Als sie seine Schwester entführten, um Lösegeld zu erpressen, wollte er keine Polizei. Er wollte den Entführern vielmehr zeigen, dass er unbedingt bereit war, zu kooperieren. Zu ihren Bedingungen. Und was ihn trug, war letztlich der Glaube an das Gute. Er würde gehorchen und zahlen, und die anderen wären fair und hielten sich an ihre Versprechen, so dass seine Schwester frei käme.
Dass diese Anderen zutiefst verlogen waren und „gut sein“ überhaupt nicht in ihrer DNA hatten, zu dieser Einschätzung war wiederum er nicht fähig. Denn er war mit dem Gut Sein sozusagen imprägniert. Fairness, Moral, sich an Verträge halten, niemanden übers Ohr hauen, keine Gewalt anwenden – all das war ihm von Kind an anerzogen. Und in der Blase, in der er sich bewegte, gehörte dies auch zu den „guten Sitten“ – weitestgehend.
Als er das Lösegeld bezahlt hatte, platzte diese Blase. Schrecklich. An jenem Tag X war er plötzlich mit einer Brutalität und Eiseskälte konfrontiert, die er sich in seiner braven Weltsicht gar nicht hatte ausmalen können. Böses Erwachen. So unfassbar böse..
Anmerkung von eiskimo:
Mit unserer Prägung auf "das Gute" zeigen wir auch Schwäche, oder?
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