Der Kindergeburtstag
Gleichnis zum Thema Wahrheit
von Graeculus
Anmerkung von Graeculus:
Für das Elefantentasten danke ich dem Buddha und seinem Elefantengleichnis (Udâna VI, 4).
Die Inschrift der Isis ist überliefert bei Plutarch in seiner Schrift „Über Isis und Osiris“ (Moralia 345 C).
Friedrich Schiller hat daraus die Ballade „Das verschleierte Bild von Saïs“ gestaltet, in welcher der gewaltsame Versuch eines jungen Mannes, die Isis nackt zu sehen, die Wahrheit unverschleiert zu erkennen, ein übles Ende nimmt.
Kommentare zu diesem Text
Das Gegenteil eines Sterblichen ist ein Unsterblicher, das Gegenteil eines Toten ist ein Lebender.
LG Gina
LG Gina
Da ist was Wahres dran. Da ich aber die Zeit nach dem Tod im Sinn habe, muß ich überlegen, ob die Geschichte irgendwie doch funktioniert, mit der unsterblichen Seele etwa.
Gemeint ist das mit dem Isis-Zitat vermutlich nicht. Da hakt also etwas.
Gemeint ist das mit dem Isis-Zitat vermutlich nicht. Da hakt also etwas.
Das Gegenteil eines Sterblichen wäre ein Unsterblicher, wenn es denn Unsterbliche gäbe. 😇
Frank, es muß heißen "falls es denn Unsterbliche gibt", sonst hast du das das schon für alle verbindlich ausgeschlossen, obwohl es nur deine Vermutung ist, daß es keine gibt.
Antwort geändert am 04.04.2024 um 23:45 Uhr
Bisher hat es in der Geschichte der Menschheit noch keine Unsterblichen gegeben, Lothar, ich erinnere zusätzlich an die Prämisse, dass alle Menschen sterblich sind. 🙂
Ach so, es sind nur Menschen gemeint. Das kam aber bisher so nicht zur Sprache, Frank, sondern nur allgemein die Unsterblichen, von denen Sterbliche angeblich nichts wissen.
An dieser Stelle darf ich drauf hinweisen, daß auch noch niemand den Raum gesehen, gehört, angefasst usw. hat und trotzdem gibt es ihn, da wir alle in ihm wohnen.
Wenn schon Buddhismus, denn schon ...
An dieser Stelle darf ich drauf hinweisen, daß auch noch niemand den Raum gesehen, gehört, angefasst usw. hat und trotzdem gibt es ihn, da wir alle in ihm wohnen.
Wenn schon Buddhismus, denn schon ...
Solltest Du Dich bzgl. der Unsterblichkeit auf diesen 10000 Jahre alten Schwamm beziehen, so ist der nur potentiell unsterblich, Lothar, der Glaube an die Existenz von Göttern sowie sonstigem Spuk ist mir zu theoretisch und den Raum gäbe es auch ohne die Menschheit, aber wer wüsste das schon?
"Hello hello, I do'nt no why you say good bye, I say hello" -
solange du auf Gleichnisse mit Intellektualismen antwortest, reden wir aneinander vorbei, Frank.
solange du auf Gleichnisse mit Intellektualismen antwortest, reden wir aneinander vorbei, Frank.
@FrankReich: ...eine recht moderne Ansicht, dass es keine Ewigkeit gebe.
Gemerkt habe ich schon bei Reginas Einwand, daß mit meinem Schluß etwas nicht stimmt. Die weiteren Reaktionen bestätigen es.
Mein Text besteht aus drei Teilen:
1. Es wird gesagt, daß Menschen nur ihre jeweilige Perspektive auf die Wahrheit, den Elefanten, haben, die aber dazu neigen, diese Perspektive zu der Wahrheit zu verabsolutieren.
2. Es wird ausgedrückt, das es zwar die Wahrheit gibt, sie uns Menschen (Sterblichen) allerdings grundsätzlich verschlossen bzw. verhüllt ist.
Das sind nun zwei Aussagen, über die man nachdenken und sprechen kann.
Mein Eindruck ist der, daß viele Menschen dem grundsätzlich zustimmen, ohne daß das in konkreten irgendeine Bedeutung hätte: Da ist fast immer die eigene Position wahr, während allen anderen, vor allem Andersdenkenden, lediglich eine Perspektive zugebilligt wird.
Dann kommt die 3. Aussage, und auf die konzentriert sich hier in der Diskussion alles: Haben wir die Chance, jemals in einen Zustand zu gelangen, in dem wir die Wahrheit erkennen? Nach dem Tod? In mystischer Vereinigung mit ...?
Da ich sterblich bin und die Wahrheit nicht kenne, kann ich das nur als Frage formulieren. Und als Sehnsucht.
