Mein erster Sportlehrer konnte noch alles selber vorturnen. Eigentlich normal: Er war der Große, der etwas schon konnte, und wir saßen davor, die Kleinen, die es von ihm lernen sollten. Schrittweise natürlich, mit Vorübungen und Hilfen. Trotzdem kostete dieses Größerwerden ein bisschen Überwindung und manchmal auch ein paar blaue Flecken.
Ja, das Ganze war auch selektiv. Manche bekamen es nicht so gut hin. Es gab auch welche, die es gar nicht erst versuchten oder sich nicht trauten.
Mein erster Sportlehrer war da sehr klar: Seine Noten spiegelten deutlich den Einsatz und das Ergebnis.
Danach hatte ich einen Sportlehrer, der ließ uns am liebsten Fußball spielen. Oder Völkerball. Cool. Ob sich da einer bei wirklich gefordert sah oder größer wurde, das schien ihm egal. Die schlechteste Note war eine Drei.
Bei meinen Deutschlehrern war es ähnlich. Nur hatte ich da als erstes eine sehr nette Frau, eine junge Assessorin, die immer alles toll fand. Erst einmal wurde jeder gelobt. „Erfinde zu dieser Erzählung ein anderes Ende!“ – da kamen völlig abwegige, in sich unstimmige oder gar alberne Entwürfe, die null Einfühlungsvermögen in die Vorlage mitbrachten. „Sehr schön!“ bekamen die Kinder attestiert, und „so fantasievoll!“
Der Lehrer, den ich im Folgejahr hatte, schüttelte dagegen lieber den Kopf. „Viel zu lang!“ bekam ich da zum Beispiel zu hören. Oder „Was willst du eigentlich sagen?“ Unsere Schreibversuche wurden schon mal kommentiert mit „Blabla!“, „Unsinn!“ oder einem kräftigen „?“.
Was mich dann mit der harschen Kritik immer schnell versöhnte: Er nahm einen beiseite und entwarf „aus der Lameng“ eine pointierte, radikal kurze und perfekt passende Version. Er hatte es einfach drauf.
„Du musst klar sein“, war dann sein Fazit. „Labern können alle.“
Und – da ähnelte er meinem ersten Turnlehrer – er forderte: „Üb das! Fang zur Not neu an. Sei streng mit dir!“
Meine besten Noten in Deutsch waren bei ihm einige hart erkämpfte „befriedigend“ und nur einmal ein „gut“.