Leider nicht

Verserzählung zum Thema Alles und Nichts...

von  Didi.Costaire

In Anlehnung an einen in freien Knittelversen verfassten und über Jahre gewachsenen kölschen karnevalistischen Sprechgesang von Martin Schopps

  

I

Winter in Deutschland, kalt und betrüblich

Die Deutsche Bahn verkehrt jetzt seltener als üblich

Beim Streudienst ist der meiste Sand im Getriebe

Und Hausbesitzer sparen sich das Schneegeschiebe

Nachbarn kann man heutzutage glatt vergessen

Jeder verfolgt bloß seine eigenen Interessen

Passiert was, bevor sich wer sämtliche Knochen bricht?

Leider nicht

  

II

Der Kanzler mit Denkerstirn und Haarbüschel-Insel

Hält überhaupt nichts von dem lauen Gewinsel

Jammert selber, wir sind krankfeiernde faule Säcke

Lifestyle und Teilzeit an nahezu jeder Ecke

Früher wollte er die AfD rasch halbieren

Nun will er das ganze Land reformieren

Wächst und gedeiht denn die Zuversicht?

Leider nicht

  

III

Um sich herum hat er eine tolle Truppe

Dort lauern Advokat Winkel und die Junge Gruppe

Davor sitzt der Jenser mit dem dämlichen Grinsen

So geht vieles von vornherein in die Binsen

Wenn die Kommentare auch nicht voller Lob sind

Freuen sich zumindest Söder und Dobrindt

Sind die Schatten ein Beleg für ein Füllhorn voll Licht?

Leider nicht

  

IV

Was läuft ansonsten? Alte Männer im TV

Stefan Raab neuerdings spät abends guckt eh keine Sau

Gottschalks Comeback, zum Ratefuchs hat es nicht gelangt

Oh weh, kurz darauf ist er schwer erkrankt

Gut, dass wir wenigstens den Bergdoktor haben

Und Flori, den seefahrenden Schlagerknaben

Das Dschungelcamp ist den Publikum einfach zu schlicht!?

Leider nicht

  

V

Hurra es gibt Dinge, die Freude verbreiten

Wie den Kick, sich mental auf die WM vorzubereiten

König Fußball ist einer, der die Völker verbindet

Erst recht, wenn ein Turnier in der freien Welt stattfindet

Ach nein, die USA entwickeln sich gerade zum Schurkenstaate

Und sind kaum noch besser als Russland und Emirate

Diskutiert die Sportwelt deshalb über einen Verzicht?

Leider nicht

  

VI

Die Erde dreht sich ohnehin immer weiter

Mal völlig verhagelt mal wolkig bis heiter

Manches kommt mir bekannt und einiges seltsam vor

Dann flüchte ich mich in vitalen Galgenhumor

Und nehme halt wohlklingende Worte in den Mund

Artikuliere mich als silbenreich schweifender Schöngeist mit beeindruckend dokumentiertem Desillusionshintergrund

Wird aus diesem Text also ein bedeutendes Gedicht?

Leider nicht

  


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Kommentare zu diesem Text


 Saira (12.02.26, 09:50)
Moin Dirk,

deine Verserzählung hat es in sich. Sie baut sich spannend auf, um schlussendlich mit „Leider nicht“ zu enden.

Fünfmaliges Hoffen, fünfmalige Bestätigung eines Wissens, das dennoch erneute Enttäuschung beschert.

Dieser rhythmische Ablauf – das Hoffen und Scheitern – fühlt sich an wie der tägliche Versuch, sich zu fangen, nur um dann wieder von der Realität erwischt zu werden. Es ist fast wie der Kampf gegen die eigene Erwartungshaltung, die einen immer wieder ins Leere laufen lässt.

Die schlichte Wiederholung von „Leider nicht“ verstärkt dieses Gefühl der Hilflosigkeit, als ob jedes kleine Hoffen zu einem leisen Witz verkommt. Es zieht sich durch alles – von der Bahn, die sich seltener bewegt, bis hin zum Kanzler, dessen Versprechungen nie das erreichen, was sie versprechen. 

