Wartezimmer

Gedicht zum Thema Abendstimmung

von  Isaban

Am Abend gab es Haferbrei,

zu dünn, zu süß,

ich nahm nur zwei, drei

Löffel. Karl aus Zimmer vier

aß tapfer seinen Teller leer,

weil er noch an die Sonne 

glaubte. Dann war das 


Abendmahl vorbei. 

Dann kam die Nacht, 

die ihm den Atem raubte.

Der Morgen kam, die Sonne schien

und das kam keinem spanisch vor.

Hinter der Tür von Zimmer vier 

erklang ein ganzer Stimmenchor;


es war vollbracht.

Am Abend gibt es Haferbrei,

zu süß, zu dünn.

Mir fällt das Glauben ziemlich schwer.

Ich nehme höchstens zwei, drei 

Löffel, von dem süßen Scheiß; 

ich weiß um Zeit und Lichtverschleiß.




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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (12.05.26, 11:16)
Liebe Isaban, Dein Gedicht ist wie immer sehr flüssig. Ich stutze drei bis viermal. Schreibst du aus einem Krankenzimmer, einem Pflegeheim?. Was ist in Zimmer vier des nachts pasiert? Jemand hat seinen Atem verloren und morgens wurde er tot aufgefunden?
Wer füttert seine Kliensten oder Patienten mit süßem Haferbrei ab?
Ist das eine Metapher für einen Pflegedienst?

 Isaban meinte dazu am 12.05.26 um 23:38:
Lieber Meermann,
du darfst nicht Autor und lyrisches Ich verwechseln. 
Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut. 
Und im Gegensatz zu mir bekommt LI das zu essen, was man halt noch runterbringt, wenn man sich irgendwann am Leben die Zähne ausgebissen hat.

[zitat] Was ist in Zimmer vier des nachts passiert? Jemand hat seinen Atem verloren und morgens wurde er tot aufgefunden?[/zitat]

Gute und textnahe Interpretation!

Viele liebe Grüße aus dem schönen Eggesin
Isaban

 Reliwette antwortete darauf am 13.05.26 um 08:40:
Ja, Isaban, das lyrICH holt sich seine Ideen entweder aus dem tatsächlichen (realen) Erleben oder aus der individuellen Phantasie. Oft verschwpbeln diese beiden Phänomene  mit Hilfe von  Metaphern unterliegen sie der subjektiven"Diagnose" durch den aufmerksamen Leser- besonders dann, wenn er zwischen den Zeilen lesen kann oder will.
Eggesin, liegt das in Meckpomm (es)?
Lieber Gruß aus Ostfrieletown.
Der Meermann
Öieber Gruß!
Hartmut

 TassoTuwas (13.05.26, 12:53)
Moin Isaban,

als Mensch, dessen Hauptaugenmerk die Kosten-Nutzen-Frage betrifft, interessiert mich natürlich, was bezahlt man denn in diesem "Wartezimmer" mit Vollpension im Monat?

Mein Englischlehrer pflegte zu sagen: "You get what you pay for".

Herzliche Grüße
TT

 altezeit (03.06.26, 20:53)
Hallo Isaban, ich lese den Haferbrei als Metapher dafür, was man alles so schlucken muss. Mir gefällt insbesondere der trockene Ton und die scheinbare Banalität, dahinter klafft Verzweiflung. Am besten gefällt mir die Stelle "weil er noch an die Sonne glaubte". LG altezeit
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