Sich selbst finden

Ansprache zum Thema Selbsterkenntnis

von  EkkehartMittelberg

Fast jeder Dichter sucht sich selbst zu finden,

ein Ziel, das unterschiedlich schwierig ist;

denn mancher schafft es schon in kurzer Frist,

sich an ein Bild von sich zu binden.

Als junger Mensch entdeckt er seine Werte,

die er ein Leben lang dann beibehält,

obwohl er öfter strauchelt und auch fällt,

er bleibt sich treu, ist schließlich keine Gerte.

Ein andrer wandelt immer neue Wege,

will kein Geländer, meidet feste Stege,

die Lebensreise wandelt stets sein Bild.

Doch möcht’ auch er sich gerne selbst erkennen,

im raschen Wandel feste Züge zu benennen

ist schwierig, das Verlangen ist noch nicht gestillt.



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Kommentare zu diesem Text


 Teo (01.04.26, 09:39)
Ach Ekki,
Als wenn es so einfach wäre. Ein wenig erkenne ich mich auch.
Es grüßt 
Teo

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 09:54:
Merci, Teo,
solange man sich nur ein wenig erkennt, hat man noch Möglichkeiten, sich zu entwickeln.
Offene Grüße
Ekki

 LotharAtzert (01.04.26, 10:02)
Darf ich fragen, wie lange Du pro Tag meditierst und welcher Praxis Du dabei folgst, lieber Ekki? - denn das ist ja wohl das Wesentliche, wenn man schon drüber schreibt.
Alles andere ist wäre bloßes Lippenbekenntnis.

LG L

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 01.04.26 um 10:43:
Auf meine Wenigkeit kommt es dabei nicht an, Lothar. 
Ich denke viel über mich nach. Ob das die Bezeichnung Meditation verdient, weiß ich nicht.

 LotharAtzert schrieb daraufhin am 01.04.26 um 23:34:
Auf unsere Wenigkeit kommt es dabei nicht an, Ekki. Aber zum sich selbst finden ist es sicher notwendig, die Geistesgifte von Gier, Haß und Unwissenheit in ihre Weisheiten zu verwandeln, nämlich Gier (oder Anhaftung) in Mitgefühl, Haß (oder Abneigung) in Güte und Unwissenheit in Weisheit. Wie das im Einzelnenzu bewerkstelligen ist, ist sicher nicht ganz unwichtig. Doch so weit geht das Interesse der Kommentatoren dann doch nicht und das ist schade.

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 02.04.26 um 00:17:
"Auf unsere Wenigkeit kommt es dabei nicht an, Ekki. Aber zum sich selbst finden ist es sicher notwendig, die Geistesgifte von Gier, Haß und Unwissenheit in ihre Weisheiten zu verwandeln, nämlich Gier (oder Anhaftung) in Mitgefühl, Haß (oder Abneigung) in Güte und Unwissenheit in Weisheit."
Dem stimme ich vorbehaltlos zu, Lothar.

 lugarex (01.04.26, 10:04)
Ein andrer wandelt immer neue Wege,
das sitzt wohl auf meiner Glatze! Ohne Erfolg... :(

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 01.04.26 um 10:49:
Hallo Luga,
"wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen" (Faust II. Vers 11936 f.)
LG
Ekki

 EVdR (01.04.26, 10:08)
Ein feines Stück. 

Des Künstlers suche nach dem Stil. 
Die Stege im Moor versunken, 
das Treppenhaus im Rohbau birgt die Unfallgefahr. 
Das Geländer fehlt

 Hannes meinte dazu am 01.04.26 um 20:29:
Eine feine Antwort !
Die Quintessenz in vier kurzen Zeilen zusammengefasst 
und dabei auch noch eindrucksvoll in Worte gebracht.

Antwort geändert am 01.04.2026 um 22:16 Uhr

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 22:25:
Danke für deine Empfehlung, Hannes.
LG
Ekki

 Saira (01.04.26, 10:33)
Hallo Ekki,
 
dein Gedicht bewegt sich um die Frage: Wer bin ich – und wann bin ich es?

Ich mag, dass du keinen endgültigen Zustand behauptest, sondern zwei Bewegungen nebeneinanderstellst: das frühe Sich-Finden und das ständige Sich-Verändern. Beides wirkt bei dir nicht wie Gegensatz, sondern wie zwei Arten, mit dem eigenen Leben umzugehen.
 
Es hängt wohl auch damit zusammen, dass ein Mensch, der geistig beweglich bleibt, fortwährend neue Einsichten gewinnt.
 
Liebe Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 10:57:
Grazie, Sigi,
genau darum geht es mir, keinen endgültigen Zustand bei der Selbstfindung festzulegen.
Herzliche Grüße
Ekki

 Moppel (01.04.26, 11:01)
Jeder Jeck is anders, Ekki. Aber auch Nomaden wissen, dass sie Nomaden sind... 
lG von M.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 11:12:
Merci, Moni,
das stimmt, aber manche Nomaden denken, dass es sone und sone Nomaden gibt.
Liebe Grüße
Ekki

 EVdR meinte dazu am 01.04.26 um 11:51:
Leben ist Wandel. Damit Nomadentum. Statik des Selbst folglich nur ein Trugschluss. Wobei ein Grundcharakter eine gewisse Statik hat. Momente sind wie ein Foto, nur eine Momentaufnahme. Der Weg als Ziel.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 16:13:
Gracias EVdR,
du hast erkannt, dass man im Leben, das Wandel ist, sich immer wieder neu finden muss.
LG
Ekki

 Didi.Costaire (01.04.26, 16:32)
Ein schönes Sonett, Ekki!

Da ist der Dichter, glaub ich, wie die andern,
die teils gradaus, teils andre Wege wandern,
doch denkt er öfter drüber nach und richtet
den Blick auf die Details, die er bedichtet.

Liebe Grüße,
Dirk

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 17:05:
Gracias, Didi,
ich freue mich, dass du bei der Gewichtung des Inhalt einen Blick für die Form behältst.
Liebe Grüße
Ekki

Antwort geändert am 01.04.2026 um 17:05 Uhr

 S4SCH4 (01.04.26, 17:10)
Schön. Ich lese darin gewissermaßen auch eine kleine Hommage an Narziss und Goldmund von Hesse, nicht wahr? Beste Grüße Sascha

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.26 um 17:23:
Merci Sascha,
ich habe zwar nicht an diesen Roman gedacht, doch finden sich meine zwei Arten der Selbsterkenntnis darin wieder.
LG
Ekki

 plotzn (02.04.26, 09:22)
Servus Ekki,

ein substantielles Sonett, dass zum Nachdenken anregt.

Der Grat zwischen gefestigter Meinung und Sturheit ist genauso schmal wie der zwischen Flexibilität und Wankelmut. Ein ständiges Balanzieren...

Liebe Grüße
Stefan

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.04.26 um 10:04:
Grazie, Stefan,
ein scharfsinniger Kommentar, der mein Gedicht zum Sprechen bringt.
Liebe Grüße
Ekki

 harzgebirgler (02.04.26, 14:41)
woran was ist erweist sich schon
als wachen geists gerechter lohn.

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.04.26 um 14:48:
Merci, Henning,
wach bleiben ist nicht immer einfach. Gerechter Lohn entschädigt.
Beste Grüße
Ekki
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