Wird das nicht langsam zu bunt?

Gedicht zum Thema Ironie

von  niemand



Will uns auch vieles nicht gefallen,

wir sind bereit es schön zu malen,

zu jeder Zeit, an jedem Ort -

ein fast schon kollektiver Sport

dem Negativen hier im Leben,

per Schönwort einen Glanz zu geben.


Der Sport heißt Dunkles aufzuhellen,

Gefallenes neu aufzustellen,

in Güte Böses zu verwandeln,

per Lüge Wahrheit auszuhandeln.


Wir sind enorm im edel Nennen,

dessen was als obszön wir kennen.

Bei Feigheit reden wir von Mut,

in Sanftmut wandeln wir die Wut.


Das Nichtstun preisen wir mit Streben,

beim Sterben sprechen wir vom Leben.

Der, dessen Selbstsucht auserlesen,

erscheint uns als soziales Wesen.


Gesellschaftlich schon längst gespalten,

reden wir vom Zusammenhalten.

Der Stillstand ist für uns ein Regen

und Schulden ein Spezial-Vermögen.


Zum Kavaliersdelikt wird Mord -

so läuft es weiter, läuft es fort …….

Das gegenseitige Belügen,

mutiert zum wahren Volksvergnügen.





Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von Reliwette, Tula und Saira.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 EVdR (21.05.26, 14:17)
Ein Meisterwerk der Demaskierung

Genial, treffsicher und von einer schmerzhaften Präzision.

Du beschreibst hier nichts Geringeres als die Anatomie der kollektiven Rückgratlosigkeit. Das „Schönwort“ als Fitness-Sport einer Gesellschaft, die die Wahrheit nicht mehr erträgt und sich lieber im permanenten Mummenschanz der Phrasen wiegt. Besonders die Zeile mit dem „Spezial-Vermögen“ entlarvt die vollkommene Verblendung der Gegenwart auf den Punkt.

Wenn das gegenseitige Belügen zum Volksvergnügen mutiert, bleibt am Ende nur noch die nackte Charakterlosigkeit. Danke für diesen hochphilosophischen, unbeugsamen Text, der dem kollektiven Schönfärben die Maske brutal vom Gesicht reißt.

Chapeau.
Zur Zeit online: