Alle 9.545 Textkommentarantworten von Graeculus

03.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Dem gehe "ich" (wer immer das sein mag) durchaus nach. Wenn man die Welt in "Vorgestelltes" und "Vorstellendes" einteilt, dann ist hier bei kV - warum auch immer - mehr vom Vorgestellten die Rede; aber "ich" bin ja nicht nur nur kV-Autor. "Ich" behalte die Anregung "Wer bin ich?" mal als mögliches Thema im Kopf. Eine Frage ist was Wie - soll ja kein philophisches Seminar und kann keine Meditation werden. Eine kluge und weise Philosophin hat einmal einen Aufsatz über "ich" mit folgendem Zitat aus dem "Wörterbuch des Teufels" von Ambrose Bierce eingeleitet: Ich, pron. – Das erste Personalpronomen, das erste Wort der Sprache, der erste Gedanke des Geistes, der erste Gegenstand der Zuneigung. Sein Plural soll „wir“ lauten, aber wie es mich mehr als einmal geben kann, ist den Grammatikern zweifellos klarer als dem Verfasser dieses unvergleichlichen Diktionärs. Mich selbst in Zweizahl vorzustellen, ist schwer, aber schön. Der freimütige und dabei anmutige Gebrauch von „ich“ unterscheidet den guten Schriftsteller vom schlechten; dieser trägt das Wort wie ein Dieb, der seine Beute zu verbergen sucht. Das war schonmal ein guter Anfang, nicht ohne Witz. Wie gesagt, Thema bleibt in "meinem" Kopf."

03.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Sieh an, ich wollte ohnehin nochmal auf den Vergleich von Dir und mir zurückkommen. Es ist ja nicht so, daß es in Deinem "stimmigen Grundgefühl" keine Störfaktoren gibt (was immer ein spannendes Erlebnis ist); Wunder in anderen Religionen sind ein Beispiel dafür. Du neigst dann - so meine jahrelange Beobachtung - dazu, Dämonen als (hypothetische) Erklärung einzuführen. Und schon scheint der Störfaktor entschärft zu sein, es paßt wieder in Dein Weltbild. Wie gehe, so habe ich mich gefragt, eigentlich ich mit Störfaktoren in meinem Weltbild um? Wenn z.B. ein Mensch mir von einem Gotteserlebnis berichtet? Nun, ich ziehe andere mögliche Erklärungen in Betracht. Letztlich bleibt das dann meistens offen, weil keine eindeutige Antwort möglich ist. Wunder (= unerklärliche Ereignisse) gibt es auch in meinem Leben - derartige Erfahrungen haben aber noch nie etwas mit Religion zu tun gehabt. (Vgl. den Spatz, der auf unserem Balkon seltsame Dinge tut.) Eines möchte ich regelrecht richtigstellen: Zwar bediene ich mich gerne bei "Meistern und Vordenkern", um die Welt besser zu verstehen; aber mein Atheismus beruht zunächst auf einer ziemlich soliden Erfahrung in meinem Leben: daß da niemand war, als ich als Kind Kontakt aufzunehmen versucht habe, und daß da bis heute niemand ist. Gott schweigt. Er hat immer nur geschwiegen, wenn Menschen in Not waren: in Auschwitz, an der Kolyma und jetzt in der Ukraine."

03.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Das stimmt, die Nichtexistenz von Erinnerung beweist nicht die Nichtexistenz. Es sagt allerdings auch nichts über die Existenz ... oder die Präexistenz. Einen Schritt weiter: Erinnerungen müssen im Gehirn gespeichert werden; vorher existieren sie nicht. Aber wie sollten sie ohne Gehirn von einem Individuum zum anderen 'wandern'? D.h. wie ist dann überhaupt Erinnerung an frühere Existenzen möglich? Was übernimmt die Funktion des USB-Sticks, über den Information von einem Gerät zum anderen übertragen wird? P.S.: Es ist mir in der Regel gleichgültig, wie mich jemand anspricht - Hauptsache, ich erkenne, daß ich gemeint bin. Das ironische "Schatzilein" empfinde ich allerdings als grenzwertig, und ich glaube nicht, daß ich mich jemals dir gegenüber so verhalten habe."

03.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Ja. Ein schönes Beispiel für einen erstarrten Glauben ist die Anthropozentrik und Geozentrik der monotheistsichen Religionen. Sie befinden sich noch auf einem Wissensstand, in dem sich die Erde im Zentrum des Universums befand und der Mensch als Höhepunkt des Kosmos galt - und damit im Fokus der göttlichen Fürsorge. Was eine Weltanschauung angeht, in der es Tripstrillionen Sterne und Erden und Lebewesen gibt, da war der antike Lukrez schon weiter. Und dann erst - davon wußte auch er noch nichts - ein Multiversum, von dem viele Physiker/Kosmologen heute ausgehen! Welche Berufsperspektive hat der Gott der abrahamitischen Religionen noch in der modernen Kosmologie? Wie können wir noch im Zentrum seines Wirkens stehen? Befindet sein Sohn sich etwa auf einer Rundreise im Weltall und macht überall dort Station, wo intelligentes Leben entstanden ist?"

04.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Die buddhistische Religion ist auch - anders als die monotheistischen - weder geo- noch anthropozentrisch; das ist ein großer Vorteil. Es bleibt mein Problem, daß ich mir nicht vorstellen kann, was das heißen soll, ich (!) sei ein Tier oder ein Alien gewesen. Und das Problem des USB-Sticks habe ich dann außerdem noch: wie wird die Information vom einen Träger zum anderen übermittelt."

04.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Das ist ein interessanter Deutungsvorschlag, der viel für sich hat! Denn es leuchtet ein, daß ich aus Elementen bestehe, die vor mir existiert haben. Das Wort "Wiedergeburt" erhält dadurch freilich einen anderen Sinn."

04.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Mir ist jetzt klar, daß ich "Birth" und "Der fremde Sohn" von Clint Eastwood nicht auseinandergehalten habe, der ein ganz ähnliches Thema hat. Übrigens ebenfalls empfehlenswert. Nur ohne Nicole Kidman."

04.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Aber Angelina Jolie und John Malkovich sind ja auch nicht schlecht."

04.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Kennst Du auch? Großartig! Ja, der bessere Film - so gut, daß meine Erinnerung daran die andere an "Birth" überlagert hat. Clint Eastwood hat sehr gute Filme durch seine Regie gestaltet, oder? Seine Western fallen dagegen etwas ab."

06.07.22 - Kommentarantwort zum eigenen Text  Wiedergeburt?: "Die Frage ist meinerseits ganz ernst gemeint."

Diese Liste umfasst nur von Graeculus abgegebene Antworten bzw. Reaktionen auf Kommentare zu Texten. Eigenständige Textkommentare von Graeculus findest Du  hier.

 
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