Süßes Zögern

Gedicht zum Thema Verführung

von  Saira

Sie wartet nicht wirklich.
Sie tut nur so,
als ließe sich dieser Moment noch beherrschen,
als liege zwischen ihr und der Versuchung
noch ein Abstand, der längst aufgehoben ist.

 

Er ruht vor ihr –
glänzend, dunkel, fast unverschämt ruhig,
als wüsste er genau,
wie sehr er gesehen werden will.

 

Sie betrachtet ihn langsam.
Nicht gierig.
Ihr Blick bleibt hängen,
nicht flüchtig, sondern tastend,
bevor ihre Finger es wagen.

 

Ein kleines Lächeln,
kaum mehr als ein Gedanke auf den Lippen.
Als hätte sie beschlossen,
dass Geduld nur eine schlechte Gewohnheit ist.

 

Dann ein Schritt nach vorn.
Nicht entschieden, eher endgültig weich.
Ein Entschluss, der sich nicht mehr verkündet.

 

Nicht hastig.
Eher wie etwas, das sich selbst erlaubt,
endlich ehrlich zu sein.

 

Ihre Fingerspitzen streifen ihn –
ein Hauch, kein Griff.
Ein kaum merklicher Druck,
und doch antwortet alles darauf:
Die Luft wird dichter,
die Stille enger,
der Raum verliert seine Distanz.

 

„Du bist eindeutig zu verführerisch, um nur dazuliegen“,
scheint ihr Blick zu sagen.

 

Und dann –
kein Zögern mehr.

 

Sie nimmt ihn.
Nicht sanft.
Nicht brutal.
Sondern mit dieser seltsamen Selbstverständlichkeit,
die entsteht, wenn ein Wunsch
keine Gegenargumente mehr kennt.

 

Ein einziger Moment,
in dem alles zusammenfällt:
Sehen. Wollen. Haben – Vollzug.

 

Es war der letzte Trüffel in der Schachtel.
Und als er verschwindet,
bleibt nichts zurück außer dieser leichten, süßen Spur.

 

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026


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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (17.06.26, 10:53)
Hallo Sigi,
ab und an so ein humorvolles Gedicht ist wie Medizin für andere und dich.
Herzliche Grüße
Ekki

 Reliwette meinte dazu am 17.06.26 um 11:46:
Hallo Ekki,
einen so gehaltvollen Humor muss einer erst einmal entwickeln! Das begrenzt im Einzelfall der Getaltungswille.

@Saira du hast eine Poesie entwickelt, die auch vorliegendes Thema anmutig dezent behandelt. Ich finde deinen Text berauschend schön wie einen trockenen  Dornfelder Rotwein aus der Pfalz bei Kerzenlicht, wenn die Dämmerung Schatten am Kamin erlaubt.
Lieber Gruß an euch beide!
Hartmut

Antwort geändert am 17.06.2026 um 11:49 Uhr

Antwort geändert am 17.06.2026 um 11:50 Uhr

 Saira antwortete darauf am 17.06.26 um 15:06:
Euch beiden, vielen Dank für eure schönen Gedanken.  :)

Hallo Ekki, 

ich glaube, der letzte Trüffel hat seine Aufgabe erfüllt und wenigstens für einen Moment für gute Laune gesorgt.

Liebe Grüße
Sigi

Lieber Reli, 

nach deinem Kommentar habe ich fast das Gefühl, der arme Trüffel sei zu literarischen Ehren gekommen. 

Vielen Dank für deine poetischen Bilder und die große Wertschätzung, die aus deinen Worten spricht. 

Herzliche Grüße
Saira

 AchterZwerg (18.06.26, 06:32)
Allerköstlichst!
Aber auch in jeder Hinsicht!  :D
Pass nur auf, dass sich Wilma nicht der Schachtel bemächtigt ...

 Saira schrieb daraufhin am 18.06.26 um 10:30:
Bei Wilma gäbe es kein süßes Zögern, eher einen kurzen  Prozess. Und hinterher würde sie mich mit dem unschuldigsten Hundeblick der Welt anschauen. 

Lachend grüßt dich
Sigi

 Nuna (19.06.26, 08:25)
Wunderbar :) , den Spannungsmoment bis aufs Unendlichste ausgekostet, sinnlich und lustvoll, einfach toll.LG Nuna

 Saira äußerte darauf am 19.06.26 um 11:09:
Moin liebe Nuna,

freut mich, dass dir der Text gefällt  :)

Danke und liebe Grüße
Saira

 TassoTuwas (20.06.26, 09:54)
Hallo Sigi,

ein Volltreffer ins Genießerleben  :) !

Herzliche Grüße
TT
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