Neulich in der Volkshochschule
Bericht zum Thema Menschenliebe/ Menschenhass
von Graeculus
Kommentare zu diesem Text
Na, ob Du da besser gefahren wärest, mer wasesnet … 😂
Das ist keineswegs sicher, da stimmte ich Dir zu. Allerdings brauchst Du Dich mit dem "neben dir" nicht angesprochen zu fühlen.
... das ist auch besser so, mit dem Assyrer hätte ich Probleme 🌞
Hättest auch Du gewiß. Allerdings ist Otto Normalmitmensch auch nicht so ganz ohne, wie man hier ja täglich feststellen kann. Und auch im Grundkurs "Mitgefühl für Anfänger" darf man sich seine Nachbarn nicht aussuchen.
(Bei meinen Texten kommt es öfters auf den Schlußsatz an.)
... so habe ich es doch verstanden, wenn du neben mir sitzt, kann der Platz nicht von einem Honk mit dem keiner klar kommt, eingenommen werden 
Dass ein Anfänger mit mir im Anfängerkurs vorlieb nimmt, finde ich sehr aufmunternd.

Dass ein Anfänger mit mir im Anfängerkurs vorlieb nimmt, finde ich sehr aufmunternd.
Antwort geändert am 13.09.2023 um 10:54 Uhr
Sofern man sich seine Nachbarn aussuchen kann, wären wir beide im Anfängerkurs sicher ganz gut aufgehoben. In der mittleren, etwas schwierigeren Stufe müßten wir uns dann über Einwanderung in Deutschland unterhalten. Naja, auch das bekämen wir noch ohne Aufforderungen zu Duell o.ä. hin, oder?
Das haben wir doch schon unter Beweis gestellt.
Das haben wir! Ohne jemals an Mord oder Körperverletzung gedacht zu haben.
lyrikPower (84)
(12.09.23, 19:38)
(12.09.23, 19:38)
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Unverschwurbelt? Na, ich hoffe doch! Hauptsache, zum Nachdenken über den letzten Satz anregend.
Ein unruhiger Traum, aber eine spannende Geschichte.
Beste Grüße,
Dirk
Beste Grüße,
Dirk
Ein unruhiger Traum, das kann ich Dir sagen. Leider brach er ab, bevor ich feststellen konnte, neben wem genau ich im Grundkurs säße.
Wozu braucht ein in Frieden ruhender Mörder (für den heute als selbstverständlich geltenden Fall, dass es keine unsterbliche Seele gibt), Mitgefühl?
Da kann man sehen, wie unlogisch Träume sind, nicht wahr? Logischer wäre Ramsan Kadyrow gewesen.
Dieser Assurnasirpal II. war der Vater des Salmanassar III., und der war der Schwiegervater der Sammuramat alias Semiramis, und über die lese ich gerade ein Buch. Eine Frau als Herrscherin in diesem Männerstaat, wie er kaum "männlicher" sein könnte! So kam es wohl zu dem Traum.
Dieser Assurnasirpal II. war der Vater des Salmanassar III., und der war der Schwiegervater der Sammuramat alias Semiramis, und über die lese ich gerade ein Buch. Eine Frau als Herrscherin in diesem Männerstaat, wie er kaum "männlicher" sein könnte! So kam es wohl zu dem Traum.
Hallo Graec,
du hättest einfach ein leises "te absolvo" hauchen sollen und schon wäre dir Assurnasirpals Mitgefühl sicher gewesen. Ein Anfängerfehler halt ...
Dein Bericht spricht mich sehr an, scheint er mir so recht aus dem Leben gegriffen zu sein und hat in der "Volkshochschule" den korrekten Austragungsort gefunden.
Superb, feinsinnig und dennoch patsch!
Entzückte Grüße
der8.
du hättest einfach ein leises "te absolvo" hauchen sollen und schon wäre dir Assurnasirpals Mitgefühl sicher gewesen. Ein Anfängerfehler halt ...

Dein Bericht spricht mich sehr an, scheint er mir so recht aus dem Leben gegriffen zu sein und hat in der "Volkshochschule" den korrekten Austragungsort gefunden.
Superb, feinsinnig und dennoch patsch!
Entzückte Grüße
der8.
Das stelle ich mir jetzt mal so vor, während ich gehäutet werde: "Ego te absolvo."
Hm.
Wie wäre es mit Heinrich Heine? "Gerne will ich meinen Feinden verzeihen - aber nicht, bevor ich sie hängen sehe!"
Hm.
Wie wäre es mit Heinrich Heine? "Gerne will ich meinen Feinden verzeihen - aber nicht, bevor ich sie hängen sehe!"
"Fortgeschrittene", ist das noch zeitgemäß?
Neulich hörte ich jemanden von einem Kurs für "Run aways" sprechen.
Trifft es zwar nicht ganz, klingt aber putzig!
Neulich hörte ich jemanden von einem Kurs für "Run aways" sprechen.
Trifft es zwar nicht ganz, klingt aber putzig!
Wie auch im wirklichen Leben bin ich in meinen Träumen sprachlich konservativ. Immer öfter weiß ich gar nicht mehr, wie man das heute sagt. Irgendwas mit "Advanced", oder?
Allerdings betreten nach meinem Eindruck auch die Programme der VHS selten sprachliches Neuland.
Allerdings betreten nach meinem Eindruck auch die Programme der VHS selten sprachliches Neuland.
Hallo Graeculus,
ich werde aus deinem Text lernen und ab sofort alle Autoren bei KV als meine Mitmenschen und meine Aufgabe betrachten.
LG
Ekki
ich werde aus deinem Text lernen und ab sofort alle Autoren bei KV als meine Mitmenschen und meine Aufgabe betrachten.

LG
Ekki
Alle? Dafür bräuchte ich erst einen VHS-Kurs unter Leitung des Herrn Siddharta Gautama. Nein, ehrlich, das fällt mir schwer.
Doch Herr Siddharta Gautama erwiderte: „Nein, auf keinen Fall. Auch er ist dein Mitmensch. Er sitzt da als deine Aufgabe!“
Es gibt schon exzessive Typen in der Geschichte. Timur Leng, der Mongolenherrscher, ist ein weiteres. Aber nicht von dem habe ich geträumt.
Zum Glück sind die Mitmenschen, denen wir begegnen, kaum von dieser Art. Doch es reicht für den bitteren Spruch von Ambrose Bierce in seinem Wörterbuch des Teufels:
Zum Glück sind die Mitmenschen, denen wir begegnen, kaum von dieser Art. Doch es reicht für den bitteren Spruch von Ambrose Bierce in seinem Wörterbuch des Teufels:
Nächster, subst. masc.
Jemand, den wir lieben sollen wie uns selbst und der alles in seiner Macht Stehende tut, uns ungehorsam zu machen.
Jemand, den wir lieben sollen wie uns selbst und der alles in seiner Macht Stehende tut, uns ungehorsam zu machen.
Träumst Du t a t s ä c h l i c h mit so viel Situationskomik?

Nun, gelegentlich. Meistens hat es mit irgendeinem Versagen oder Scheitern zu tun, und das wirkt ja oft komisch. Zumindest auf andere.
Sehr plakativer Traum, Graeculus. Das absolut Böse gibt es doch gar nicht.
Das absolut Böse habe ich nirgends erwähnt; aber der historische (!) Assurnasirpal kommt ihm doch recht nahe - extrem böse, so möchte ich es nennen. Auf der anderen Seite hat er viele Tempel für Götter bauen lassen, sogar babylonische Götter ins Pantheon aufgenommen ... und er hat zur Einweihung der von ihm gegründeten Stadt Kalchu ein Riesenfest organisiert, über das es heißt:
"47074 Bauleute, die an der Errichtung der neuen Stadt mitgewirkt hatten; 5000 höhe Offiziere aus dem Ausland; 16000 Einwohner der neugegründeten Stadt; 1500 Staatsbeamte. Diese 69574 Menschen werden während zehn Tagen vom König verköstigt: 2200 Stück Rindvieh, 16000 Schafe. 500 Hirsche, 500 Gazellen, 4000 Stück Geflügel, 30000 Tauben, 10000 Fische. 20000 Heuschrecken sowie verschiedene Sorten Brot, Wein, Bier und scharfe Getränke."
Abschließend schreibt er darüber auf einer Stele:
Gut, die Gehäuteten hatten nichts mehr davon, aber immerhin, ein tolles Fest.
Doch jetzt stellt Dir mal vor, solch ein Mensch sitzt neben Dir im VHS-Kurs. Ich vermute, nicht einmal Mutter Teresa hätte den ausgehalten, und Mahatma Gandhi hätte ihm nach drei Sitzungen den Schädel gespalten.
"47074 Bauleute, die an der Errichtung der neuen Stadt mitgewirkt hatten; 5000 höhe Offiziere aus dem Ausland; 16000 Einwohner der neugegründeten Stadt; 1500 Staatsbeamte. Diese 69574 Menschen werden während zehn Tagen vom König verköstigt: 2200 Stück Rindvieh, 16000 Schafe. 500 Hirsche, 500 Gazellen, 4000 Stück Geflügel, 30000 Tauben, 10000 Fische. 20000 Heuschrecken sowie verschiedene Sorten Brot, Wein, Bier und scharfe Getränke."
Abschließend schreibt er darüber auf einer Stele:
Ich habe für die Dauer von 10 Tagen die Leute von Kalchu zusammen mit den glücklichen Völkern aller Länder feiern lassen; ich habe sie mit Wein berauscht, habe sie gewaschen und parfümiert, ich habe sie mit Ehren bedacht, und dann habe ich sie in Frieden und Freude zurück in ihre Länder geschickt.
Gut, die Gehäuteten hatten nichts mehr davon, aber immerhin, ein tolles Fest.
Doch jetzt stellt Dir mal vor, solch ein Mensch sitzt neben Dir im VHS-Kurs. Ich vermute, nicht einmal Mutter Teresa hätte den ausgehalten, und Mahatma Gandhi hätte ihm nach drei Sitzungen den Schädel gespalten.
Interessante Geschichte, interessanter Traum.
Aber da es ein König mit dieser Macht nicht nötig hat, sich dermaßen aufzuspielen, wird die eigentliche Aussage eine andere sein.
Aber da es ein König mit dieser Macht nicht nötig hat, sich dermaßen aufzuspielen, wird die eigentliche Aussage eine andere sein.
Aber da es ein König mit dieser Macht nicht nötig hat, sich dermaßen aufzuspielen
Was den König angeht, so irrst du dich. Er hat in der von ihm gegründeten Stadt Kalchu eine Stele (in Keilschrift) hinterlassen, auf der er geradezu exzessiv (qualitativ wie quantitativ) seinen Ruhm, seine Erfolge, seinen engen Draht zu den Göttern preist. Ich möchte sagen, einen derartigen Angeber habe ich noch nicht kennengelernt. Das war sicher der Grund, weshalb er - nach der Lektüre eines Buches - in meinem Traum aufgetaucht ist.
Die eigentliche Aussage des Textes hat dann natürlich mit den Problemen zu tun, die uns unsere sog. Mitmenschen bereiten, bei denen es ja meistens um das eigene Ego geht. Da ist der Assurnasirpal-Typ nur ein extremes Beispiel. Wen ich im Normalfall meine, habe ich ja im letzten Satz deutlich gemacht.
Graeculus, ich präzisiere:
Ich weiß, Graeculus, es sind immer die anderen, die einem Probleme machen.
Nie ist man es selbst.
Eigenartig ist allerdings, daß meist Menschen, die alles haben, von anderen immer wieder an ihrem Glück gehindert werden.
Insofern geht es in diesem Kurs nicht um "Mitgefühl für andere", sondern um Mitgefühl für sich selbst.
PS: mich wird man auf so einem Kurs nicht treffen.
Aber da es ein König mit dieser Macht in der von dir beschriebenen Situation – falls er in sie überhaupt kommen sollte – nicht nötig hat und es auch unvorteilhaft wäre, vielleicht sogar nachteilig, sich dermaßen aufzuspielen, wird die eigentliche Aussage eine andere sein.
Nie ist man es selbst.
Eigenartig ist allerdings, daß meist Menschen, die alles haben, von anderen immer wieder an ihrem Glück gehindert werden.
Insofern geht es in diesem Kurs nicht um "Mitgefühl für andere", sondern um Mitgefühl für sich selbst.
PS: mich wird man auf so einem Kurs nicht treffen.
Antwort geändert am 14.09.2023 um 00:26 Uhr
Ich weiß, Graeculus, es sind immer die anderen, die einem Probleme machen.
Falsch. Im Traum bin ich es ja, der in diesem Kurs sitzt. Vgl. die Bemerkung des Herrn Siddharta Gautama (alias der Buddha).
Daß man dich in diesem Kurs nicht treffen wird, hängt das mit mangelnder Lernbereitschaft zusammen?
Graeculus, ich lerne jeden Tag auch ohne Kurs.
Ich glaube nicht, daß man deine Fähigkeiten mit meinen vergleichen kann: du bist mir auf deinem Gebiet haushoch überlegen, aber das ist nur ein Gebiet von vielen, und es würde mir beim Meistern meines Lebens nicht helfen.
Ich glaube nicht, daß man deine Fähigkeiten mit meinen vergleichen kann: du bist mir auf deinem Gebiet haushoch überlegen, aber das ist nur ein Gebiet von vielen, und es würde mir beim Meistern meines Lebens nicht helfen.
Mag sein. Jedenfalls war dies
eine falsche Annahme.
Ich weiß, Graeculus, es sind immer die anderen, die einem Probleme machen.
Nur aus deiner Sicht, Graeculus.
Von außen betrachtet nicht: wenn man mit einem anderen nicht klarkommt, braucht nicht der andere Mitgefühl, sondern man selbst.
Von außen betrachtet nicht: wenn man mit einem anderen nicht klarkommt, braucht nicht der andere Mitgefühl, sondern man selbst.
wenn man mit einem anderen nicht klarkommt, braucht nicht der andere Mitgefühl, sondern man selbst.
Das kommt doch stark auf den anderen an, ob das ein Defizit meinerseits ist.
Selbstverständlich, Graeculus, weil du bestimmt, was für den anderen gut ist, wie er sich zu verhalten hat.
Da verstehe ich den Zusammenhang deiner Antwort mit meiner Aussage nicht.
Graeculus, ich verstehe deinen Text so, daß du dir im Traum die Aufgabe gibst, einen König zu erziehen, weil dich sein Verhalten nervt.
Wie oft ist es dir gelungen, das Verhalten eines dir gleichgestellten Mitmenschen in deinem Interesse zu verändern, ohne daß er es wollte?
Wie oft ist es dir gelungen, das Verhalten eines dir gleichgestellten Mitmenschen in deinem Interesse zu verändern, ohne daß er es wollte?
Es war zunächst ein Traum, den ich genauso erst deuten muß wie jeder andere.
Ich habe nicht dein Eindruck, daß es darum ging, den Assurnasirpal zu erziehen. Mir nicht und dem Buddha auch nicht. Die Aufgabe, von der er sprach, die habe ich verstanden als die Fähigkeit, ihn als Mitmenschen zu lieben (große Version) oder zumindest zu ertragen (kleine, meine Version).
Viele Menschen erscheinen mir als schwer zu ertragen - vermutlich deshalb habe ich diesen Traum gehabt.
Ich habe nicht dein Eindruck, daß es darum ging, den Assurnasirpal zu erziehen. Mir nicht und dem Buddha auch nicht. Die Aufgabe, von der er sprach, die habe ich verstanden als die Fähigkeit, ihn als Mitmenschen zu lieben (große Version) oder zumindest zu ertragen (kleine, meine Version).
Viele Menschen erscheinen mir als schwer zu ertragen - vermutlich deshalb habe ich diesen Traum gehabt.
Und genau deshalb ist es dein Problem, Graeculus: weil viele Menschen dir schwer zu ertragen erscheinen.
Die Menschen haben kein Problem mit dir, sondern du mit den Menschen.
Zum Glück bist du Rentner und kannst den ganzen Tag zu Hause sein.
Die Menschen haben kein Problem mit dir, sondern du mit den Menschen.
Zum Glück bist du Rentner und kannst den ganzen Tag zu Hause sein.
Ich habe ein Problem mit anderen Menschen? Verzeihung, aber das muß jetzt sein:

Ob du wohl jemals von deiner Neigung Abstand nehmen wirst, immer auf das Persönliche zu zielen?
(Die Zeichnung stammt von Wilhelm Busch.)
Antwort geändert am 18.09.2023 um 14:45 Uhr
Wunderbar pointiert komponiert! Ein Prosa-Kleinod!
Oh, das ist hohes Lob!
das Thema "abweichende Meinungen" treibt viele Autoren auf dieser Seite um. Graeculus erweitert das Spektrum: abweichende Meinungen haben den Touch der Gewalttätigkeit.
Am besten setzt man sich weit weg von solchen Leuten. Auch Graeculus bestätigt leider den Einheitsbrei im heutigen Leben.
Am besten setzt man sich weit weg von solchen Leuten. Auch Graeculus bestätigt leider den Einheitsbrei im heutigen Leben.
Mir gefällt die Ambivalenz deiner parabelhaften Geschichte, ihre Höhe und ihre Tiefe (im doppelten Sinn): erst historische (amoralische) Größe - dann kafkaeske Anklänge, zuletzt pointierter Schluss mit Herz und Deutungsoffenheit ...
Wenn jemand stolz ist auf seine monströse Grausamkeit, dann ist das eine extreme Form von abweichender Meinung. Deshalb behandelt die Volkshochschule sie auch in einem Forgeschrittenen-Kurs. Kommt zum Glück nicht so häufig vor.