Und am Ende bleibt nur eines – der Galgenhumor, der uns hilft, den nächsten Winter zu überstehen. Auch wenn der „schweifende Schöngeist“ uns letztlich auch nicht retten kann, bleibt die Hoffnung auf die nächste Runde von „Leider nicht“.


Wunderbar bissig!

Liebe Grüße
Sigi

 Didi.Costaire meinte dazu am 13.02.26 um 21:45:
Hallo Sigi,

ich habe dieses Stück ja sozusagen textlich gecovert (und im stillen Kämmerlein auch zu singen versucht), aber der von dir beschriebene Aufbau hat mich neben dem Humor des Originals schon seit Jahren fasziniert und diesmal habe ich es endlich geschafft, selbst etwas zu zimmern, bevor die fünfte Jahreszeit schon wieder vorbei ist. Und vielleicht lasse ich die Verse ja auch in an die Alten angelehnte und mit Neuem angereicherte und veränderte Versionen immer mal wieder aufleben. Danke für die Ermutigung

und liebe Grüße,
Dirk

 franky (12.02.26, 09:58)
Hi lieber Didi, 

"Davor sitzt der Jenser mit dem dämlichen Grinsen
So geht vieles von vornherein in die Binsen

Ein guter, verrückter Einfall! 

Grüße von Franky 

 Didi.Costaire antwortete darauf am 13.02.26 um 22:15:
Hallo Franky,

vor ein paar Tagen haben die Jungs aus der Redaktion der Braunschweiger Zeitung herrlich über einen gewissen Herrn Härtel abgelästert. Der spielt hier natürlich überhaupt keine Rolle, aber Tobi und Leo inspirierten mich dazu, dass ich mir vornahm, einen anderen mit jenem Vornahm' zu bedenken...

Danke für deine Zeilen
und liebe Grüße,
Dirk

Antwort geändert am 13.02.2026 um 22:16 Uhr

 GastIltis (12.02.26, 13:39)
Hallo Dirk!


Die römischen Zahlen, die können wir noch lesen.
Doch bald gilt auch hier: es ist gewesen.
Viele sehen die Zeiten trotz allem noch rosa.
Andere schreiben gar nichts oder einfach nur Prosa.
Manche denken an die Zukunft von vorvorgestern,
ist das heute, war das morgen, ich werde nicht lästern.
Jedenfalls fallen wir nicht in ein Schwarzes Loch!
Oder doch?


LG von Gil.

 Didi.Costaire schrieb daraufhin am 13.02.26 um 22:32:
Salve Gil,

wir wissen, dass die Zahlen römisch,
nur werden sie als Wälder, böhmisch
wohl wahrgenommen irgendbald,
doch dann sind wir vielleicht schon kalt...

Danke und liebe Grüße,
Dirk

 GastIltis äußerte darauf am 14.02.26 um 12:44:
Hallo Dirk,

das liest sich leider ziemlich bitter,
fällt reimtechnisch nicht durch das Gitter.
indessen haftet deinem, gut, Vierzeiler,
ein Ruf an: Bring einen Verteiler!

Auf dein Wohl! herzlich Gil.

 Didi.Costaire ergänzte dazu am 15.02.26 um 23:29:
Moin Gil,

meinst du 'nen Vierteiler? Den könnt ich bringen
und in Teil 1 von Eingeteilten singen...

Danke für die Anregung 
und herzliche Grüße, 
Dirk

 Teo (12.02.26, 16:01)
Hi Dirk,
Leider nicht...ich weiß, wer sowas zum Besten gibt.
Ein junger Lehrer, ich glaub sogar aus Köln. Ich habe im letzten Jahr einiges aus seinen Programm mitgeschnitten.
Also...warum noch in Celle rumhängen...auf nach Köln!
Deines ist auch nicht schlecht.
Es grüßt
Teo

 Didi.Costaire meinte dazu am 13.02.26 um 22:08:
Moin Teo,

genau, es handelt sich um einen Kölner Lehrer und schulische Themen behandelt er auch gerne. In der Mediathek der ARD gibt es jetzt einen Beitrag mit dem Titel "Das Beste von Martin Schopps!". Ja, mit Ausrufezeichen und wirklich empfehlenswert.

