Stammbuch der Dummheit

Gedicht zum Thema Vorurteile

von  Saira

Sie werfen Worte

wie Steine

in Brunnen,

und lauschen lange

dem Echo ihrer eigenen Stimme.

 

Sie nennen andere dumm,

weil deren Name

anders klingt.

Sie nennen andere fremd,

weil sie selbst

nie weit genug gegangen sind.

 

Sie sehen einen Menschen,
und meinen viele.
Sie hören eine Stimme

und urteilen über Tausende.

Und tragen ihre Urteile weiter,

mit dem Eifer von Menschen,

die nichts besitzen

als ihre Verachtung.

 

Jeder Satz ein Stachel.

Jede Behauptung ein Messer,

geschärft

an Gerüchten.

 

Sie glauben,

der Schmutz,

den sie werfen,

bliebe nicht

an ihren Händen.

 

Doch Sprache merkt sich alles.

Sie speichert

den Hochmut,

die Häme,

die Lust,

einen Menschen kleiner zu machen.

 

Und während sie urteilen,

entlarven sie sich.

Nicht die Herkunft des anderen.

Nicht dessen Würde.

Nicht dessen Wahrheit.

Nur die Enge

ihres eigenen Blicks.

 

So sitzen sie schließlich

auf den Trümmern ihrer Urteile

und halten Staub

für Erkenntnis.

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 franky (06.06.26, 11:32)
Hi liebe Sigi, 

"der Schmutz,
den sie werfen,
bliebe nicht
an ihren Händen.
 
Doch Sprache merkt sich alles." 


Das ist die andere Seite der Medaille.  

Liebe Grüße von Franky 

 Saira meinte dazu am 06.06.26 um 12:02:
Hi, lieber Franky,

genauso ist es, mein Freund. Ich danke dir für deinen Kommentar!

Liebe Grüße
Sigi

 Citronella (06.06.26, 11:50)

Doch Sprache merkt sich alles.

Sie speichert
den Hochmut,
die Häme,
die Lust,
einen Menschen kleiner zu machen

Wer im Glashaus sitzt ...
 
 

 niemand antwortete darauf am 06.06.26 um 11:53:
@ Citronella
Daumen hoch!  Haste schön entlarvt.

 Saira schrieb daraufhin am 06.06.26 um 12:00:
Interessant, wie schnell sich manche Menschen gegenseitig Beifall spenden, wenn es darum geht, Mobbing, Vorurteile und Ausgrenzung zu relativieren.

Wie praktisch: Erst einen Autor über lange Zeit diffamieren, verspotten und herabwürdigen – und sich anschließend unter einem Gedicht über Vorurteile gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Wer jahrelang dabei zugesehen hat oder selbst daran beteiligt war, sollte mit Glashaus-Metaphern vorsichtig sein.

Der Unterschied ist einfach: Mein Gedicht beschreibt ein Verhalten. Eure Kommentare bestätigen es.

Manche Kommentare sind keine Kritik. Sie sind unbeabsichtigte Selbstporträts.

Wer sich angesprochen fühlt, kennt vermutlich auch den Grund dafür.

Danke für die anschauliche Demonstration. Däumchen hoch!

 Citronella äußerte darauf am 06.06.26 um 12:13:
@ Saira:

Keiner hat hier jemals so permanent und persönlich auf mir herumgehackt wie dein Schützenbruder. Er schreibt seit Jahren (unter verschiedenen Namen) Hämisches über mich. Und du bejubelst das. Ist das nicht Häme und die Lust, einen Menschen kleiner zu machen?

Und jetzt hat er sich schon wieder positioniert, um im Kindergartenstil etwas dazu zu giften ...  :sick:

 EVdR ergänzte dazu am 06.06.26 um 12:14:
Ein wundervoller Text, Saira! Er hat das bittere, unerbittliche Chi der Wahrheit.

