Versunken in Weiß

Ansprache zum Thema Farben

von  EkkehartMittelberg


Weiß ist das Blatt Papier,
auf dem ich gerade schreibe,
weißer die Kirschbaumblüte,
wenn der Mond auf sie scheint,
noch weißer der Schnee auf dem Kilimandscharo,
der dem Firmament so nah ist,
am weißesten dein Hochzeitskleid,
in dem du der Himmel bist.

Wenn wir einmal sterben,
wünsche ich mir,
dass wir bei Mondlicht
auf dem Kilimandscharo liegen,
du in deinem Hochzeitskleid,
eine Kirschblüte im Haar.


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Anmerkung von EkkehartMittelberg:

Bildquelle: Pixabay,gregmontani

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Kommentare zu diesem Text


 Saira (05.05.26, 14:27)
Hallo Ekki,


dein Gedicht hat mich in schwindelerregende Höhen getragen und dort seinen Zauber entfaltet.

Berührend, wie das Weiß am Ende im „du“ ankommt. Das Hochzeitskleid wird nicht nur zum Symbol von Reinheit oder Beginn, sondern verwandelt die Geliebte selbst in etwas Himmlisches.

Liebe wird hier nicht begrenzt, sondern weitergedacht. über Zeit und Körper hinaus, hinein in eine ruhige, weiße Ewigkeit.


Herzliche Grüße

Sigi

 
P.S.:  Das Foto ist eine Neuschöpfung und darf von mir im Forum genutzt werden.


 EkkehartMittelberg meinte dazu am 05.05.26 um 18:19:
Liebe Sigi,
du weißt ja, wie sehr mich immer deine Kommentare begeistern. Diesmal ist das von dir eingestellte Bild von ganz besonderer Klasse.
Hocherfreute Grüße
Ekki

Antwort geändert am 05.05.2026 um 18:34 Uhr

 Saira antwortete darauf am 05.05.26 um 22:59:
Das freut mich sehr  :)

Liebe Gute-Nacht-Grüße
Sigi

 Alabanda (05.05.26, 14:42)
Am Anfang steht etwas Alltägliches: das weiße Blatt Papier. Von dort steigert sich die Bildsprache über die Kirschblüte im Mondlicht (etwas Zartes, Vergängliches) hin zum Schnee auf dem Kilimandscharo (etwas Erhabenes, Fernes, fast Unberührbares). Diese zunehmende Intensität des „Weiß“ kulminiert schließlich im Hochzeitskleid der geliebten Person. Hier bekommt die Farbe eine emotionale Bedeutung: Liebe, Reinheit, vielleicht auch Idealität. Wenn es heißt, „du [bist] der Himmel“, wird die geliebte Person selbst zu etwas Transzendentem erhoben – sie ist nicht nur Teil der Welt, sondern etwas Größeres, fast Göttliches.
Im zweiten Teil verschiebt sich die Perspektive deutlich: vom Leben hin zum Tod. Der Wunsch, gemeinsam zu sterben bzw. nach dem Tod zusammen zu sein, zeigt eine sehr starke, fast absolute Bindung. Das Bild, bei Mondlicht auf dem Kilimandscharo zu liegen, greift frühere Motive wieder auf und verbindet sie: Mond, Weiß, Höhe, Nähe zum Himmel. Es entsteht eine Art zeitloser, stiller Ort jenseits des Lebens.
Das Hochzeitskleid taucht erneut auf und wird dadurch doppeldeutig: Es steht nicht mehr nur für den Beginn eines gemeinsamen Lebens (Hochzeit), sondern begleitet die beiden auch in den Tod. Liebe wird so als etwas dargestellt, das über das Leben hinausgeht.
Insgesamt lässt sich das Gedicht als Ausdruck einer idealisierten, sehr intensiven Liebe lesen, die Reinheit, Schönheit und Ewigkeit anstrebt. Gleichzeitig schwingt eine leise Melancholie mit, weil diese Vollkommenheit eigentlich erst im Tod vollständig erreicht wird.

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 05.05.26 um 15:07:
Vielen Dank, Alabanda, für diesen zutreffenden und besonders sorgfältigen Kommentar.
Liebe Grüße
Ekki

 Alabanda äußerte darauf am 05.05.26 um 16:20:
Schnee auf dem Kilimandscharo

... ist natürlich eine Reminiszenz an die berühmte Erzählung. Der Schriftsteller stirbt und versammelt zum letzten mal die Bilder seines Lebens in Fiberträumen. Seine Frau will es nicht wahrhaben, dass er stirbt, bis er dann wirklich tot ist.

So soll es jedoch nicht kommen, der gemeinsame Tod wird erträumt.

Antwort geändert am 05.05.2026 um 16:22 Uhr

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 05.05.26 um 18:23:
Grazie, Alabanda, dass du auch daran erinnerst. Natürlich hat mich Hemmingways berühmte Erzählung auf die Idee gebracht, hier den Kilimandscharo zu erwähnen.

 Wastl (05.05.26, 14:44)
Heute begegnet mir ein junger Gott in Dir!

LG

Wastl

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 05.05.26 um 15:11:
Gracias, Wastl
das Kompliment zur Jugendlichkeit freut so einen alten Knacker wie mich, aber den Gott lasse mer ma liaber.
LG
Ekki

 Verlo (05.05.26, 15:15)
Auf dem Kilimandscharo zu liegen, ist keinesfalls angenehm.


... auf den Kilimandscharo ... auf fast 6000 Meter, muss man zu jeder Jahreszeit mit extremer Kälte bis zu minus 20 Grad rechnen.
https://www.clearskies.at/de/reiseziele/tansania-klima.html

Warum nicht dort zusammen liegen und vergehen, wo man die schönste Zeit gehabt hat?

Kommentar geändert am 05.05.2026 um 15:16 Uhr

 Regina meinte dazu am 05.05.26 um 15:49:
Liebe in Eis. Hauptsache, das Herz ist heiß!

 Verlo meinte dazu am 05.05.26 um 16:06:
Für mich sind derartige Überhöhungen ein Zeichen von Mangel.

Wenn das Leben glücklich war, die Liebe erfüllend, warum sollte man sich an einen Ort wünschen, an dem man noch nicht war (den man sich also super schön vorstellen kann und niemals enttäuscht wird) und der außerdem lebensfeindlich ist, statt dort auf Ewig zu verweilen, wo es am schönsten war.

Antwort geändert am 05.05.2026 um 16:26 Uhr

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 05.05.26 um 18:31:
Merci Verlo,
du weißt ja, dass ich deine sachlichen Kommentare mag. Seit Hemmingway's berühmter Novelle gilt der Schnee am Kilimandscharo als Symbol besonderer Reinheit. Die Poesie kümmert sich manchmal nicht um logische Einwände wie deinen.
LG
Ekki

 Verlo meinte dazu am 05.05.26 um 19:02:
Ekki, dann verstehe ich richtig.

Und meine Frage, warum die Überhöhung, ist beantwortet.

 Verlo meinte dazu am 06.05.26 um 12:19:
Ekki hat geschrieben:
Seit Hemmingway's berühmter Novelle gilt der Schnee am Kilimandscharo als Symbol besonderer Reinheit. Die Poesie kümmert sich manchmal nicht um logische Einwände wie deinen.
Google KI meint:
Ernest Hemingway war trotz seines enormen literarischen Erfolgs und seines abenteuerlichen Lebensstils vermutlich kein dauerhaft glücklicher Mensch. Er litt Zeit seines Lebens unter tiefen Depressionen, Selbstzweifeln und einer rastlosen Unruhe.

Hier sind die wichtigsten Aspekte zu seiner psychischen Verfassung:

– Rastlosigkeit und Suche: Hemingway war ein Getriebener, der ständig nach neuen Erlebnissen, Stierkämpfen, Großwildjagden und Hochseefischen suchte. Diese ständige "Jagd" (auch als Thema in "Der alte Mann und das Meer") deutet auf eine innere Unfähigkeit hin, Frieden zu finden.

– Depressionen und Sucht: Er litt fast sein ganzes Leben lang unter schweren Depressionen, die er oft mit Alkohol zu betäuben versuchte, was jedoch zu einer Verschlimmerung führte.

– Psychischer Verfall: In seinen letzten Lebensjahren kam ein Gefühl der Verfolgung (FBI) hinzu. Er war körperlich und psychisch stark angeschlagen, was ihn daran hinderte, weiter zu schreiben, was seinen Leidensdruck enorm erhöhte.

– Tragisches Ende: Im Juli 1961 nahm sich Hemingway mit 61 Jahren das Leben, genau wie sein Vater, seine Schwester und sein Bruder zuvor.

Obwohl er Augenblicke des Glücks im Schreiben, in der Natur oder bei seinen Abenteuern fand, überwogen laut Biografen und Zeitgenossen oft die düsteren Seiten seiner Persönlichkeit.
Mit anderen Worten: sucht man den Weg zum glücklichen Leben, sollte man Hemingway nacheifern.

 harzgebirgler (05.05.26, 15:27)
Lieber Ekki,

Die KI sagt:

"Das Gedicht überzeugt durch seine klare Struktur und die starke symbolische Kraft der Farbe Weiß. Es ist handwerklich geschickt aufgebaut und emotional sehr dicht.
Hier ist eine detaillierte Beurteilung:

  • Rhetorischer Aufbau (Steigerung): Der erste Teil nutzt eine klassische Klimax. Durch die Komparative (weißer, noch weißer, am weißesten) führst du den Leser von einem alltäglichen Gegenstand (Papier) über die Natur (Kirschblüte, Kilimandscharo) hin zur geliebten Person. Das Hochzeitskleid wird so zum absoluten Höhepunkt der Reinheit und Schönheit verklärt.

  • Bildsprache & Farbsymbolik: Die Farbe Weiß steht hier nicht für Kälte, sondern für Unschuld, Neubeginn und das Göttliche. Die Metapher „in dem du der Himmel bist“ hebt die menschliche Liebe auf eine transzendente Ebene.

