Buddhas Wertstoffhof

Essay zum Thema Transzendenz

von  LotharAtzert

Wertschätzung ist eine Tugend, die im Mahayana (Großes Fahrzeug) ihren Höhepunkt gefunden hat: man schätzt alles wert, was einem anderen Wesen keinen Schaden zufügt, denn was nicht schadet, nutzt irgendwem und so halten wir es bereit, ohne es aufzudrängen - gedenkt auch der Wesen, die, um unsre eigene physische Existenz zu erhalten, ihr Leben unfreiwillig und unter widrigen Bedingungen lassen. Das soll nicht ungewürdigt verhallen. Man verspricht, falls es in einem anderen Leben zur Begegnung kommen sollte, nach besten Kräften die Wohltat zu vergelten. Mit dem Körper, mit der Rede, mit dem Geist.
Ob das geschieht, spielt keine so große Rolle. Es ist "nur" eine Haltung, doch die summiert und verselbständigt sich, sinkt ins Unterbewußte, von wo sie im Ereignisfall aufsteigt, Gestalt wird.

Die Wertschätzung ist die dem Leben gegenüber, nicht bloß die gegen die eigene Verwandtschaft, oder Andersgläubige. Ein anderer Glaube ist ja auch nur ein anderes Nichtwissen. Deswegen wird keines ausgeschlossen, allen Lebenden soll es so gut wie möglich gehen. (Ich habe von Christen gehört, daß es nur denen gut gehen soll, die an Jesus glauben. Die anderen - organische Abfälle - sollen der Erlösung nicht teilhaftig werden.)
Das ist kein Mahayana, das ist Eigendünkel. Warum soll ich an jemanden glauben, wenn ich doch direkte Einsicht nehmen kann, in das, was Jesus sah, was Krishna, Christus und hunderte von Sehern sehen, sobald sich das innere Auge öffnet - dann begrüßen wir uns einfach auf die Weise der vollkommenen Wertschätzung: mit zusammengelegten Händen und  einem entspannten Lächeln.

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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (07.08.20)
"Den Widerspruch als bloßen Irrtum abzutun, verrät Furcht, Fixierung, Schädelleere" sagt Hegel.
Dies gilt für dich und auch für ihn. :)
"Denn nur das Ganze ist das Wahre."
Oder die Ergänzung.

Liebliche Grüße
der8.

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Der Widerspruch und wie wir da raus kommen, ist das A und O in der menschlichen Entwickelung, da hat Herr Hegel sicher recht. Gestern Abend noch litten wir am Ausscheiden der SG Eintracht Frankfurt und heute erfreue ich mich an deinen Worten, 8er. Oder, um beim runden Spielgerät zu bleiben: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."

Liebliche Dankesgrüße
Lothar

 AchterZwerg antwortete darauf am 07.08.20:
Mal abgesehen davon:

Für den genialischen (!) Titel gebührt dir Lob und Ehre! :) -

Coronös bedingt, war bei uns der Wertstoffhof einige Zeit geschlossen.
Aber: Ananda hat inzwischen wieder uffjeschlossen.
Im Auftrag natürlich.

 LotharAtzert schrieb daraufhin am 07.08.20:
Der Ananda, schau … un - hadder e schwatz Batschkapp uffgehabd?
(dafür dir Lob und Ehre!

 Bluebird (07.08.20)
Na ja, das klingt ja alles ganz nett! Aber entspricht es auch der Wirklichkeit?
Wenn ich den christlichen Erlösungsweg als den einzig richtigen Heilsweg propagiere, dann ja nicht, weil ich mir das selber ausgedacht hätte.
Sondern es ist der neutestamentarische Befund, der keine anderen Heilswege anerkennt/zulässt!

In klarem Deutsch:
Ich kann nicht sagen, dass ich a) Christ bin, also an Jesus glaube, und gleichzeitig b) sein im NT beschriebenes Erlösungswerk verleugnen

In diesem Sinne sind jetzt Buddhisten, Muslime; Hindus usw nicht meine Feinde oder so ... auch Atheisten nicht .. .nur - aus christlicher Sicht konsequent zuende gedacht - "Irrende"!

Kommentar geändert am 07.08.2020 um 08:19 Uhr

 DanceWith1Life äußerte darauf am 07.08.20:
Herumirrende aller Religionen, jetzt haltet mal die Luft an.
Was "glaubt" der Christ, was dann passiert, und ist es etwa das exakt 100% das völlig identisch Gleiche, das einem Buddhisten dann auch passiert ( sofern er nicht gerade in irgendwelchen Samadis...) an etwas anderes "glaubt", nein mir geht es genau so.
Also als allemiteinander 100% Atemluftabhängige, Gäste dieses wunderbaren Planeten, geht es jetzt also wirklich nur noch darum, den "christlichen Glauben" als das absolut besondere zu ehren, hab ich das so richtig verstanden.

