Die Stadt der Sterbenden

Expressionistisches Gedicht zum Thema Weltuntergang/ Endzeit

von  DerHerrSchädel

Die Stadt der Sterbenden

Es liegt die Dunkelheit schwer auf der Stadt.
Ihr sind die schwarzen Wände wie ein Sarg.
Dort lastet Asche auf der Lüfte Pfad
Und speist die Rachen bitter nur und karg.

Die hohen Türme sind von Staub bedeckt
Und tote Leiber finstrer Gassen Zier.
Den Knochen sind die Häute weggefegt,
Die noch im Winde flattern wie Papier.

Wer fällt, der wird sich nimmermehr erheben.
Die Straßen sind dem Sterbenden das Bett.
Ein letztes Röcheln läßt sie noch erbeben
Und die Gebeine tanzen bis zum Schluß Ballet.

Es hüpfen Kinder drüber, deren Nasen
Mit dicken Tüchern schützend zugedeckt.
Sie packen einen Toten mit Emphase,
Den hungernd sie zur Speise sich entdeckt.

Es klammern Säuglinge nur noch am Fuß
Der Mütter, doch die tragen daran schwer.
Sie werfen ihre Kleinen in den Fluß
Und springen ohne Hoffnung hinterher.

Die Keller sind mit Flüchtigen gefüllt.
Sie drängen ungeschickt auf engem Raum.
Noch trommeln an die Tore aufgewühlt
Die Nachgekommenen; man hört sie kaum.

Da sitzen sie vor Gram und Furcht gebeugt
Zum Winkel starrend, der im Zwielicht liegt.
Ein Schädel aus dem Dunkel dort entsteigt
Des kalter Blick durch kein Erbarmen trügt.

Ein Vater schreibt dem Sohne einen Brief
Und schreibt zum Trost von höherm Sinn,
Von Gottvertrauen, dessen Pfeiler tief
Dann legt er sich zum Sterben hin.

Wo ist der Sohn; ob er ihm glauben wird?
Er spinnt die Fragen ein in sein Gebet.
Gott weist den Weg, der zu ihm führt.
Das ist gewiss wie es geschrieben steht.

Da bricht die Tür und all sein Sinnen stockt.
Ein Schwall von Asche auf ihn niederdrückt,
Des Zornesbrausen läßt ihn tief geschockt
Erstarren, bis er zitternd dann erstickt.

Kommentare zu diesem Text

yodafan (47)
(27.06.09)
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 DerHerrSchädel meinte dazu am 27.06.09:
Wie es sein soll. Imer wieder faszinierend zu sehen, dass meine Texte besser ankommen, je je düsterer die Bildersprache ist. Scheint meine "Spezialität" zu sein. Danke für Lob und Empfehlung.

Viele Grüße

Schädel

 sundown (27.06.09)
Sehe es wie yodafan..es hat mich beim Lesen gepackt und Vers zu Vers mitgerissen. Schaurig schön..
Lg sundown

 DerHerrSchädel antwortete darauf am 27.06.09:
Danke fürs mitreissen lasen;-)

Viele Grüße

Schädel

 AZU20 (27.06.09)
Das reisst ganz besonders mit und lässt einen nachdenklich zurück. LG

 DerHerrSchädel schrieb daraufhin am 27.06.09:
Das ist schön, vielen Dank!

Vielen Dank!

Viele Grüße

Schädel

 Janoschkus (27.06.09)
das ist natürlich sehr schön geschrieben und gekonnt bebildert, aber ich werde das gefühl nicht los das alles schon mal gelesen zu haben, sowohl von heym, als auch von dir. das bild von den kindern, deren nasen mit tüchern bedeckt sind, hat mir besonders gut gefallen. fazit:
positiv: - ausgezeichnete bildersprache
-fesselnd apokalyptisch geschrieben
negativ: nichts wirklich neues

gruß janosch

 DerHerrSchädel äußerte darauf am 27.06.09:
Ist ja nicht so, dass ich nicht über andere Dinge schreibe, aber sowas klappt einfach immer am besten. Obwohl meine neuen Texte einen anderen Ton haben. (Der hier ist über ein Jahr alt) Wenn ich ich mich recht entsinne, ist dieser Text im letzten Jahr mein apokalyptischster gewesen - und eigentlich mein einziger Text in dieser Sparte.
Na ja, genug geschwatzt, hast nicht unrecht, aber irgendwas muß ich ja sagen.

Viele Grüße
orsoy (56)
(30.06.09)
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eleutheros (26)
(04.08.09)
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 DerHerrSchädel ergänzte dazu am 07.08.09:
Nein, hab ich leider nicht. Aber ich werde, wenn ich die Zeit dazu habe. versprochen!
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