Danke und schöne Grüße,
wenn auch nicht aus Köln,
Dirk

Antwort geändert am 13.02.2026 um 22:08 Uhr

 plotzn (13.02.26, 09:02)
Servus Dirk,

tja, man kann nicht alles haben. Bedeutend vielleicht nicht, aber sehr unterhaltsam und mundwinkelliftend. Und das ist nicht zu unterschätzen...

Liebe Grüße
Stefan

 Didi.Costaire meinte dazu am 13.02.26 um 22:46:
Danke Stefan,

Mundwinkellifting ist ein Begriff, die wir mehr denn je gebrauchen können und es freut mich, ihn hier zu lesen.

Liebe Grüße,
Dirk

Antwort geändert am 13.02.2026 um 22:46 Uhr

 harzgebirgler (14.02.26, 18:25)
:)  :)
hallo dirk,

du hast den schopps hier trefflich adaptiert
was eine kunst und mir auch imponiert
drum leist' auf beifall fürs gedicht verzicht
ich dito nicht!

beste grüße & chapeau🎩!,
henning

 Didi.Costaire meinte dazu am 15.02.26 um 23:21:
Moin Henning,

ich danke dir für den Zylinder
und deinen Vierzeiler nicht minder!

Schöne Grüße, 
Dirk

 harzgebirgler meinte dazu am 16.02.26 um 14:38:
:) :) :D :D

 TassoTuwas (15.02.26, 08:34)
Moin Dirk,

für diese Rede auf der Stelle
gibts einen Orden und Kamelle
sie bringt den Karneval zu KV 
mit dreifachem Alaaf oder Helau

Und jetzt Ballett  :)  ! 
LG TT

 Didi.Costaire meinte dazu am 16.02.26 um 22:29:
Danke Tasso,

du hast mich ordentlich geehrt,
denn Orden sind ja sehr begehrt,
doch noch viel mehr mag ich Kamelle.
Die schmeißt so selten wer in Celle.

Liebe Grüße, 
Dirk

 Quoth (15.02.26, 09:19)
Möge Dein Galgenhumor nicht nur vital sein, sondern viral gehen!
Als ehemaligem Bochumer ist mir noch ein anderer Vorfahre Deines Gedichtes eingefalle: Carl Arnold Kortum mit seiner auch heute noch herzerfrischenden  Jobsiade, die ich, solltest Du sie etwa nicht kennen, dringend Deiner Lektüre anempfehle!

 Didi.Costaire meinte dazu am 17.02.26 um 15:06:
Hallo Quoth,
letztes Jahr habe ich mir sämtliche Werke von François Villon zu Gemüte geführt, dann ist demnächst an einem ruhigen Nachmittag wahrscheinlich Dr. Kortum dran. Solche Opera haben ihren Reiz.
Danke und beste Grüße, 
Dirk

 eiskimo (15.02.26, 09:25)
Was heisst hier Karneval? Ist das nicht verrückte Welt rundum?
Jedenfalls wunderbar beschrieben!
Drei Raketen!

 Didi.Costaire meinte dazu am 17.02.26 um 15:38:
Hallo, geschätzter Eiskimo,
nicht anders ist es, sondern so.
Ich danke für die Pyroshow.

Schöne Grüße, 
Dirk

 Bergmann (10.03.26, 21:41)
Ja, es ist in letzter Zeit so üblich,
ich gebe zu, nicht ohne jeden Grund,
zu sagen: die Lage ist verdammt betrüblich, 
doch macht uns das gesund?

Leider nicht.
  
Es ging uns lange Zeit doch ziemlich gut, 
da kann es jetzt auch mal ein wenig holpern.
Wenn sich Europa endlich finden tut,
könnten wir in eine bessre Ära stolpern.

Ach ja ...

 Didi.Costaire meinte dazu am 11.03.26 um 16:13:
Danke Uli,

Ich hoffe, ich kann in späteren Versionen
Die Chancen, die wir nutzen, mit Freude betonen
Und finde dann in der Suppe nur selten ein Haar
Stattdessen, wie sich die Dinge entwickeln, ganz wunderbar
Jeden Tag wäre die Welt ein bisschen gerechter
Lauter solidarischen Menschen ächteten die Schlächter
Eine Ballade zum Zeitgeschehen ohne Gestöhn
Wäre schön

Liebe Grüße,
Dirk
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