Eine Zelle mit Blick auf(s) Mehr

Tweet zum Thema Isolation

von  eiskimo

Lange, allzu lange fristete ich mein Leben in einer Doppelzelle. Wir waren zu zweit eingesperrt, wahrscheinlich lebenslänglich. Ja, die Grundversorgung funktionierte, keine unnötigen Kämpfe, kaum mehr Emotionen, aber mehr auch nicht. Was sollte ich groß tun? Ich passte mich an, ich blieb brav  - weder Auf- noch Ausbruch schienen möglich.

Dann die Überraschung: Nebenan wurde eine Einzelzelle frei. Ich durfte wechseln – versuchsweise. Plötzlich war ich allein. Kein zweiter Schatten im Raum. Keine erzwungene Harmonie. Kein Sich Klein Machen.

Dafür Leere. Fast so was wie Freiraum. Zeit, die auf mich wartete. Nur auf mich. War es mehr Zeit als früher? Alles kam mir viel länger vor. Irgendwie eindimensional. Und was ich dann anpackte, - wenn ich denn endlich was anpackte - war im Nu schon wieder vorbei.

Wie lange sollte mein Versuch mit der Einzelzelle noch dauern?




Anmerkung von eiskimo:

Nur, um Spekulationen vorzubeugen: Der Autor lebt in einer Art offenem Vollzug

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