Ein Eklat mit Folgen

Anekdote zum Thema Lebensweg

von  Bluebird


Bei der Rückkehr in den Schulalltag stellte ich fest, dass der Lernrückstand in einigen Fächern doch erheblich war. Was sich auf die Noten auszuwirken begann, besonders in Mathematik.
   Gleichwohl bekam ich am Ende des Schuljahres recht gnädige Zensuren, quasi einen Bonus wegen meiner krankheitsbedingten Ausfallzeit. Was ich dann auch recht wohlwollend registrierte.
  Auch mit der Jungen und Mädels meiner Klasse war so weit wieder alles in Ordnung, aber ich zog mich mehr in mich selber zurück. Vielleicht fehlte mir auch etwas die sportliche Betätigung.
In jene Zeit hinein fiel nun eine dreitägige Klassenfahrt. Wir waren in einer Jugendherberge in Hinsbeck nahe der niederländischen Grenzen untergebracht.
  Eigentlich eine ziemlich schöne Gegend, aber so richtig konnte ich das gar nicht genießen. Seit jener Liegezeit hatte sich in mir einfach etwas verändert.
Hinzu kam, dass ich beim Fussballspiel gegen eine Hinsbecker Schülerelf wegen der endgültigen Ausheilung des Knöchelbruchs nur zuschauen konnte.
  Dies alles wäre vermutlich nicht weiter tragisch gewesen, wenn es nicht in der letzten Nacht zum Eklat gekommen wäre. In unserem 6-Bettenzimmer ging es so hoch her, so dass ich einfach nicht einschlafen konnte. Bis gegen Mitternacht ertrug ich den Radau stoisch, dann haute ich mit der Faust auf den Tisch und forderte die Nachtruhe ein.
  Tatsächlich trat danach auch Ruhe ein. Mein Wort als Klassensprecher hatte vielleicht doch noch Gewicht. Vielleicht waren sie aber auch nur etwas schockiert über meinen Wutausbruch.
Als ich allerdings kurz darauf von der Toilette zurückkam, staunte ich nicht schlecht. Mein Schlafsack und meine Tasche lagen auf dem Flur und die Stubentüre war von innen verschlossen worden. Die nächtliche Party war wieder im vollen Gange.
    Ich stand ruhig da und dachte kurz nach. Sollte ich auf diesen Affront kämpferisch agieren? Den Klassenlehrer oder den Herbergsvater wecken? 
Aber wozu? Eigentlich war ich den Jungs aus der Stube dankbar, dass sie mir so deutlich klargemacht hatten, dass ich so richtig nicht mehr dazu gehörte.
  Und ich wollte eigentlich auch nicht nicht mehr groß etwas mit ihnen zu tun haben. Ich bewahrte mir da lieber ein gutes Gewissen!

Am nächsten Morgen sprach ich diesen Vorfall auch nicht an. Wozu auch? Sie hatten ihre Party gehabt und ich eine tiefer gehende Erkenntnis. Fortan würde ich nur noch das machen, was in meinem Interesse lag!


Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Verlo (12.06.26, 17:53)
Schade, ich hatte gehofft, daß ein Wunder geschieht, oder Gott sich zeigt.

Sehr laut kann die Party aber nicht gewesen sein, sonst hätte doch andere beschwert, oder?

#

... eine tiefer gehende Erkenntnis. Fortan würde ich nur noch das machen, was in meinem Interesse lag!
Das verstehe ich (immer noch) nicht: wie kann es im eigenen Interesse sein, einem Glauben zu folgen, den sich andere ausgedacht haben.

Sich selbst einen Glauben auszudenken, dem andere folgen, kann ich nachvollziehen.

Allerdings mag ich es nicht, über andere zu herrschen.
Zur Zeit online: