Originell, aber kein Original

Satire zum Thema Moral

von  loslosch

Protinus ad censum, de moribus ultima fit quaestio (Juvenal, ~60 n. Chr. bis ~135 n. Chr.; Saturae). Zu Anfang wird man die Frage nach seinem Vermögen stellen, zuletzt erst nach seiner Moral.

Ein uralter Gedanke. Ähnlich auch schon bei Horaz (65 v. Chr. bis 8 v. Chr.; Epistulae): O cives, cives, quaerenda pecunia primum est; virtus post nummos. O Bürger, Bürger, zuerst kommt das Geld. Danach [nach den Münzen] die Tugend. Bert Brecht (1898 bis 1956) brauchte nur noch die Antwort auf Juvenals Spruch zu finden: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral." (Quelle: Die Dreigroschenoper, 1928.) Der modern klingende Titel könnte Plautus (~254 v. Chr. bis ~184 v. Chr.) bekannt vorgekommen sein. Denn er überschrieb eine seiner Komödien "Trinummus". Auf Deutsch: Dreigroschenstück.

Plautus, der Komödienschreiber, trocken: Cui honorem, honorem (aus seiner Tragikomödie Amphitruo). Ehre, wem Ehre gebührt.

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Kommentare zu diesem Text


 Bergmann (21.05.12)
Nicht weit entfernt von Original und Moral ist der sichere Spruch: Pater semper incertus est ...
:-)
ttU
AronManfeld (43) meinte dazu am 21.05.12:
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 loslosch antwortete darauf am 21.05.12:
@uli: mater semper certa est! brecht hatte drei männer zur wahl: plautus, horaz und juvenal. ich tippe mal auf horaz. der war ihm mit dem süßlichen spruch "Dulce et decorum est pro patria mori" mächtig auf den senkel gegangen. bert kannte sich aus, wusste, wo man ideen klaut.

ich natürlich auch, uli. lo

 loslosch schrieb daraufhin am 21.05.12:
@AronM: ach, da waren ja 2 kommis, pardon: es gab ein buch von einem jugoslawischen exkommunisten (gegner von tito). klassa nova oder ähnlich. sind die rebellen oben, bilden sie - statt der versprochenen klassenlosen gesellschaft - eine neue klasse. c´est la vie. merci, aron. lo

nachtrag: die quelle:  Nova klasa. Kritika savremenog komunizma
(Antwort korrigiert am 21.05.2012)

 Lluviagata (21.05.12)
Bingo!

 loslosch äußerte darauf am 21.05.12:
das heißt wohl treffer, volltreffer. wenn es sich auf die überschrift bezieht, freut es mich besonders, andrea. herzlichen dank. lo
magenta (65)
(21.05.12)
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 loslosch ergänzte dazu am 21.05.12:
achte bitte auf die überschrift, heidrun. mein kommi unter bergmann führt zum thema.

Mmh ... lo
magenta (65) meinte dazu am 21.05.12:
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 loslosch meinte dazu am 21.05.12:
beim zwinkern heißts um die ecke zu denken. ich schaffs nicht! lo
ichbinelvis1951 (64)
(21.05.12)
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 loslosch meinte dazu am 21.05.12:
bias, einer der 7 weisen am start. zu omnia mea hab ich was gespeichert! horaz hast du zu sehr durchgeschüttelt, klaus.

wir stehen auf den schultern der vorfahren, auch beim ideenklau. du hattest mal den spruch von helmut kohl "wir stehen auf den schultern unserer vorfahren" bei mir im kommi fein umfrisiert in

"wir stehen auf den schulden unserer vorfahren".

das hab ich gern verwurstet. danke. lo
ichbinelvis1951 (64) meinte dazu am 21.05.12:
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 EkkehartMittelberg (21.05.12)
Es ist erstaunlich, wie brav der Spruch Iuvenals ist, der ja auch recht bissig sein konnte. Heute verhalten sich viele zynischer: Wenn die Frage nach dem Vermögen zufriedenstellend beantwortet ist, erübrigt sich die nach der Moral.

 loslosch meinte dazu am 21.05.12:
Juvenal war der schärfste unter den satirikern. du bist zu hart zu ihm, ekki. ich lese ihn so: ... und zuletzt (wenn überhaupt noch zeit bleibt) nach der moral. als sprachliche spitze. ich habe etliche seiner satiren übersetzt gelesen. er beschreibt gelage und ausschweifungen schaurig-schön. phasenweise merkt der leser nicht, dass er sich empört.

immerhin urteilst du sehr milde über meine satire. danke t.t. lo

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 21.05.12:
Lothar, das mit dem braven Iuvenal war ironisch gemeint, um heutigen grenzenlosen Zynismus zu konterkarieren. Aber vielleicht war dein Antwort auch ironisch. dann stimmt es wieder.

 tigujo (22.05.12)
Knapp, dicht, anregend - und zur Sache, tät ich schreiben, sollte ich es kommentieren müssen

Zum Inhalt fällt mir ein wenig müde ein, der Gegensatz zwischen den Extremen Geld und Moral ist weniger erbauend denn die Bandbreite dazwischen, um die es ja geht, die bebaubar ist.

Danke ür diese Zeilen, lichtvoll nennt man sowas

lg tigujo

 loslosch meinte dazu am 22.05.12:
brecht war ja ein sorte von kupferstecher auch. schöne stelle bei wiki (ausgerechnet beim berühmten villon geklaut):

"... Laut Friedrich Torberg (Die Tante Jolesch) musste Brecht an (Karl) Klammer [auch Ammer] eine nicht unbeträchtliche Abschlagssumme zahlen, wofür dieser einen Weingarten erwarb und den dort gekelterten Wein „Dreigroschtropfen“ nannte. Für die Neuausgabe der K.-L.-Ammerschen Villon-Ausgabe schrieb Brecht ein Sonett, das mit den Worten endete: „Nehm jeder sich heraus, was er grad braucht! Ich selber hab mir was herausgenommen ...“

er hat auch bei den römern gestöbert ...

merci, merci ... mit udo jürgens, eurem heimatsänger. t.t. lo
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