Felder

Gedicht

von  niemand




1. Weizen


Singt der Wind sein wildes Lied

wenn er durch den Weizen zieht

glänzt in dessen grüner Mähne

- angestrahlt vom Sonnenlicht -

hier und dort

ne goldene Strähne

die von naher Reife spricht


2. Hafer


Streicht der Wind durch Hafers Locken

schüttelt der den Kopf -

Komplimente und Frohlocken

wünscht solch eitler Tropf


Doch dem Winde fehlt

das Reifen

drum bevorzugt er das Pfeifen

auf den Wuschelkopf


3. Gerste


Fräulein Gerste steht gesittet

- fein bezopft -

worum sie bittet

ist dem Wind zu schlicht


Wirkt wie eine Gouvernante

- so was gibt sich kaum die Kante -

die bepfeift man nicht!


4. Roggen


Dieses edle aufrecht Stehen

kleidet ihn so gut -

Etwas bläulich anzusehen

wie von Adelsblut


denkt der Wind

und sein Verbeugen

möchte gern von Achtung zeugen -


zieht vor ihm den Hut!





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Kommentare zu diesem Text


 Gabyi (30.05.26, 20:23)
Ein lockerer Querschnitt durch die altbekannten Getreidesorten.

LG, Gabyi

 niemand meinte dazu am 31.05.26 um 12:25:
Dankeschön!   ;)   und einen lieben Gruß zurück, Irene

 AnneSeltmann (31.05.26, 06:41)
Moin!

Das gefällt mir ausgesprochen gut.  :)
Besonders mag ich, wie jede Getreideart ihren ganz eigenen Charakter bekommt. Der Weizen wirkt, wie ein sonniger Jüngling kurz vor dem Erwachsenwerden, der Hafer als selbstverliebter Wuschelkopf sorgt für ein Schmunzeln, die Gerste hat etwas angenehm Strenges und Anständiges, und der Roggen schreitet am Ende beinahe aristokratisch durch die Landschaft.
Was mir besonders auffällt: Der Wind ist hier nicht einfach nur Wind. Er wird zum Beobachter, Kommentator und gelegentlich auch zum kleinen Schelm. Dadurch entsteht eine wunderbare Leichtigkeit, die an klassische Naturgedichte erinnert, ohne altmodisch zu wirken.
Mein persönlicher Favorit ist der Hafer. Die Zeilen
"Komplimente und Frohlocken
wünscht solch eitler Tropf"

haben mich spontan zum Lächeln gebracht. Man sieht diesen zerzausten Kerl direkt vor sich, wie er geschniegelt und gestriegelt auf Anerkennung wartet.
Aber auch der Schluss mit dem Roggen ist sehr gelungen. Dass der Wind vor ihm den Hut zieht, ist ein schönes Bild und verleiht dem Gedicht einen würdigen Ausklang.
Ein Text, der Naturbeobachtung, Humor und Sprachwitz auf eine sehr charmante Weise verbindet. Solche Gedichte lese ich gern, weil sie Pflanzen nicht nur beschreiben, sondern ihnen eine Seele schenken.


Liebe Grüße

Anne

 niemand antwortete darauf am 31.05.26 um 12:29:
Dankeschön! liebe Anne   <3
Deine Kommentare sind schon lesenswert, als etwas gutes Eigenes.
Das ist was ich immer bei Dir bewundere und wie ich es schonmal sagte, verfüge ich nicht über eine solche Fähigkeit, daher verharre ich nicht selten, bei Gefallen, in Empfehlungen.    ;) 
Mit lieben Grüßen zurück, Irene

 AnneSeltmann schrieb daraufhin am 31.05.26 um 16:49:
Liebe Irene!

Ich freue mich natürlich über dein Lob an meinen Kommentaren. Aber mache dir bloß keinen Kopf, nur weil du dir diese Fähigkeit absprichst. Ich bin da völlig schmerzfrei und freue mich auch schon an wenigen Worten oder nur Empfehlungen!

Liebe Grüße

Anne

 Jedermann (31.05.26, 12:19)
Wunderbares Gedicht - Poesie der Süßgräser.
Fehlt nur noch der Mais:

Mais
Über Hafer, Weizen, Roggen, Gerste
ragt er breit hinaus,
hält sich für das Allererste
auf dem Ackerhaus.
Wind zaust durch die Blätter,
so raschelt es im Sommerwetter.

 niemand äußerte darauf am 31.05.26 um 12:30:
Huj, das ist aber ein schönes Gedichtchen    :)
Dankeschön! für diese liebenswerte Ergänzung.
Mit lieben Grüßen zurück, Irene

Antwort geändert am 31.05.2026 um 12:31 Uhr

 Moppel (31.05.26, 13:16)
wow, da hast du aber genau hingeschaut, liebe Irene. lG von M.

 niemand ergänzte dazu am 31.05.26 um 13:26:
Wir radeln fast täglich an Feldern vorbei und in jeder Jahreszeit
sind sie anders. Die vier Kornarten sind schon speziell. Ich habe immer zu meinem Mann gesagt: Die erkennst Du an den verschiedenen Frisuren   :D   und an ihrer Haltung. Die Gerste ist die steifste von allen und am beweglichsten ist der Weizen.
Mit lieben Grüßen zurück, Irene

 Vaga (31.05.26, 14:07)
Hier schimmert (mit jedem, sich im Wind wiegenden Getreidehalm und) durch alle Zeilen und Strophen sowohl das Talent des acht- und aufmerksamen Schauens, als auch das des Umsetzens dieser Bilder in m. E. sehr feinsinnlich konnotierte Worte. LG - Vaga

Kommentar geändert am 31.05.2026 um 14:08 Uhr
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