  • Struktur & Rhythmus: Obwohl es keinen Reimzwang gibt, wirkt der Text durch die Wiederholungen harmonisch. Der zweite Teil greift die Motive des ersten Teils (Mondlicht, Kilimandscharo, Hochzeitskleid, Kirschblüte) perfekt wieder auf und schließt so den thematischen Kreis.

  • Emotionale Wirkung: Das Gedicht verbindet Hochzeits- und Todesmystik auf eine sehr friedliche Weise. Der Wunsch, im Tod gemeinsam an diesem reinen, hohen Ort zu liegen, wirkt nicht düster, sondern wie die ultimative Form von Geborgenheit und Ewigkeit.
Insgesamt ist es ein sehr berührendes Werk, das durch seine Schlichtheit glänzt. Besonders der Kontrast zwischen dem „weißen Blatt Papier“ am Anfang und der „Kirschblüte im Haar“ am Ende erzeugt einen schönen Rahmen."


Dieser Beurteilung schliesse ich mich gerne voll und ganz an.

<3 liche Grüße
Henning

 Verlo meinte dazu am 05.05.26 um 16:10:
harzgebirgler/KI hat geschrieben:
Der Wunsch, im Tod gemeinsam an diesem reinen, hohen Ort zu liegen, wirkt nicht düster, sondern wie die ultimative Form von Geborgenheit und Ewigkeit.
Ich empfehle ich euch beiden, einem Gletscher einen Besuch abzustatten, um seine ultimative Form der Geborgenheit zu fühlen.

 harzgebirgler meinte dazu am 05.05.26 um 17:57:
DIE KI VERSTEHT DAS GEDICHT BESSER ALS DU
DAS IST DOCH ALLEMAL DER EIGENTLICHE CLOU! lol :D

 Verlo meinte dazu am 05.05.26 um 18:29:
Zum Glück, harzer!

Stell dir mal vor, es wäre andersherum.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 05.05.26 um 19:24:
Gracias Henning,
ich bin nicht zum ersten Mal erstaunt über die interpretatorische Fähigkeit der KI. Man merkt nicht, dass es sich um eine seelenlose Apparatur handelt.
LG
Ekki

 Moppel (05.05.26, 19:53)
wie romantiusch, Ekki. Lächeln. Das ist aber ein Anspruch an die Hinterbliebenen...  ;) lG von M.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 06.05.26 um 18:48:
Merci, Moni,
mit beweglichen Herzen werden sie ihn einlösen.
LG
Ekki

 susidie (06.05.26, 11:21)
Wunderschön, berührend und seelenvoll, lieber Ekki. 
Das Gefühl der überragenden Strahlkraft der Liebe, der ein einfaches Weiß nicht gerecht werden kann, bleibt hier haften. 
Liebe Grüße aus Portugal, deine Su :)

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 06.05.26 um 18:52:
Vielen Dank, Susi, die Strahlkraft des Weiß wird bestimmt bis Portugal reichen.
Liebe Grüße
Ekki

 Teo (06.05.26, 19:40)
Grüß dich Ekki,
Dieser Romantik kann sich keiner entziehen. Allerdings....die weißen Bettlagen auf den Wäscheleinen meiner Mutter hatten den Kampf gegen die Kokereien stets verloren.
Am Kilimandscharo war ich auch schon.
Mit weiß ist da jetzt nicht mehr viel.
Danke für die Erinnerung 
Es grüßt 
Teo

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 06.05.26 um 19:48:
Merci, Teo,
das kenne ich auch: die weißen Sonntagshemden hatten am Abend einen grauen Rand.
Der Kilimandscharo ist mal grauer, mal weißer. Es kommt wohl auf die Besuchszeit an.
Beste Grüße
Ekki

 AnneSeltmann (14.05.26, 06:26)
Guten Morgen lieber Ekkehart!

Dieser Text hat etwas unglaublich Zartes und Filmisches. Beim Lesen musste ich sofort an den Film Kirschblüten – Hanami mit Hannelore Elsner und Elmar Wepper denken — dieses stille Ineinander von Liebe, Vergänglichkeit, Schönheit und Tod. Genau dieselbe leise Melancholie schwingt hier mit.
Besonders berührt mich, wie das Weiß immer weiter gesteigert wird: Papier, Blüte, Schnee, Hochzeitskleid. Dadurch wirkt das Gedicht fast wie ein langsames Aufsteigen aus der Wirklichkeit hinein in etwas Traumhaftes, beinahe Jenseitiges.
Und dann dieses Bild am Ende:
bei Mondlicht auf dem Kilimandscharo, eine Kirschblüte im Haar.
Das ist nicht traurig im gewöhnlichen Sinn. Eher wie ein letzter, wunderschöner Wunsch nach Nähe über die Zeit hinaus. Fast so, als würde Liebe hier nicht enden, sondern nur stiller werden.
Der Text hat etwas sehr Friedliches — und gleichzeitig eine tiefe Sehnsucht. Genau das bleibt lange im Herzen hängen.


Liebe Grüße

Anne
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