Die fröhliche Runde

Gedicht zum Thema Vergänglichkeit

von  Quoth

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Überm dunklen Stiefelsee
sitzen Freunde beieinander,
zechen laut, sind guter Dinge.

An die Balustrade haben
sie den Marmortisch gerückt,
schmücken ihn mit ihren Füßen.

Und im Windlicht sterben zischend,
die das Licht zu sehr geliebt,
Flügel schön wie feinster Atlas.

Berti rezitiert Gedichte, die
der Berliner Hautarzt schrieb,
und sie trinken Rauenthaler

auf den kranken Großpoeten,
der auf durchgeschwitztem Laken in
Schlangenbad dem Tode trotzt.

Hinter ihnen, vornehm bleich,
ragt das Kurhaus in die Mondnacht.
unbeheizbar, unwirtschaftlich,

Abrissbirne wird‘s zerteppern.
Einer derer, die dort zechen,
ist der Enkel des Erbauers,

lud die Freundesrunde ein.
Klingklang machen volle Gläser.
Doch sie sind, die lieben Freunde,

leider schon seit Jahren tot,
und das Kurhaus ist ersetzt durch
eine Klinik aus Beton.



Anmerkung von Quoth:

Wem sonst als dir?

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Kommentare zu diesem Text


 nadir (21.11.21, 17:51)
ein wunderbarer text, bloß die formatierung will mir nicht einleuchten, das gedicht wäre doch besser nicht in strophen aufgeteilt, vorallem weil sie den flüssigen text unnötig abhacken. aber, wenn es sonst nichts zu meckern gibt ... -

 Quoth meinte dazu am 22.11.21 um 11:57:
Danke für Lob und Empfehlung. Nadir. Die Gliederung in Strophen verzögert ein wenig, vielleicht lese ich es mal ein. Gruß Quoth

 AlmaMarieSchneider (21.11.21, 20:55)

In einem kleinen Parkcafe,
da treffen sich fünf Mädels
Mittwochs um halb drei

Die Runde sitzt am kleinen Tischchen
sie lachen und erzählen,
auf ihren Wangen Rosenglut

Trinken Kaffee, essen Kuchen
Erinnerungen füllen für Momente
ihren Kirschenmund

Als sie gehen entlässt Ihr Gang sie
mit tausend bunten Teufeln
sie sind Freunde und jeden Mittwoch neu

Kommentar geändert am 21.11.2021 um 20:56 Uhr

Kommentar geändert am 21.11.2021 um 21:03 Uhr

Kommentar geändert am 21.11.2021 um 21:06 Uhr

 Quoth antwortete darauf am 22.11.21 um 12:05:
Vielen Dank, AlmaMarieSchneider, für dies Gegenbeispiel einer Frauen- bzw. Mädelsrunde mit Kaffee und Kuchen! Aber sollten sie am Schluss nicht Freund*innen sein?
Dank auch für Empfehlung und Lieblingstext, Quoth

 AlmaMarieSchneider schrieb daraufhin am 22.11.21 um 12:35:
Ja Quoth. Hier als Kommentar lässt es keine Korrektur mehr zu. Zu lange herum getrödelt. :(
Ein Lächeln
Alma Marie

 AchterZwerg (22.11.21, 06:16)
Genau! Wem sonst als ihm.

Klasse!

 Quoth äußerte darauf am 22.11.21 um 12:09:
Danke, AchterZwerg, ein Lob aus berufenem Munde erfreut immer besonders!
Gruß Quoth

 Lluviagata ergänzte dazu am 22.11.21 um 12:40:
Hallo Quoth,

müsste es nicht

auf den kranken Großpoeten,
der auf durchgeschwitztem Laken im
Schlangenbad dem Tode trotzt.
 heißen?


Ansonsten hat es mir die Strophe 3 am meisten angetan, einfach, weil sie mindestens genau so tragisch ist wie das ganze Gedicht und eben mit einer Zartheit daherkommt, die mir schier das Herz bersten lassen möchte vor Trauer.

Sehr gern gelesen und darüber sinniert hat

Llu ♥

 Quoth meinte dazu am 22.11.21 um 13:04:
Hallo Lluviagata, nein, Schlangenbad ist ein Kur- und Rehaort im Rheinhessischen, in dem Gottfried Benn kurz vor seinem Tod vergebens Heilung gesucht hat. War dort mal Rehabilitand, bin mit Mitpatienten nach Rauenthal gewandert und habe  mit ihnen den dort angebauten Riesling genossen.
Die dritte Strophe ist ein nachträgliches Einfügsel, freue mich, dass sie Dir zusagt.
Gruß Quoth

 Lluviagata meinte dazu am 26.11.21 um 06:52:
Ah, vielen Dank für die Aufklärung.

Grüßle

 Agnete (29.09.22, 14:32)
schöne Zeilen, Quoth. Aber eine ganz andere Aussage als mein Gedicht "Zurück". Außer dem Vergangenen. Und doch, es ist auch Fremdes entstanden, die Klinik... LG von Agnete
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