Der Duzer

Kurzprosa zum Thema Achtung/Missachtung

von  niemand



Wer will schon ungefragt geduzt werden? Ich nicht und dennoch. Der ist frech genug es zu tun. Wie der schon ins Fenster schaut. Immer mit dem Gesichtsausdruck „Du hast doch nichts dagegen,oder?“ Und ob ich was dagegen habe! Ich will ihn nicht in meiner Wohnung sehen, nicht, wenn ihm die Sonne so direkt aus dem Arsch leuchtet. Das scheint ihm aber egal zu sein. Schon krabbelt er auf die Fensterbank und drängt sich in mein Kippfenster. Du, ich schau mal eben rein, wenn Du nichts dagegen hast! Ich habe aber was dagegen, also ziehe ich die Gardine zu. Schwupp, und da ist er wieder. Weiß der Teufel durch welche Ritze er grade gekrochen ist. Habe ich Ihnen irgendwann das Du angeboten? Nö, sagt er, aber das macht nichts! Ich guck mich mal eben um bei Dir, sagt er und schaut unters Bett, schnüffelt in jeder Ecke herum, sogar in den Kühlschrank steckt er seine sonnig durchleuchtetet Rübe. Du, da ist aber nicht viel drin und einiges riecht schon komisch. Was geht Sie das denn an, was in meinem Kühlschrank riecht, oder nicht? Ich schaue ihn wütend an. Hab Dich nicht so, ist seine Antwort. Und schon läuft er durch alle Zimmer, glotzt in die Ecken. Ich werd verrückt , denke ich. Wie werde ich diesen Duzer nur los?


Mein Gott, wenn ich an den sanften, kühlen Tag denke, der vor einiger Zeit durch meine Wohnung zog. Diesen freundlichen Blick vergesse ich nicht so leicht. Seinen achtungsvolle Gang, immer bemüht sich und mich nicht im falschen Licht erscheinen zu lassen. Wie behutsam er ein Tuch über meine Schultern legte, als ein frecher Windzug ins Zimmer flog. Wie liebevoll er mir einen Pullover anbot, gegen das kalte Lüftchen des Eindringlings, das war schon bemerkenswert. Und immer ein Sie auf den ernsten Lippen. Das waren Stunden, die ich so leicht nicht vergessen werde. Am Nachmittag gingen wir beide spazieren. Er bot mir an, meine leichte Jacke mitzunehmen, damit ich nicht frieren sollte, wenn er sich ab und zu in seine Wolken verhangenen Gedanken zurück zog. Doch auch dabei waren wir beide immer ein Herz und eine Temperatur. Nicht so, wie mit diesem überhitzten Duzer. Mein Gott, was bildet sich dieser freche Tag denn ein? Dass ich ihn umarme, während er mir seinen Schweiß feuchten Atem unter die Nase bläst? Dass ich glücklich bin, wenn er seine Laterne über mich hält und so tut als wäre es harmlos meine Falten im Gesicht einzeln zu durchleuchten? Sollte ich es vielleicht als angenehm empfinden, wenn er meine Räume ausspioniert, wie ein amerikanischer Agent? Nein! Bleib mir bloß vom Leibe Du aufdringliches, grinsendes Duzer-Gesicht! Verdammt, jetzt duze ich ihn auch schon. Entgegen meiner guten Vorsätze. Man sollte sich mit solchem oberflächlichen Gesindel nicht abgeben müssen, das färbt ab, denke ich und mache alle Fenster zu. Und doch weiß ich, dass er wieder kommt. In einer Stunde. Sagte er vorher nicht, dass er für einen Moment weg müsse? Wolken checken?



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Kommentare zu diesem Text

hehnerdreck (67)
(19.08.25, 22:09)
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 niemand meinte dazu am 20.08.25 um 09:02:
Das mit de Formatierung ist irgendwie immer komisch. Wenn ich es bei mir schreibe und dann einstelle, dann sind entweder zu viele Leerstellen und der Text wirkt so auseinandergenommen, dass man hier und dort korrigieren muss, damit das Gesamtbild nicht einem Fetzen gleicht. Bei Gedichte ist das alles viel einfacher   
Ich dank Dir schön fürs Gefallen   

Mit lieben Grüßen zurück, Irene   ;)

Antwort geändert am 20.08.2025 um 09:02 Uhr
hehnerdreck (67) antwortete darauf am 20.08.25 um 10:21:
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hehnerdreck (67) schrieb daraufhin am 20.08.25 um 10:24:
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 niemand äußerte darauf am 20.08.25 um 11:45:
@ Hener
ich bin ein absoluter Depp in puncto Technik & Experimentieren,
das wird bei mir nicht klappen  :P Was ist die "Standartschrift?
Damit ich beim nächsten Mal diese verwenden kann? Mensch da gibt es so viele Schriften. Ich habe genommen was so grad kam  :ermm:
hehnerdreck (67) ergänzte dazu am 20.08.25 um 14:01:
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Saudade (49)
(19.08.25, 22:19)
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 niemand meinte dazu am 20.08.25 um 09:06:
Das mit dem ungefragten Duzen ist aber inzwischen eine Art Volkskrankheit, besonders bei Jugendlichen sehr beliebt. Ich kann das überhaupt nicht leiden, aber wenn man es sich verbietet, dann glotzen alle als ob man geisteskrank wäre. Wahrscheinlich ist die Polizei das schon gewohnt und passt sich an. Im Übrigen duzen einen die sogenannten Migranten fast immer, das überhöre ich bei denen schon. Vielleicht ist das bei denen so üblich.

Mit liebem Dank Dir und Grüßen, Irene  :)
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