Karmawind

Gedanke zum Thema Schicksal

von  LotharAtzert

„Ich laß mich nicht verbiegen“ hört man oft besonders stolze Menschen sagen. Das führt, unerkannt, zur Frühversteifung, geistig, emotional, sowie den damit verbundenen physischen Krankheiten. Biegsamkeit bis ins Alter hingegen bleibt jenen vorbehalten, die mit allen Winden auf deren eigene Art tanzen lernen.

Je später man anfängt, umso mühsamer, linkischer, gefährlicher wird’s vielleicht auch. Du kennst die lange Schieberbank der Unbeugsamen.



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Kommentare zu diesem Text


 niemand (08.03.26, 17:30)

Biegsamkeit bis ins Alter hingegen bleibt jenen vorbehalten, die mit allen Winden auf deren eigene Art tanzen lernen.
@ Lothar

Ist das wirklich von Bedeutung ein Wendehals zu sein, wird da nicht Biegsamkeit mit "Verbiegungssucht" verwechselt. Verrenkt man sich dabei nicht das letzte Stück Rückgrat welches einen Menschen erst zu einer Persönlichkeit macht, zum Aufrechtstehenden, zum nicht von allem und jedem 
modellierbaren Geschöpf? Jedem und allem gefällig zu sein, empfinde ich nicht als erstrebenswert. LG Irene

 Wastl meinte dazu am 08.03.26 um 18:50:
Scheinbar wird Lothar im Alter gegenüber bestimmten Leuten nachgiebiger. Ob wir dazu gehören, wird sich in seinem nächsten (evtl.) unnachgiebigen Kommentar noch zeigen.  <3

 LotharAtzert antwortete darauf am 08.03.26 um 20:18:
mit allen Winden auf deren eigene Art tanzen lernen.
Seid Ihr sicher, daß Ihr den Karmabegriff verstanden habt? Zu diesen Winden gehören der Darmwind ebenso, wie der Wind, welcher nach Bob Dylan die Antwort fortbläst. 
Jedem und allem gefällig zu sein
Das soll ich gesagt haben? - Nie und nimmer. Mit dem Wind tanzen hat nicht das Geringste mit Euren Unterstellungen zu tun, sondern ist eine Metapher für situatives oder istinktives  Handeln. Ihr Schlafmützchen  :D macht einen Deppen aus mir. Wahrscheinlich weil Ihr noch nie einen Text von mir gelesen habt ...

Antwort geändert am 08.03.2026 um 20:20 Uhr

 LotharAtzert schrieb daraufhin am 08.03.26 um 20:40:
Kommt ein Sturm, legt sich der Grashalm flach, sagen die Taoisten. Ist der Sturm weiter gezogen, steht das Gras wieder wie zuvor. Dasselbe geschieht mit Tannen bei Schnee: sie senken die Zweige, so daß er runter rutscht, während die Eiche bricht.

 Jack (08.03.26, 19:59)
Sich nach dieser Floskel zu richten, ist ein Simulakrum von „Haltung“. Doch selbst zum Original ist die deutsche Sprache erfrischend hart: „Haltung“ ist die  fremdbestimmte Lebensweise von zum Beispiel Hühnern.

 LotharAtzert äußerte darauf am 08.03.26 um 20:27:
Jetzt sag mir mal, wieso Du das augenblicklich verstehst und Irene aber zu einem gegenteiligen Schluß kommt. Rede (schreibe) ich zu verschwommen, oder, um im Bild zu bleiben, zu windbeutelig?

 niemand ergänzte dazu am 08.03.26 um 23:15:
Na, dann verbiegt Euch mal weiter, Ihr Wendehälse, ist ja im Moment 
voll angesagt.Vielleicht verstehen Euch die Hühner  :D 
die gackern auch immer und legen ein Ei nach dem anderen. 
Auch wenn es ein Freilandei sein sollte. Es ist nix als ein Ei ...

 Jack meinte dazu am 08.03.26 um 23:31:
Ich habe eben meine Schattenarbeit geleistet. Den Schatten klassisch nach Freud zu projizieren, und dann noch so grob und penetrant, das ist krampfhafte Anhaftung an ein bestimmtes Selbstbild. Versteifung bis zum Zerbrechen, aber Hauptsache „sich nicht verbiegen“.

Mit N. N. Taleb gesagt: „Üch bön rrrrrrobussttttt!!!“ Krampfhafte Robustheit macht fragil. Antifragilität ist Biegsamkeit, aber in dem von dir gemeinten Sinne, nicht im pejorativen.

 Alabanda meinte dazu am 09.03.26 um 04:23:
"ich lasse mich nicht verbiegen",
seid ihr sicher, ob ihr das verstanden habt?
Es ist eine Metapher für,
ich bin nicht willenlos, ich gehorche nicht jedem. Verbogen zu werden ist keine selbstgewählte Biegsamkeit.



 Jack meinte dazu am 09.03.26 um 04:59:
Lothars Text war zuerst, dann die Kommentare. Es geht also darum, ob Biegsamkeit, so wie im Text gemeint, richtig interpretiert wurde. Ohne diesen Kontext ist an Irenes Kommentar nichts auszusetzen.

 Alabanda (09.03.26, 04:08)
Starrsinnig auf Biegsamkeit beharren, auch das geht.

Der Grashalm biegt sich paar mal, dann ist er schlapp und kommt nicht mehr hoch. Die Eiche übersteht mehr Stürme vor dem Bruch. An sie können sich andere anlehnen.

Der Grashalm ist sich selbst der nächste, und egal ob aufrecht oder gebeugt, die Ziege frisst ihn ab.

 Jack meinte dazu am 09.03.26 um 05:19:
Nicht der Standpunkt ist das Problem, sondern die Verabsolutierung. Selbst Kants kategorischem Imperativ geht es nicht anders.
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