizit in seiner Entwicklung. Zeit kann man auch nicht kaufen und diese sinnvoll zu verbringen, mit Dingen die mir gut tun, ist viel effiktiver als Dingen hinter zu laufen, die ich eigentlich gar nicht brauche. Das halte ich sogar für sinnlos. Mein Haus, mein Auto, meine Geliebte oder was auch immer, das ist so sinnlos wie nur irgend etwas. Zeit zu haben ein Bild zu malen, oder auch nur eines zu betrachten dagegen, das ist unbezahlbar.

Lass dir bloß nichts anderes einreden. Es ist dein Leben und es ist endlich. Mache das beste daraus und entscheide selber, was das Beste für dich ist.

Grüße J.d.G.

Kommentar geändert am 15.11.2018 um 18:36 Uhr

 eiskimo meinte dazu am 15.11.18:
Danke für die Bestärkung - das freut mich sehr! Ich lass mich nicht beirren.
vG
eiskimo
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