Zwei Tage später suchte ich abends die „Jüngerschaftsschule“ im Jesushaus auf. Es war eine Art Fortbildungskurs in Sachen Christsein. An zwölf verschiedenen Abenden wurde jeweils ein wichtiges Glaubensthema behandelt.
Dieses Mal stand Lobpreis auf dem Programm, in Anlehnung an das alte Jakobuswort: "Wer sich Gott naht, dem naht sich Gott!" Nach einer theoretischen Einführung in das Thema folgte ein praktischer Teil. Das Leiterteam und wir Teilnehmer stellten uns in einem Rundkreis auf und, unterstützt durch zwei Akustikgitarren, ging´s los.
Schon recht bald war ein deutlicher Flow zu spüren. Wie die meisten anderen stand ich mit geschlossenen Augen und himmelwärts gestreckten Armen da, als ich plötzlich überdeutlich die leise geflüsterten Worte Breite Straße an oder in meinem Ohr vernahm. Ich war so überrascht, dass ich augenblicklich die Augen öffnete und mich umschaute.
Meine beiden Nebenmänner waren im Lobpreis vertieft, so blieb eigentlich nur eine Interpretation übrig: Es war ein übernatürliches Reden geschehen.
Als eine Pause eintrat, teilte ich den anderen mit, dass ich die beiden Worte gehört hatte und es vielleicht ja ein Hinweis auf den Bibelvers Matthäus 7,13 sein sollte. Aber so richtig überzeugt davon war ich eigentlich nicht!
Am nächsten Tag war ich zu einem Gespräch im Jugendamt verabredet war. Als ich das Wilhelm-Marx-Haus in Altstadtnähe betrat, warf ich zwecks Raumsuche einen Blick auf die riesige, im Foyer angebrachte Hinweistafel.
Während ich die richtige Zimmernummer suchte, fiel mir plötzlich auf, dass auf der Glasscheibe ein Zettel angebracht war. Ich las erstaunt mit ungläubigen Augen: „Bafögamt - wir sind umgezogen in die Breite Straße 7!“
Da war sie wieder, die Breite Straße! Dieses Mal schwarz auf weiß auf einem augenfällig angebrachten Zettel geschrieben! Ein offensichtlicher Wink mit dem Zaunpfahl! Aber was hatte es zu bedeuten?