Die Platte putzen

Kurzgeschichte zum Thema Arbeit und Beruf

von  RainerMScholz

Gepriesen sei Gott in der Höhe, endlich der erste Äppler. Für diese Woche! Dauernd arbeiten ist nichts für den kleinen Johannes, soviel ist `mal klar. Und dazu all der andere Mist, der mich doch gar nichts angehen sollte. Tut er aber irgendwie doch. Dann mit den Kollegen tratschen, Welt-, Landes-, Kommunalpolitik (keine Ahnung), Rezepte, Autos, Fußball (Eintracht!) bis zum Erbrechen ob der ewigen Wiederholung, und da haben wir noch kein Stück der elendiglich monotonen Arbeit getan, die scheinbar nie enden will. Dann nach Hause mit all den anderen Idioten auf der Straße. Fuck! Da muss man doch an tödlicher Ermüdung leiden, um halb elf mit halb zugefallenen Augen ins Bett, und dann am nächsten Morgen, wenn der Wecker schrillt, der gleiche Mist von vorne. Um vom Wetter nicht zu reden! Grausam. Zum Davonlaufen. Trist, karg, knochenkalt, depressivgeschauert.

Ich schnicke die Kippe über die Balkonbrüstung mit Blick ins Gesträuch zum abgeschnittenen Horizont. Später werfe ich die Christbaumleiche vom fünften Stock und den Müllsack aus der Küche hinterher. Dafür muss ich bloß mit dem Aufzug hoch auf das Flachdach, durch die eingetrocknete Taubenscheiße und weg damit, haha. Humor ist, wenn man trotzdem stirbt.

Aber was soll`s schon. Heute morgen schien die Sonne und der Himmel war jungenhaft blau. Selbst lebenslang ist nicht für ewig; und im Schützengraben rauchen alle.

Beim nächsten Einberufungsbescheid – Bauch `raus, Brust `rein.

Mal sehen, welche Plattitüden kenne ich noch so:

Vorsicht bei der Berufswahl. Bei mir war das ja schon so, will heißen, die Alternative zu Plan Eins hieß: dann ist`s ja gleichgültig. Im Sinne von – scheiß doch der Hund drauf!

Ohne Konkurrenz den zweiten Platz gemacht – Glückwunsch. Yeah!

Hunde, wollt ihr ewig arbeiten.

Man wird mit der Zeit nicht schlauer, die Blödheit lässt sich nur geschmeidiger in Worte kleiden. Das hat mein Äpplerdealer gesagt, zu mir, ich weiß nicht warum.

Eigentlich sind doch die anderen die Soziopathen. Wer traut sich, mir recht zu geben?

Wo ist das Tannenbaumskelett. Moment, erst noch ein Getränk auf den Weg. Ist ja Freitag. Das hab´ ich mir verdient. Ihr euch auch.

Ehrlichkeit muss man sich leisten wollen.



© Rainer M. Scholz



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