Falls 1 und 2 richtig sind (wahr sind?), dann weiß auch kein anderer von uns mehr.
Mein Text besteht aus drei Teilen:
1. Es wird gesagt, daß Menschen nur ihre jeweilige Perspektive auf die Wahrheit, den Elefanten, haben, die aber dazu neigen, diese Perspektive zu der Wahrheit zu verabsolutieren.
2. Es wird ausgedrückt, das es zwar die Wahrheit gibt, sie uns Menschen (Sterblichen) allerdings grundsätzlich verschlossen bzw. verhüllt ist.
Das sind nun zwei Aussagen, über die man nachdenken und sprechen kann.
Mein Eindruck ist der, daß viele Menschen dem grundsätzlich zustimmen, ohne daß das in konkreten irgendeine Bedeutung hätte: Da ist fast immer die eigene Position wahr, während allen anderen, vor allem Andersdenkenden, lediglich eine Perspektive zugebilligt wird.
Dann kommt die 3. Aussage, und auf die konzentriert sich hier in der Diskussion alles: Haben wir die Chance, jemals in einen Zustand zu gelangen, in dem wir die Wahrheit erkennen? Nach dem Tod? In mystischer Vereinigung mit ...?
Da ich sterblich bin und die Wahrheit nicht kenne, kann ich das nur als Frage formulieren. Und als Sehnsucht.
Falls 1 und 2 richtig sind (wahr sind?), dann weiß auch kein anderer von uns mehr.
Wenn nichts absolut ist, dann kann auch die Wahrheit es nicht sein, viele Menschen neigen jedoch dazu, sie zu verabsolutieren und deshalb kann es schon manchen in den Wahnsinn treiben, wenn er erfährt, dass er die ganze Wahrheit nie erfassen wird und nicht wenige suchen daher die Offenbarung im Glauben ans Jenseits, etc.
Es ist nicht leicht, sich ohne Notnagel abzufinden und natürlich finde ich es schade, dass ich an der Entwicklung (auch bzgl. der Wahrheit) in absehbarer Zeit nicht mehr teilhaben werde, aber noch ist ja Zeit, so einiges zu erfahren und besonders, das zu genießen. 👋😎
Es ist nicht leicht, sich ohne Notnagel abzufinden und natürlich finde ich es schade, dass ich an der Entwicklung (auch bzgl. der Wahrheit) in absehbarer Zeit nicht mehr teilhaben werde, aber noch ist ja Zeit, so einiges zu erfahren und besonders, das zu genießen. 👋😎
Zustimmung. Manche perspektivischen Erfahrungen sind interessant, sogar faszinierend. Daß es lediglich Perspektiven sind, in denen ein so und so eingestelltes Subjekt, also unter bestimmten Prämissen, sich eine Wahrheit deutet, sollte man dabei nicht vergessen. Das könnte auch viele Auseinandersetzungen entschärfen. Wieviel Streit wird dadurch ausgelöst, daß jemand die Wahrheit für sich beansprucht!
Immerhin mag es unter den verschiedenen möglichen Perspektiven bessere (z.B. ehrlichere) geben und schlechtere.
Immerhin mag es unter den verschiedenen möglichen Perspektiven bessere (z.B. ehrlichere) geben und schlechtere.
Na wenigstens die Quellenangabe gemacht. Was will man mehr ...
Ehre, wem Ehre gebührt. Allerdings habe ich Buddhas Gleichnis doch etwas verfremdet, wie Du sicherlich weißt.
Gerne weise ich darauf hin, daß es zahlreiche wunderbare Gleichnisse von ihm/unter seinem Namen überliefert gibt.
Gerne weise ich darauf hin, daß es zahlreiche wunderbare Gleichnisse von ihm/unter seinem Namen überliefert gibt.
Gibt es etwas, so fragte sie sich, das erst die Toten wissen werden?
Antwort geändert am 05.04.2024 um 10:31 Uhr
Ja die Toten „…“ mehr. Ich würde es nicht „wissen“ nennen, aber sollte mir mal etwas passendes einfallen, poste ich es hier. Woher ich das eigentlich zu wissen meine? Ich werde lange überlegen müssen und mir wird nichts einfallen, außer einem „Ja“.
Nun, ich kenne nur Berichte über mystische Erfahrungen. Und weiß nicht, was ich davon halten soll.
Mondscheinsonate (48)
(05.04.24, 00:44)
(05.04.24, 00:44)
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... und mir ist das zu theoretisch. 😂
😂

Mondscheinsonate (48) meinte dazu am 05.04.24 um 08:18:
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Die Erkenntnis muß einen Nutzen haben, sonst hat sie Hare Hare - Sprenkel?? - ?
