Sie sahen einander zwischen Ruinen,
wo die Sonne wie Blei hing und der Wind
die Asche alter Träume trug.
Ihre Hände fanden sich –
zwei Feinde, innerlich zerrend,
im Fluss der brennenden Stadt,
verborgen, gejagt, unrettbar.
Seine Augen sprachen aus Schutt und Staub,
sie antwortete in Atemzügen von Rauch.
Jeder Blick Verrat an den Gesetzen,
jeder Kuss Bruch an der Welt,
die sie trennte.
Die Stadt brüllte in Bomben,
doch ihr Herz flüsterte in Blüten,
die niemand sah –
nicht Soldaten, nicht Scharfschützen,
nicht die Hüter des Krieges.
Sie versteckten sich in Kellern,
die Sehnsucht heimlich im Herzen,
und malten auf die kahlen Wände
eine Welt aus Licht und Vergebung,
eine Welt, die niemals existierte.
Liebe mitten in Schüssen
ist wie Feuer auf Öl –
verschlingt die Seelen,
hinterlässt nur Rauch und Glut der Erinnerung.
Ein Morgen kam, schwer wie ein Granatenschacht.
Sein Herz lag auf Asphalt,
sein Atem ein Schatten, der durch ihre Finger glitt.
Er war tot.
Ihre Hände hielten nur Leere –
ihr Herz ein Messer, das sich selbst schlug,
ein Herz, das mit jedem Schlag die Stadt zerriss.
„Krieg!“, schrie sie.
"Warum?"
Die Trümmer antworteten nur mit Schweigen.

"Neuschöpfung"
©Sigrun Al-Badri/ 2026