Der Heimkehrer

Gedicht zum Thema Krieg/Krieger

von  Saira

Selbst am Mittag scheint die Wintersonne kalt,
er geht den Weg, den er als Junge oft gegangen.
Noch steht sein Elternhaus, die Linde wurde alt,
doch ist sein Blick noch immer dort im Krieg gefangen.
Die Häuser stehn wie damals, grau und viel zu klein.
Nur er, der heimgekehrt ist, kann nicht derselbe sein.

 

Er war noch fast ein Kind, als man ihm Waffen gab,
und glaubte, Mut hieß, vor dem Sterben nicht zu beben.
Vor seinen Augen sank sein bester Freund ins Grab,
und mit ihm starb ein Teil von seinem jungen Leben.
Ein Schuss, ein Schrei, dann war der fremde Himmel stumm.
Sie gingen weiter. Keiner drehte sich mehr um.

 

Noch manche Nacht glaubt er, den alten Ruf zu hören,
und sieht den Freund im Dunkel vor sich auferstehen.
Kein Morgen kann die Bilder jener Nacht zerstören,
im Traum muss er den Weg von damals wieder gehen.
Dann tastet seine Hand zur kalten Wand im Raum.
Der Krieg ist längst vorbei. Doch nicht in seinem Traum.

 

Am Morgen sitzt sein kleiner Sohn bei ihm am Tisch,
tunkt Brot in Milch und lässt die nackten Beine schwingen.
Die Wangen rot, die Augen wach, die Stimme frisch,
beginnt er ohne Grund ein Kinderlied zu singen.
Der Vater sieht ihn an und hält den Atem an:
So sah er selber aus, bevor der Krieg begann.

 

Das Kind nimmt seine Hand und fragt ihn nicht: Warum?
Es zählt nur seine Finger, einen nach dem andern.
Der Vater sitzt ihm gegenüber, lange stumm,
und sieht im Morgenlicht die toten Freunde wandern.
Er hält die Kinderhand ganz fest und lässt sie nicht.
Die Toten schwinden langsam aus dem Morgenlicht.

 

Er wird dem Sohn von jenen Nächten nichts erzählen,
kein dunkles Bild soll dessen junge Jahre trüben.
Nie soll der Krieg sein Herz mit Feindschaft quälen,
nie soll man ihn zum Töten statt zum Leben üben.
Nie soll er selbst als junger Mann ins Feuer gehn,
nie einen Freund an seiner Seite sterben sehn.

 

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (24.09.26, 16:06)
Liebe Saira,
 dieses Gedicht geht unter die Haut. Ein mieser Künstler ist, wer darüber hinwegsieht, verdrängt oder sich mit einem Eis am Stiel tröstet Da ist jeder in die Pflicht zu nehmen dafür zu sorgen, dass es nie wieder zu solchen Situationen kommt.
Herzliche Grüße. Reli
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