Eine Reise, sich zu knechten, sich zu finden, das Dunkel austreibend, sich mit dem Kommenden zu verbinden.

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Vorwort

So oder so ähnlich verhält es sich. Ich wandelte das famose Der Herr der Ringe-Zitat für meinen Zweck ab und beziehe es eben so auf meine Reise – mag sie auch anmuten wie eine Odyssee, die erst einige Tage alt ist und dafür doch schon äußerst weit in mir vorangetrieben, sie bleibt in mir etwas unverbrüchlich Notwendiges. Das Vorangetriebene äußerst sich derart, dass ich meinte, ich hätte die vergangenen Jahre nichts anderes gemacht, als eben diese Tour zu planen und darauf hinzuarbeiten, als sei alles, was ich in dieser Zeit tat, ein Prolog auf das hiermit vorgestellte Bühnenstück.
 
Die Reise ist mir wie ein Mandala: etwas, das mich tagtäglich und alle Nächte herausfordert, immer etwas Neues parat hält und den Wandel dadurch einläutet, dass das, was eben noch galt, nach kurzem Innehalten nicht mehr gilt. Dass, alles was ich an Tadel bei mir erkennen abgeht und neuen Tadel sendet. Ob Sisyphos oder auch das Kinderspiel Handturm, es bleibt die Unwissenheit, die Neugier und auch die Hoffnung.
 
Auf der Reise wird meine ganze Person, mein umfänglicher Charakter gefordert; teils verschüttete Erinnerungen und Erfahrungen kehren zurück, machen mich ungeschickt, machen mich unsicher, wütend, traurig, aber lassen mir Fenster und Türen offen, um mich zu holen und um zu gehen, auf dass ich meinen eigenen Wert erkenne. Mag dieser auch in den letzten Jahren quittiert worden sein, ausgenullt und irgendwie beglichen.
 
Im Leben unternahm ich einige Reisen und viele Male war ich fern einer Heimat, eines Heims, eines Zuhauses. Als ich es dann einstmals gefunden meinte, löste es sich in Wohlgefallen auf, wurde aufgegeben und vergessen. Dies, nun viele Jahre her, liegt wahrscheinlich dort, wo auch meine Kindheitserinnerungen liegen mögen, und zusammen bilden sie immer wieder die Grundfesten dieses Reisetagebuches.
 
Es liegt mir nichts daran, ausschweifend zu jammern – sehr wohl tue ich es, sehr wohl erfordert es diese Reise und das Vorangegangene –, aber ich betrachte die Sache auf einer Ebene, die auf dem Niveau einer Hauseingangstür liegt. Denn nichts missbillige ich an einem Haus mehr als eine zu sehr in die Höhe gefertigte Bauart. Erdverbunden mag man nach oben sehen, vieles strebt sodann über den Scheitel; aber stünde man höher, sähe man auch nicht mehr vom Himmel.
 
Dieses Leben auszukosten, es als Reise zu unternehmen und mich schließlich irgendwann wieder fahren zu lassen, wohin es dabei auch immer ginge, ist mir Motivation und Motiv für die Einträge in dieses Tagebuch.
 
Spaß möchte ich bei der Lektüre nicht direkt wünschen, ich kenne den Inhalt zu gut, eher eine bereichernde Zeit und eine gewisse Freude.


Inhaltsverzeichnis
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