Wirkung von Dichterworten

Gedankengedicht zum Thema Wahrnehmung

von  EkkehartMittelberg

Sie sind

unser Handwerkszeug,
das wir achtsam pflegen sollten,

Brücken,
oft nur von einer Seite beschritten,

Tauben,
die Frieden stiften,

Falken,
die Wunden schlagen,

Seraphimklänge,
die Spannungen lösen,

Raketen,
die nicht steigen wollen,

Rinnsale,
die im Nirgendwo versickern,

Ballons,
die bunt schweben,

Pfeile,
die ins Herz treffen,

Offenbarungen,
die Blinde sehen,
Lahme gehen,
Taube hören
lassen,

Masken,
die Gesichter verbergen,

Scheinwerfer,
die Verborgenes ausleuchten,

Schrott,
der lieblos weggeworfen wird,

Leuchtende Farben,
die in Prismen changieren,

serielle Ware
im Schlussverkauf,

kostbare Unikate
…………..

Der Leser haucht ihnen
Leben ein oder
er lässt sie sterben.

 



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Kommentare zu diesem Text


 Saira (25.08.26, 12:01)
Lieber Ekki,

deine vielen Bilder zeigen sehr schön, dass Dichterworte beinahe alles sein können: Brücke und Pfeil, Friedensbote und Verletzung, Wegwerfware und kostbares Unikat. Was sie jedoch für den Einzelnen werden, entzieht sich letztlich demjenigen, der sie geschrieben hat.

Gerade deshalb gefällt mir dein Schluss besonders. Wir Autoren können unsere Worte mit größter Sorgfalt wählen und ihnen viel von uns mitgeben, aber ob sie im anderen zu leben beginnen, bestimmen wir nicht mehr. 

Ein kluges Gedankengedicht über die Macht und die Grenzen des Dichterwortes.

Herzliche Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.08.26 um 12:12:
Grazie, Sigi,

genau darum geht es mir. Wir können uns noch so bemühen. Letztendlich machen die Leser unsere Texte.

Herzliche Grüße
Ekki
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