Die hiobmäßige Heimsuchung des Terry Caffeh und ein kleines Blatt Papier

Anekdote zum Thema Wunder

von  Bluebird

»Woher kommst du?«, fragte ihn der HERR. »Ich habe die Erde durchstreift«, gab dieser zur Antwort.  Der HERR erwiderte: »Dann ist dir sicher auch mein Diener Hiob aufgefallen, ... der so rechtschaffen und aufrichtig ist ..., der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt.«

»Überrascht dich das?«, fragte der Satan. »Er tut’s doch nicht umsonst! Du hast ihn, seine Familie und seinen ganzen Besitz stets bewahrt. 
Seine Arbeit war erfolgreich, und seine Herden haben sich gewaltig vermehrt. Aber – versuch es doch einmal und lass ihn Hab und Gut verlieren, dann wird er dich ganz sicher vor allen Leuten verfluchen.« 
 »Gut«, sagte der HERR, »mach mit seinem Besitz, was du willst, nur ihn selbst taste nicht an!
(Hiob 1, 7-12)


Was sich da in der Nacht vom 1.3.2008 in Wills Point/Texas zugetragen hat, könnte aus einem Horrorroman stammen. Zwei als Ninjakrieger verkleidete Jugendliche drangen in das Haus von Terry Caffeh ein und töteten seine Frau Penny und seine beiden Söhne. Dann legten sie ein Feuer, um alle Spuren zu vernichten. Das Haus brannte komplett ab!

   Terry selber überlebte den Anschlag schwerverletzt. Wenig später fand man auch seine 16jährige Tochter Erin in der Wohnung ihres Freundes Charlie, überraschender Weise in einem unverletzten Zustande.

   Die beiden jugendlichen Täter wurden schnell ermittelt. Es handelte sich um Charlie, jenen Freund von Erin, und dessen Freund Charles. Sie gaben sofort alles zu, bezichtigten aber Erin, sie zu dieser Tat angestiftet zu haben. Was das Gericht später, trotz gegenteiliger Beteuerungen von Erin, genauso sah. Sie wurde zusammen mit den beiden anderen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Terry Caffeh, Jugendpastor einer baptistischen Gemeinde, war völlig verzweifelt. Wo war Gott in dieser Nacht gewesen. Warum hatte er diese Katastrophe zugelassen? War es ein Gericht Gottes gewesen? Aber wofür?
Solche und ähnliche Gedanken mögen ihn umgetrieben haben.

   Nach seiner Genesung kaufte er sich einen Wohnwagen und stellte ihn auf das Gelände des in Schutt und Asche liegenden Hauses. Täglich suchte er nach Überresten, Erinnerungsstücken seines früheren Lebens.

   Aber er war schwer depressiv und schlug sich mit Selbstmordgedanken herum. Eines Tages war er bereit sich das Leben zu nehmen und richtete ein letztes, verzweifeltes Gebet an Gott: „Ich brauche etwas von dir, das mir die Kraft zum Weiterleben gibt. Hier und jetzt!“

   Da sah er aus dem Augenwinkel ein halb verbranntes Blatt Papier vor einem Baum liegen. Er hob es auf und las: „[Gott], ich konnte nicht verstehen, warum Du mir meine Familie genommen und mich zurückgelassen hast, um ohne sie weiterzukämpfen. Und ich glaube, ich verstehe diesen Teil immer noch nicht ganz. Aber ich glaube, dass Du allmächtig bist; Du hast die Kontrolle.“

  Diese Seite stammte aus einem Roman, den Penny mal gelesen hatte. Aber wieso fand er dieses Blatt Papier ausgerechnet jetzt? 
  Für ihn war es eine direkte Antwort Gottes auf seinen Hilfeschrei und wurde zu einem erneuten Wendepunkt in seinem Leben.

  Auf einmal begriff er, dass es eine hiobmäßige Prüfung und keine Strafe Gottes war. Gott hatte die Tragödie zugelassen, aber es steckte ein tieferer Plan dahinter! Terry fasste neues Vertrauen in Gott und fand den Mut zum Weiterleben.
  Seine damalige Erfahrung hat er übrigens in einem Buch veröffentlicht: hier



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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (25.08.25, 15:38)
Man prüft etwas, das man nicht weiß; so ist das Wort "prüfen" definiert.
Welchen Sinn sollte ein solcher Vorgang bei einem allwissenden Gott haben?

 Bluebird meinte dazu am 25.08.25 um 22:24:
»Überrascht dich das?«, fragte der Satan. »Er tut’s doch nicht umsonst! Du hast ihn, seine Familie und seinen ganzen Besitz stets bewahrt. 
Seine Arbeit war erfolgreich, und seine Herden haben sich gewaltig vermehrt. Aber – versuch es doch einmal und lass ihn Hab und Gut verlieren, dann wird er dich ganz sicher vor allen Leuten verfluchen.« 
12 »Gut«, sagte der HERR, »mach mit seinem Besitz, was du willst, nur ihn selbst taste nicht an!
(Hiob 1, 9-12)
Die Gerechtigkeit Hiobs sollte dem Teufel und den Menschen offenbar werden. Und noch weit mehr als das! Es ging auch um ein Offenbarwerden satanischer Bosheit in der Welt. Als einer maßgeblichen Ursache für das Leiden in der Welt!

Antwort geändert am 25.08.2025 um 22:27 Uhr

 Graeculus antwortete darauf am 25.08.25 um 23:15:
D.h. vom Begriff der Prüfung hast Du Dich stillschweigend verabschiedet.

Und ich lerne, daß Gott immer noch nicht genug hat von dem Spiel einer Wette mit Satan - nur daß aus Hiob ein baptistischer Geistlicher geworden ist.

Antwort geändert am 26.08.2025 um 00:31 Uhr

 Bluebird schrieb daraufhin am 26.08.25 um 08:30:
Eine Prüfung ist ein Verfahren, bei dem Kenntnisse oder Fertigkeiten, allgemein eine Leistung, durch bestimmte Aufgabenstellungen oder Fragen festgestellt werden. Im übertragenen Sinne bedeutet Prüfung auch „schweres Leid“ (Wikipedia)
Du siehst, dass ich mich an eine gewohnte Verwendung des Begriffs gehalten habe 

Ja, aber man könnte auch daraus lernen, dass Gott manchmal nur ein Gebet weit entfernt ist (siehe das Blatt Papier)
Terry ist übrigens heute wieder verheiratet und ein Prediger mit größerer Reichweite. Ein gesegneter Mann!
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