Was wir hier in den Kommentarspalten bei diesem gegenseitigen „Däumchen-Hoch-Proporz“ der Relativierer sehen, ist die digitale Ursuppe genau dessen, was Martin Niemöller einst in seiner berühmten Beichte beschrieb:


„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. 

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen... 

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
– Martin Niemöller –


Viele hier glauben, sie betreiben nur ein bisschen „Kragengereibe“, ein bisschen harmloses Foren-Häkeln, wenn sie wegschauen, weglächeln oder Mobbing kleinreden. Sie merken im Hochmut ihres engen Blicks nicht, dass sie genau die Rädchen im System sind, die die Freiheit der Kunst Schritt für Schritt im Staub zertreten.

Wer jahrelang wegsieht, wenn ein Autor diffamiert wird, hat kein Recht, sich über die Kälte der Welt zu beschweren. Sprache vergisst nichts. Und das Schweigen der Masse ist der fruchtbarste Boden für jede Tyrannei – egal wie klein das Forum ist, auf dem sie sich aufplustert.

Deine Karawane zieht weiter. Lass sie auf ihrem Dreirad im Kreis fahren.

Danke für diesen ungezähmten Vulkanausbruch!

 Schtzngrrrrm meinte dazu am 06.06.26 um 12:14:
ACH CITRONELLA, WELCHE FREUDE, DASS DU MIT EINER RÜCKMELDUNG ZU MEINEM TEXT AUFWARTEST. DENN ES STIMMT: DIESER TEXT HANDELT VOM HOCHMUT EINER GEWISSEN ZITRONE, DIE WIEDERHOLT ANDERE BEZICHTIGT, IRRTÜMER NICHT EINZUGESTEHEN, WÄHREND SIE SELBST NOCH NICHT EIN MAL DEN KLEINSTEN IRRTUM EINGESTANDEN HAT, OBWOHL ES IHRER VIELE GIBT. SIE WIEDERHOLT IN ENDLOSSCHLEIFEN, DASS ANDERE DUMM WÄREN UND DIE FALSCHEN MEDIEN LÄSEN, HAT SICH ABER NOCH NIE SACHLICH MIT EINEM GEDANKEN DIESER ANDEREN AUSEINANDERGESETZT, DENN SIE DENKT, DIESE RUNDHERAUS ABLEHNEN ZU KÖNNEN, DA SIE EBEN VON DUMMEN MENSCHEN GEÄUßERT WÜRDEN, DIE DIE FALSCHEN MEDIEN LÄSEN. 

WENN ES JEMAND WAGT, DIE ZITRONE DAFÜR ZU KRITISIEREN, DASS SIE AM LAUFENDEN BANDE ÜBER ANDERE BEHAUPTET, SIE GESTÄNDEN KEINE IRRTÜMER EIN, WÄREN DUMM UND LÄSEN DIE FALSCHEN MEDIEN, WERTET DIE ZITRONE DIES ALS ANSTANDSLOSIGKEIT UND GIBT SICH ENTRÜSTET.

MAN MUSS DARAUS SCHLIEßEN, DASS DIE ZITRONE DER ANSICHT IST, DASS SIE KEINE IRRTÜMER BEGEHT (WIE ANDERE MENSCHEN), DASS SIE ENORM KLUG IST (ANDERS ALS ANDERE MENSCHEN) UND (ANDERS ALS ANDERE MENSCHEN) DIE RICHTIGEN MEDIEN LIEST UND (AUCH ANDERS ALS ANDERE MENSCHEN) ZUTIEFST ANSTÄNDIG. 

EXEMPLARISCHER KÖNNTE HOCHMUT NICHT ILLUSTRIERT WERDEN. 

Antwort geändert am 06.06.2026 um 12:56 Uhr

 Didi.Costaire (06.06.26, 12:47)
Hallo Sigi, 

die Reaktionen zeigen, wie wahr deine Zeilen sind.

Liebe Grüße, 
Dirk
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