Doch Susanne kämpft

Sonett zum Thema Psyche

von  Ralf_Renkking

Susanne sann früh wie von Sinnen
verloren ihr Außen nach innen;
sie wusste nicht, was sie da kann
und dachte erst, sie würde spinnen,
bis es ihr zu dämmern begann.
Da war es zu spät und sie drinnen
schon im psychiatrischen Bann.
Dem konnte wer selten entrinnen
und doch gelang ihr irgendwann,
dass sie innerhalb so von binnen
noch passender Zeit ihm entrann.
Sie musste von vorne beginnen,
doch keinen ging das mehr was an:
Verlierer lässt niemand gewinnen.


Anmerkung von Ralf_Renkking:

Ghasel.

Kommentare zu diesem Text

Stelzie (55)
(25.09.20)
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 Ralf_Renkking meinte dazu am 25.09.20:
Die Klapsmühle ist wie eine Zwickmühle, denn bist Du einmal drin, ist alles hin, d. h., wenn Du erst einmal die Nerven verloren hast und auffällig geworden bist, erhältst Du den Stempel 'chronisch' und kein Psychiater ist so verrückt, also so verrückt 😂, sich gegen seine Kollegen zu stellen und Susanne ist keine Ausnahme, sondern bildet einen Regelfall, im Gegensatz zu ihr sind die meisten Patienten aber nicht in der Lage, sich bewusst zu machen, dass eine psychiatrische Diagnose nicht zwangsläufig chronisch sein muss. Für die Psychiatrie gilt der Spruch: 'Die Hoffnung stirbt zuletzt' nämlich nicht, denn deren Handwerkszeug sind nahezu ausschließlich die Psychopharmaka, die zwar keinen Patienten heilen, ihn aber angeblich stabilisieren können, heftigste Nebenwirkungen werden billigend in Kauf genommen, daraus resultierender Charakterwandel, Medikamentenpsychosen und Todesfälle ignoriert bzw. dementiert, Rückfälle grundsätzlich als selbstverschuldet eingestuft, obwohl jeder Psychiater es besser wissen müsste, tragisch an ihrer Arbeit ist somit, dass der Patient nicht nur körperlich und seelisch, sondern auch mental der Leidtragende ist, da ihm jede Hoffnung auf Heilung genommen wird. Natürlich gibt es Fälle wie z. B. die Epilepsie, die ein Leben lang Medikamente erfordern und nur gelindert werden können, allerdings auch solche, die durch die Behandlung mit Psychopharmaka erst anfällig wurden, sprich, eine Fehldiagnose erhielten.
Um wieder den Faden aufzunehmen, Susanne hat zwar auch keine Chance, aber sie könnte sie wenigstens noch nutzen.
Ciao, Frank
P.S.: Danke auch für Deine Empfehlung, in diesem Fall wünsche ich mir sogar mal, dass sie etwas bewirkt.
Stelzie (55) antwortete darauf am 25.09.20:
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 Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 25.09.20:
Dass dieses Gedicht auch andere lesen und den Inhalt zu würdigen wissen. 😄

Antwort geändert am 25.09.2020 um 13:54 Uhr
Stelzie (55) äußerte darauf am 25.09.20:
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 Ralf_Renkking ergänzte dazu am 25.09.20:
Danke, damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet.

Antwort geändert am 25.09.2020 um 19:24 Uhr

 AchterZwerg (25.09.20)
Lied aus der Käserei

Susanne saß weinend beim Senner,
im Munde den weißlichen Drops,
der galt in der Klinik als Renner
und machte sie fett wie nen Mops!

 Ralf_Renkking meinte dazu am 25.09.20:
Danke, Dein "Lied" war für mich Anlass, mich mal wieder mit Olanzapin/Zyprexa zu beschäftigen und das ist total, typisch (🤭 atypisch 😂;), 2013 wurden in den USA 2!!! Todesfälle nach intramuskulärer Injektion von Zyprexa untersucht, bzgl. des Ergebnisses bin ich nicht fündig geworden, Leonard Roy Frank schreibt dem Medikament 8 Todesfälle zu und die Dunkelziffer möchte ich gar nicht wissen, aber ich weiß von einem Psychopharmakon, auf dessen Beipackzettel als mögliche Nebenwirkung der plötzliche und unerwartete Tod aufgeführt, welches aber weiterhin zur Behandlung zugelassen ist.
Von Brecht und Tucholsky stammt der Spruch wohl nicht, die Kollwitz schreibt ihn Liebermann zu: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."
Ciao, Dein Ralfi

 Regina (25.09.20)
Einer Bekannten passierte es so. Was ich nicht verstand, dass sie Medikamente bekam, aber kein Gespräch. Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie und Psychiatrie?

 Ralf_Renkking meinte dazu am 25.09.20:
Ich formuliere es mal ganz platt: Nur der ärztliche, also als Psychiater zugelassene Psychotherapeut darf Psychopharmaka verschreiben und der Psychiater als Arzt ohne psychotherapeutische Approbation hat keine Ahnung von der Psyche, der erste Fall kommt selten vor, der zweite ist die Regel. 😂
Ciao, Frank
P.S.: Danke auch für Deine Empfehlung, Regina.

Antwort geändert am 26.09.2020 um 09:53 Uhr

 Moja (26.09.20)
Erst klingt das Gedicht harmlos, leiert im Singsang, dann nimmt es Fahrt auf - Spannung - die Wendung - und Einsicht gefußt auf den abschließenden Kommentar - summa summarum: Diese Susanne hat Kraft, sich zu befreien!

Gut gemacht, Hut ab!
Moja

 Ralf_Renkking meinte dazu am 26.09.20:
Danke, Moja, denn schon wieder bist es Du, die mir den entscheidenden Schubs gab, das Sonett noch einmal von Grund auf zu überarbeiten, es lohnt sich wirklich, auf Deine Kommentare zu warten. 😛
Ciao, Frank
Nimmer (45)
(27.09.20)
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 Ralf_Renkking meinte dazu am 27.09.20:
Na, wenigstens scheint Dir das Sonett/Ghasel inhaltlich gefallen zu haben, Nimmer. Ich meine allerdings, dass im Titel dem Kampfgeist Susannes Genüge getan wurde, somit ist das Gedicht für mich in seiner Form fertig. Nichts für ungut und danke für Deine Empfehlung.
Nimmer (45) meinte dazu am 27.09.20:
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 Ralf_Renkking meinte dazu am 27.09.20:
Wenn Du meinst.

 AvaLiam (10.10.20)
Ein gewisser Rhythmus in den Sängen und Klängen hat schon immer für Bewegung und Motivation gesorgt.
Ich bin mir sicher, Susanne würden diese Zeilen gut stehen - vielleicht sogar ein kleines Lächeln abringen.

lG - Ava

 Ralf_Renkking meinte dazu am 10.10.20:
Danke, Ava, Susannes Lächeln war beileibe kein kleines, als sie das Gedicht las und sie weiß natürlich, dass sie keine Chance hat, aber auch, dass ihre Gegner ebenfalls keine haben. 😂😂
Ciao, Frank
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