Natur

Kurzprosa zum Thema Natur

von  Ganna

Mein Auto schlängelt sich mit der Straße die Berge rauf und runter. Ich kann nicht genug von der Landschaft bekommen und fahre einfach so, mich am Sein berauschend.
Weit und breit kein Anzeichen menschlichen Tuns, das darauf gerichtet ist, Natur in eine Ordnung zu pressen, die sie zu einem beherrschbaren Untertan macht. Die ausgefranzten Straßenränder, an denen man vergebens weiße Linien sucht, gehen ungehindert in Wildnis über.
Stille.
Ich bin allein auf der Straße. Über mir scheint ein klarer Himmel, der die Unendlichkeit verkündet, die nichts verspricht, außer einem völlig unpersönlichen Sein.

Meine Hütte finde ich unversehrt. Wilde Katzen verbreiteten auf der Suche nach Nahrung das übliche Chaos. Meine Katze stürmt aus dem Auto in den Wald und ich sehe sie nicht mehr.
Kein Laut.
Selbst die Vögel scheinen zu schlafen.
Ich packe meine Sachen aus und mache Ordnung, lege die Lebensmittel in den Schrank und fülle die Futternäpfe. Dann schichte ich Zeitungen, Reisig und Holz in den Ofen. In der Küche bereite ich die Feuerstelle für den nächsten Morgen vor.

Anschließend begrüße ich meinen Platz, Sommerküche und Garten. Allen Pflanzen geht es gut. Fast unverändert finde ich sie, einige welke Blätter mehr, den Boden etwas nasser, die Artischocken größer und die Saubohnen auch.
Froh und dankbar bin ich über die Treue dieses Ortes. Er bleibt mir gewogen und meinem Tun, sich ergebend in dem, was ich verändere oder nicht. Dieser Platz verlangt nichts, drängt mir nichts auf und lässt sich durch nichts einschüchtern. Der Gleichmut der Erde zeigt mir, wie unwichtig ich bin. Nichts hier nimmt Anstoß an meiner Existenz, nichts richtet sich persönlich gegen mich.
Mich umgibt Sein, das mit sich selber beschäftigt ist.
Hier kann ich vertrauen. Hier bin ich bei mir.
Ich bin dankbar.

Kommentare zu diesem Text


 Lala (16.02.13)
Das Gefühl kenne ich auch. Es wäre vielleicht auch ein bisschen zu arg gewesen, wenn Du statt Auto SUV geschrieben und vieilleicht noch hinzugefügt hättest, dass Du eine - metaphorisch gesagt: zwangsarisierte - Farm in einem locus amoenus bewohnst?
Das aber hätte diese gelungene Satire zu offensichtlich gemacht. Der Titel "Natur" und der Einstieg mit "Mein Auto" reicht eigentlich schon und ist sehr genial gewählt.

Zivilisation und Wohlstand sind ja auch gemein: mit Konfort, Klimatisierung und Küchenzeile ist ja die ansonsten stinkefiese, hundsgemeine und arschgefährliche Natur erst so richtig gut - vielleicht noch mit einem fair trade Kaffee? Oder einem Earl Grey? - genießbar?


Schwer beeindruckt:

Dein - immer Natur pur - Freund

Lala

PS: Gib Gummi!
(Kommentar korrigiert am 16.02.2013)

 Ganna meinte dazu am 16.02.13:
...hey...wir reden aneinander vorbei, was aber nur natürlich ist, denn jeder liest es eben aus seiner Sicht...es handelt sich tatsächlich um eine Hütte ohne Strom, 15m2 groß mitten im Wald...ohne Küchenzeile und Kaffeewärmer...und auch Wasser gibt es nicht darin, nur einen Holzofen und ich habe dort sieben Jahre drin gewohnt...ununterbrochen und zufrieden...

...doch, sehr interessant Deine Reaktion...sie eröffnet auch mir neue Sichtweisen...

LG Ganna
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