Eiertanz

Satire zum Thema Stillstand

von  Saira

Später wird niemand sagen können,
wann es begann.
Nur: dass sie sich bewegten.


Vorsichtig.
Als läge etwas unter ihnen,
das schon einmal gebrochen war.

Söder. Ein Schritt. Zu früh.
„Steuersenkung“.
Ein Klang, der bekannt ist.

Merz. Im Zentrum.
Die Hände ruhig. Zu ruhig.
„Koalition“ zwischen den Fingern.
Ein Griff, der bleibt und nichts mehr hält.

Etwas wird verschoben.
Leise. Nicht benannt.
Man könnte sagen: „Einfluss“.
Man lässt es.

Klingbeil. Ein Ordnen. Ein Halten.
„Verantwortung“.
Ein Wort, das schon getragen wurde.
Nicht weit genug.

Ein Satz fällt. Bleibt liegen. Wieder.

Dobrindt. „Ordnung“.
Schärfer jetzt.
Doch die Form kennt man.

Ein Ei rollt. „Haushalt“.
Ein anderes folgt: „Inflation“.
Sie berühren sich nicht.
Und doch gehören sie zusammen.

Worte gehen durch den Raum.
Sie bleiben nicht.
Als hielte hier nichts mehr.

Zahlen. Gerade Linien. Korrekt.
Darauf steht niemand.

Ein Aufprall. Leicht.
Merz bewegt sich nicht.

Zwischen ihnen wächst etwas.
Nicht neu. Nur größer.
Man könnte sagen: „Vertrauen“.
Oder dass es fehlt.

Kameras. Ein Klicken. Noch eins.
Dann nichts mehr.

Draußen Menschen.
Sie stehen. Wie immer.
Nicht mehr dieselben.

Einer sagt: „Es ist kein Tanz.“
Pause.
„Es ist das Halten im Fallen.“

Ein Ei bleibt.
Nicht heil. Nicht zerstört.

Ein Riss. Alt. Noch nicht vorbei.

Ein Fuß hebt sich. Zögert.
Als wüsste er, was unter ihm liegt.

Kein Name.
Nur Erinnerung.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




Anmerkung von Saira:

Politik ist nicht gescheitert, weil sie nichts weiß –
sondern weil sie weitermacht, obwohl sie schon alles weiß.

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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (29.03.26, 15:37)
Ja," Eiertanz" ist eine zutreffende Metapher. Wer es drastischer sieht (oder empfindet), mag auch sagen: Tanz am Rande eines Vulkans. Die Lava, die er spuckt, ist von sehr weit sichtbar, das Grollen unüberhörbar. Noch sind es nur Sorgen, die uns drücken, hoffentlich nicht schon bald die nackte Angst.
Staaten klumpen zusammen, einstige Zusammenhalte stürzen ins Bodenlose. Neue Ideen schmelzen wie Fetteinlagen auf der Bratpfanne, die sich langsam erhitzt. Selbst Löcher lösen sich auf: ein surrealistisches Bild, unwirklich und verzerrt. Reden können und wollen fast alle. "Man könnte, man wollte - hätte, hätte, Fahrradkette, Die reinsten Dichter: ein verfüßiger Trochäus ohne wesentlich erkennaren Inhalt.
Philosophen an die Macht? Ja, aber sie haben keine Ahnung von Wirtschaft. Sie leben in Fässern. Wie sieht das aus im Fernsehen? Selbst Günter Jauch knüpft sich das Jakett zu, wenn er aufsteht. Welcher Schneider hat das hingekriegt?
Mir bleibt nur noch Satire, um nicht am "Rad zu drehn". Andere versuchen- nur mit der eigenen Anwesenheit Geld zu machen. Huch, sie hat die Haare schön! Aber was sie reden ist Sperrmüll - leider.

Liebe Saira, ich würde Dir gerne eine Blume dichten. eine Rose mit langem Stil, aber sie müsste mit einm Glas voller Tränen vorlieb nehmen.
ein lieber Gruß!
Reli

Kommentar geändert am 29.03.2026 um 15:41 Uhr
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