Der Stau - Kap. 11

Geschichte zum Thema Ausweglosigkeit/ Dilemma

von  Manzanita

„Ja, wissen Sie, so etwas kommt ja öfters mal in Filmen. Da müssen die Protagonisten auch manchmal Essen suchen und verhungern sonst. Aber das ist gar nicht mal so einfach.“

„Verstehe. Definitiv keine leichte Aufgabe.“

„Ja, ich meine, wenn ich jetzt auf der Autobahn rumstehe, um Essen zu suchen, fragt man sich erst mal, wo denn auf einer Autobahn Essen ist. Und dann denkt man: <Nirgends.> Und da hat man ja eigentlich auch völlig Recht, normalerweise fahren da ja nur den ganzen Tag Autos mit 100 Sachen oder mehr vorbei, wenn jemand Hunger hat, fährt man halt auf den nächstbesten Rastplatz und bleibt nicht mitten auf der Straße stehen, logisch. Bloß hat uns der Stau nicht vor einem Rastplatz getroffen.“

„Aber Sie könnten doch einfach zu einem Rastplatz hingehen, oder?“

„Ja, ich hätte vielleicht zu einem Rastplatz gehen können, aber was mache ich mit Paul?“

„Verstehe.“

„Ich hätte ihn natürlich mitnehmen können, aber dann wäre das Auto allein geblieben. Was, wenn wir es nicht mehr wiederfinden. Bei dem ewigen Stau gibt es bestimmt mehrere gleiche Autotypen, sogar in der selben Farbe. Deswegen wollte ich nicht weit. Und weil eben kein Rastplatz in der Nähe war, wollte ich mal schauen, ob es vielleicht etwas natürlichere Nahrung gibt.“

„Was meinen Sie damit?“

„Na, Sie wissen schon, Früchte von Bäumen oder Pflanzen. Tatsächlich habe ich dann auch am Straßenrand ein paar Walderdbeeren gefunden und die habe ich dann Paul mitgebracht. Der sollte sich zuerst satt essen, schließlich ist er noch so jung. Dann habe ich noch einen Versuch unternommen und diese Beeren gefunden. Ich hatte mal davon gehört, dass eine Art giftig sei, aber hingegen andere, leicht unterschiedliche, für uns Menschen nicht. Und ich dachte, mein Gehirn sagte mir, dass diese zu den nicht giftigen zählte, und…“

„Da hat Sie Ihr Gehirn betrogen.“

Er weint.

Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (24.07.21)
Etwas arg melancholischer Schluss, aber der Ansatz zur Groteske gefällt mir.
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