Jacques Brel "La Bastille" oder das Recht auf Gewalt

Interpretation zum Thema Gut und Böse

von  eiskimo

Der französische Nationalfeiertag – Erinnerung an die Erstürmung des Pariser Stadtgefängnisses - ist zwar gerade vorbei, aber für Jacques Brel, denke ich, ist es nie zu spät.

Hier mein Versuch, sein frühes Chansons „La Bastille“, dessen drei Strophen aus dem Jahre 1955 stammen, zeitgemäß zu übersetzen. Ich beschränke mich auf die Strophen 1 und 3.


Wenn du glaubst, 

dass wir alles kaputt schlagen müssen,

glaubst du etwa auch, du hättest das Recht

sie umzubringen,

die da oben?

Immerhin glaubst du, dass wir runter sollen

ganz nach unten in den Dreck, um die da oben zu stürzen -

das war ja noch gestern dein Traum,

und dass sie dann aufgehängt gehören, unsere Feinde.


Ich habe aber begriffen,

dass ein Traum uns niemals -

so echt er auch sein mag -

freie Bahn gibt für Krieg.


Wir haben die Bastille platt gemacht,

und was hat es gebracht? Nichts!

Wir haben die Bastille platt gemacht.

Aber es hätte uns mehr gebracht …. zu lieben.

…....

…..


Ich glaube am Ende, 

dass sich alles regeln lässt

ohne Schreie und ohne Randale,

sogar auch ohne groß zu hetzen

gegen die da oben.

Die Zukunft, die braucht echte Revolutionäre

und sie gibt einen Dreck auf kleine Revoluzzer.

Die Zukunft, die will weder Feuer noch Blut noch Krieg.

Also sei du keiner, der uns genau das ins Land holt.


Tun wir einfach was für die Hoffnung,

geben uns den Kick für Morgen,

strecken allen die Hand aus -

ich sag die Hand, nicht die Faust!


Wir haben die Bastille platt gemacht,

und was hat es gebracht? Nichts.

Wir haben die Bastille platt gemacht.

Jetzt wäre er angesagt, der Versuch mit der Liebe.





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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (19.07.22, 00:16)
Der gute Jacques Brel! Danke.

 Taina (19.07.22, 05:42)
Gefällt mir sehr, auch seine Stimme 🌞🤗

Kommentar geändert am 19.07.2022 um 05:42 Uhr

 Graeculus meinte dazu am 20.07.22 um 00:13:
Kennst Du seinen Film "Die Filzlaus" mit Lino Ventura als Gegenspieler? Die spielen Walter Matthau und Jack Lemmon (eine spätere Version) an die Wand.

 Taina antwortete darauf am 20.07.22 um 07:30:
Die Version mit Brel kenne ich, die war auf arte. Die andere Version kenne ich nicht. Es ist der einzige Film mit Brel, den ich kenne, er hat mir gefallen 🌞

 eiskimo schrieb daraufhin am 20.07.22 um 07:53:
Ein super Film - Brel hat einiges nebenher gemacht , Kino, aber auch eigene Stücke geschrieben. Ein faszinierender Typ.

 Dieter Wal (19.07.22, 09:45)
Der Held meiner Jugend neben Brassens. Wunderschönes Chanson. Die freie sinngemäße Übertragung geht in Ordnung. Doch "Alter" für "Mon ami" nicht.

 eiskimo äußerte darauf am 19.07.22 um 10:32:
Danke! 
"Mein Freund" klang mir zu bieder. Aber auf das "Alter" muss ich auch nicht  bestehen.  Bin für Verbesserungsvorschläge offen.
LG
Eiskimo

 Dieter Wal ergänzte dazu am 19.07.22 um 10:43:
Lass die Anrede weg. Sie erfüllt keine Funktion bei einer freien Übertragung ohne Metrik und Reime.

 eiskimo meinte dazu am 19.07.22 um 10:52:
Gute Idee,  hab es so gemacht und es klingt deutlich besser!
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