Antwort geändert am 05.04.2024 um 10:55 Uhr
Mondscheinsonate (48) meinte dazu am 05.04.24 um 09:38:
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In der Hare-Krishna-Tradition sehe ich mich nicht. Zumal, wie ich oben schrieb, der Schluß des Textes zwar hier in der Diskussion, nicht aber in meiner Intention zentral ist.
Ausdrücken wollte ich mit dem Schluß eine Stimmung wie bei Ludwig Hirsch:
Endlich kapieren, worum sich alles dreht! Statt nur einen kurzen Einblick hier, eine Perspektive auf jenes usw.
Wie schon Regina zugestanden: Der Schluß ist mir nicht gut gelungen. Und ja, für gute Literatur hätte man auch den Kindergeburtstag lebendiger schildern können. Da handelt es sich nicht um mehr als einen Versuch, ob man das Buddha-Gleichnis, das von einem König und seinen blinden Weisen handelt, in eine moderne Situation übertragen kann.
Ausdrücken wollte ich mit dem Schluß eine Stimmung wie bei Ludwig Hirsch:
Und dann fliegen wir auf,
mitten in Himmel eine,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd’ singen, ich werd’ lachen,
ich werd’ „des gibt’s net!“ schrei’n,
weil ich werd’ auf einmal kapieren,
worum sich alles dreht.
mitten in Himmel eine,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd’ singen, ich werd’ lachen,
ich werd’ „des gibt’s net!“ schrei’n,
weil ich werd’ auf einmal kapieren,
worum sich alles dreht.
Endlich kapieren, worum sich alles dreht! Statt nur einen kurzen Einblick hier, eine Perspektive auf jenes usw.
Wie schon Regina zugestanden: Der Schluß ist mir nicht gut gelungen. Und ja, für gute Literatur hätte man auch den Kindergeburtstag lebendiger schildern können. Da handelt es sich nicht um mehr als einen Versuch, ob man das Buddha-Gleichnis, das von einem König und seinen blinden Weisen handelt, in eine moderne Situation übertragen kann.
Mondscheinsonate (48) meinte dazu am 06.04.24 um 16:28:
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Der Ausdruck der Freude hätte auch gut gepaßt zu dem Gefühl, das Ludwig Hirsch ausdrückt, den ich dabei - zunächst unerwähnt - im Sinn hatte.
Fazit: Ideenliteratur, erzähltechnisch einer Überarbeitung bedürfend.
Fazit: Ideenliteratur, erzähltechnisch einer Überarbeitung bedürfend.
Aber keine Hare-Krishna-Literatur! Das sei fern von mir.
Gauguin, Paul (57)
(05.04.24, 01:20)
(05.04.24, 01:20)
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Hatten wir über den Plutarch nicht schon einmal gesprochen? Habe ich Dir seine "Moralia" nicht schon ans Herz gelegt? Ich meine mich zu erinnern ...
Den Schleier der Isis zu lüften, könnte eine Epiphanie bedeuten, würde nicht so deutlich gesagt, daß uns Menschen das unmöglich ist.
Die Antwort, die wir nach dem Tode erhalten, könnte die mittelalterliche auf die Frage sein, ob unser Zustand nach dem Tode so ist, wie wir ihn kennen (taliter), oder anders (aliter): Nec taliter nec aliter sed totaliter aliter.
Das sagt zwar nichts Bestimmtes, aber doch immerhin, daß wir alle unsere Vorstellungen in die Tonne klopfen können. "Die Wahrheit" ist nichts, was wir begreifen können.
Den Schleier der Isis zu lüften, könnte eine Epiphanie bedeuten, würde nicht so deutlich gesagt, daß uns Menschen das unmöglich ist.
Die Antwort, die wir nach dem Tode erhalten, könnte die mittelalterliche auf die Frage sein, ob unser Zustand nach dem Tode so ist, wie wir ihn kennen (taliter), oder anders (aliter): Nec taliter nec aliter sed totaliter aliter.
Das sagt zwar nichts Bestimmtes, aber doch immerhin, daß wir alle unsere Vorstellungen in die Tonne klopfen können. "Die Wahrheit" ist nichts, was wir begreifen können.
- Jaccandhavagga (Die Blindgeborenen)
Gauguin, Paul (57)
(08.04.24, 16:51)
(08.04.24, 16:51)
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Vgl. Paulus 1 Korinther 13, 9-12. Da äußert er sich deutlich dazu.
Gauguin, Paul (57)
(09.04.24, 20:17)
(09.04.24, 20:17)
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Gauguin, Paul (57)
(09.04.24, 22:08)
(09.04.24, 22:08)
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Jetzt ist es klar.