ALS THALES IN DEN BRUNNEN FIEL

Anekdote zum Thema Erinnerung

von  harzgebirgler

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Der Überlieferung nach ging Thales von Milet - antiker griechischer Naturphilosoph, Mathematiker und einer der Sieben Weisen - einst nachts spazieren, um den Sternenhimmel zu betrachten. Völlig in seine Himmelsbeobachtungen vertieft, achtete er nicht auf den Weg und fiel in einen Brunnen.

Eine thrakische Magd, dIe das Malheur des Weisen sah, lachte ihn aus und spottete: Er wolle zwar wissen, was am Himmel vorgehe, bemerke aber nicht einmal, was direkt vor seinen Füßen liege.

Diese Anekdote wurde vor allem durch Platons Dialog Theätet bekannt und stsmf seitdem symbolisch für den weltfremden Gelehrten, der den Bezug zur Realität verloren hat.

 

Martin Heidegger erzählte und kommentierte sie einst ebenfalls ausführlich in seiner Vorlesung im Wintersemester 1935/36 „Die Frage nach dem Ding“. Dabei nutzte er den Sturz des Thales nicht, um sich über den Philosophen lustig zu machen, sondern um das Wesen der Philosophie selbst zu beschreiben:

Das notwendige Fallen:
Für Heidegger ist das Philosophieren „jenes Vorgehen, bei dem man besonders Gefahr läuft, in den Brunnen zu fallen“. Er sieht den Sturz in den Abgrund als eine strukturelle Notwendigkeit des Denkens.

Verlust des alltäglichen Bodens:
Wer tiefe, fundamentale Fragen nach dem Wesen der Dinge stellt, muss laut Heidegger zwangsläufig den sicheren Boden der alltäglichen Erfahrungen und der oberflächlichen Lebenswelt unter den Füßen verlieren.

Die Beschränktheit des Lachens:
Das Lachen der Magd (und der breiten Öffentlichkeit) repräsentiert für ihn das bloß gesunde, alltägliche Vorstellungsvermögen, das nicht begreifen kann, warum man sich mit Dingen beschäftigt, die nicht unmittelbar „vor den Füßen liegen“.

Heidegger dreht die Perspektive also um: Der Brunnensturz ist kein törichtes Missgeschick, sondern das Sinnbild für die existentielle Tiefe und Abgründigkeit des echten philosophischen Fragens.



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Kommentare zu diesem Text


 Aber (19.06.26, 14:50)
Zweifelhaft, Henning. Nietzsches Übermensch wurde auch missbraucht.
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