Antwort geändert am 07.08.2020 um 09:17 Uhr

 Bluebird ergänzte dazu am 07.08.20:
Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.(Johannes 14,6)
Diese Aussage steht im Erdenraume ... ob jemand was damit anfangen kann oder will, bleibt demjenigen natürlich selber überlassen

 DanceWith1Life meinte dazu am 07.08.20:
das hast du gelesen und es sagt dir etwas, freut mich für dich.
Und Johannes, Halleluja, also, das war mir einer.

Desmond Tutu meinte dazu nur:
Als der Weisse Mann kam, hatten wir das Land und er die Bibel, er sprach zu uns, lasset uns unsere Augen schliessen und beten,
als wir die Augen wieder aufmachten, hatte er das Land und wir die Bibel.
Ich finde das reicht jetzt langam.
Das heisst aber auch, dass er den "wahren Glauben" gegen etwas anderes eingetauscht hat, sorry.
Und dreimal darfst du raten, wie oft das auf der Erde schon passiert ist, also nicht mal darin ist das "Christentum" einzigartig.

Antwort geändert am 07.08.2020 um 09:35 Uhr

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Liebe Freunde des geschriebenen Wortes,
es ist tatsächlich so, daß mit der Veränderung der geistigen Haltung sich das komplette Universum (für den Schauenden) verändert. Die so genannte Objektivität ist eine Illusion der Subjekte und wird - durch Reflektion und Meditation "transzendiert". Sobald das aber geschieht, ist alles offen bzw. magisch: in der magischen Welt bestimmen Magier, was ist und was nicht ist.

Ob das wer von den Objektivitäts- und Testamentsverfechter glaubt - wen interessierts? - Soll jeder halten, wie er mag - aber bitte ohne Drohgebärden.

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
@ Dance

Laß Bluebird frei sprechen. Es ist die beste Bibelwiderlegung seit es Gummibärchen gibt

 DanceWith1Life meinte dazu am 07.08.20:
Genau das ist mein Punkt, er benützt Zitate, zu einem entfremdeten Zweck. Und solange nicht klar ist zu welchem, werde ich wohl oder übel, dazu Stellung nehmen, solange dies in einem öffentlich zugänglichen Raum passiert.

 Bluebird meinte dazu am 07.08.20:
Es steht jedem frei, die Dinge so zu sehen, wie er oder sie es sehen möchte ... den einen überzeugt, was buddhistisch "Schauende" weitergegeben haben, den anderen Desmond Tutus Statement und mich die Kernaussagen des NT ... einen anderen vielleicht ganz was Anderes.

Nicht das nun alle Recht hätten oder haben könnten, aber jede(r) hat das Recht auf seine eigene Überzeugung und die auch sagen zu dürfen ... in diesem Sinne, einen schönen Tag noch!

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Zu welchem Zweck?
Wenn ich das ausspreche, heißt es "Böse Unterstellung". Aber der Böse ist jemand anders: Man dient dem "Allmächtigen", weil man a selber nicht allmächtig ist und b durch Unterwerfung an der Allmacht partizipieren will. Dieses "Modell" dem alle zu folgen haben, ist ein plutonisches: man treibt den Teufel mit dem Teufel aus. Ein Blick in den Spiegel könnte helfen - aber der wird deshalb auch gemieden: Meditation wird verteufelt.

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Allmacht, Unterwerfung, Übergriff, Überzeugung - das ist alles Pluto, -der verdrängte Pluto natürlich, denn an der Allmacht selbst ist schließlich kein Fehler, sondern an den sich unterwerfenden "Ausübenden".

Tashi delek

Antwort geändert am 07.08.2020 um 10:07 Uhr

 DanceWith1Life meinte dazu am 07.08.20:
Martin Luther King
darkness cannot drive out darkness, only light can

das Recht sowieso, aber wie wir dieses Recht praktizieren, mit welchen Tricks wir arbeiten, oder eben nicht.
Wie all das unsere gemeinsame Zeit hier füllt, das sind die Fragen, die wir weder mit der einen noch der anderen Weltanschauung definieren, sondern nur mit den Details unseres Handelns.

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Es ist auch einem naiven Umgang mit Begriffen geschuldet. Daß "Überzeugung" mit "Unterwerfung" zusammenhängt, geht ihm, trotz meines beständigen Hinweises sonst wo vorbei. Es sei dies halt meine Überzeugung, heißt es dann lapidar.
Nur wer glaubt, will überzeugen. Der Wissende zeugt bloß, dh. er unterbreitet seine Argumente und schert sich nicht drum, wenn man ihm nicht glaubt.

 Dieter Wal (07.08.20)
Passt zu Bluebirds Blauem und Rotem Hampelmann, nur fehlt ihm die Bluebirdsche Infantilität.

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Manchmal kannst du gut Bonbons werfen.
Danke

 wa Bash (07.08.20)
dies nennt sich glaube ich erfüllt sein, wenn man auch den scheinbar kleinen Dingen seinen Wert geben kann...

 LotharAtzert meinte dazu am 07.08.20:
Ja, das Sehen "wie im Großen, so im kleinen" - wie der Tropfen im Meer, so das Meer im Tropfen.

Danke
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