Mir machte die neue Schule in Heiligenhaus viel Spaß, was an einer guten Klassenlehrerin und sehr guten Schulnoten gelegen haben mag. Dies brachte mir viel Lob und Anerkennung, weil man damit wohl auch nicht gerechnet hatte. Ich war eher schüchtern und unauffällig, vermutlich hatte man mich deshalb auch etwas unterschätzt.
Mich selber überraschte das eigentlich weniger. Der Lernstoff fiel mir leicht und die guten Noten waren eine logische Folge. Im Grunde genommen interessierte mich das nachmittägliche Fußballspielen mit den Nachbarskindern viel mehr. Oder auch das Lesen in spannenden Büchern!
In jene Zeit hinein lernte ich bei einem Onkel das Schachspielen. Schon bald war er kein Gegner mehr und so meldete mich mein Stiefvater in einem kleinen Schachklub an.
Gespielt wurde im Saal einer Dorfkneipe, wo lauter Männer über 60 mit ihren Zigarren die Luft schwängerten. Was mich aber nicht weiter störte, denn ich war einfach glücklich Schachspielen zu können. Das Spiel übte eine eigenartige Faszination auf mich aus.
Allerdings hatte ich zuvor auf Geheiß des Stiefvater zuvor immer die katholische Messe auf der anderen Straßenseite zu besuchen. Das war der Deal.
Tatsächlich erkenne ich heute im Alter in dieser Kirche + Schachkombination eine Art göttlicher Fügung oder Vorsehung. Oft zeigt sich recht früh, was später einmal werden soll.
Glaube und Schach - und zwar in der Reihenfolge - wurden im Laufe meines Lebens zu zwei bestimmenden Faktoren in meinem Leben. Wovon ich damals natürlich noch nichts ahnte. Es sollten noch einige Jahre ins Land ziehen, bevor sich das immer klarer herauskristallisierte.