Karneval rotzfrech

Kommentar zum Thema Mut

von  eiskimo

Man höre und staune: Das Land, das seit vier Jahren die Ukraine mit Panzer-, Raketen- und Drohnenangriffen übersät, das Krankenhäuser und Wohnblocks zerbombt und gerade unschuldige Zivilisten bei extremen Minustemperaturen in den Kältetod treiben will, dieses Land hat …. „religiöse Gefühle“, ja, es fühlt sich „ als Staat verunglimpft“.

Sein Präsident sei beleidigt, weil die von ihm angestiftete „Spezialoperation“ von einem Künstler als echtes Blut-Bad dargestellt wurde.

Und tatsächlich: Im Düsseldorfer Karnevalszug von 2025 waren Mottowagen zu sehen gewesen, die jenen Präsidenten in einer Badewanne voll Blut zeigten – eine sehr kleine Badewanne, gemessen an dem unermesslichen Blutvergießen, das er zu verantworten hat. Und derselbe Präsident war auf einem anderen Mottowagen abgebildet im Schulterschluss mit Donald Trump, mit dem zusammen er die kleine Ukraine beutelte: Überschrieben das ganze mit „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“. Noch enger und anzüglicher das intime Miteinander Putins mit Kyril I, der ihm auf den Knien die Unterstützung der orthodoxen Kirche darbietet.

Sehr eingängig diese Kritik, und pointiert, das sei zugegeben. Aber gemessen an der realen Verschleppung von Kindern, an Butscha und anderen Gräueln, waren das lediglich imaginäre Attacken, politische Stellungnahmen in Form von überspitzten Bildern und Worten, Pappmaché-Figuren, die entlarvten und bloßstellten – nein, keine Marschflugkörper.

Und Düsseldorf, diese Stadt am Rhein, liegt in Deutschland, in einem Land, das politische Stellungnahmen nicht nur erlaubt. sondern auch schützt. Gut so. Auch wenn der verantwortliche Künstler, Jacques Tilly, sich einen „Freigeist“ nennt und dabei ganz tief in die Satire-Kiste gegriffen hatte.

Ja, im Karneval vor einem Jahr, da bekamen Putin und seine Handlanger ordentlich ihr Fett weg. So wie andere Diktatoren und Würdenträger mit ihnen und vor ihnen auch.

Pikant ist, dass diesem Düsseldorfer Wagenbauer Tilly jetzt in Moskau der Prozess gemacht wird.

Sogenannte Richter sollen die von ihm verursachte „Verunglimpfung“ , die von ihm provozierte „Verletzung religiöser Gefühle“ ahnden. In Abwesenheit des Satirikers, wohl bemerkt.

Pikant auch: Der hat von seinem Prozess nur zufällig erfahren. Auch, dass er tatsächlich einen „Pflichtverteidiger“ habe.

Man höre und staune. Das wäre ja fast wie in einem Rechtsstaat. Nur: Das Urteil steht wohl schon fest. Zehn Jahre heißt es, sollte Tilly je ausgeliefert werden.

Aber alle, die in Düsseldorf damals gelacht haben, die haften mit. Denn die Botschaft soll wohl lauten: Kriegsverbrecher dürfen nicht entlarvt werden. Aufklärung ist unerwünscht. Die Angst soll einziehen, und alle sollen kuschen, auch hierzulande, auch im Karneval.






Anmerkung von eiskimo:

Merke: Unsere Bereitschaft zu kuschen und der Angst nachzugeben, die macht die Diktatoren erst stark. Ihr Zwangsstaat fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus, sobald die vielen „Schwachen“ sich ein Herz fassen und Kante zeigen.

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Kommentare zu diesem Text


 Aber (29.01.26, 22:31)
Russland wurde vom arroganten Westen immer in die zweite Schublade gepackt. Nun gibt es die Prügel dafür.

Stell Dir vor, wir verfügten über Moskaus derzeitige Macht.
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