Unvermutete Treue

Anekdote zum Thema Treue

von  EkkehartMittelberg

Im letzten Urlaub habe ich jemanden kennengelernt, der unglaublich treu war. Sie werden sich fragen, wie man das nach kurzfristigen Ferien glaubwürdig beteuern kann. Doch gedulden Sie sich einen Moment.
Kurz nach Beginn einer mehr als einstündigen Wanderung setzte sich ein Schmetterling aus der Familie Pfauenauge auf meinen Arm, der durch einen Wanderstock regelmäßig bewegt wurde. Mich erfreute der schöne Anblick meines Begleiters und ich zweifelte nicht daran, dass er nur von kurzer Dauer sein würde. Aber weit gefehlt. Er hatte sich bei mir häuslich niedergelassen. Nachdem er eine Viertelstunde ausgeharrt hatte - wie lang ist das in einem Schmetterlingsleben - stellte ich die Treue meines Gesellen auf die Probe, indem ich meinen Arm heftig hin und her schwang. Doch der Falter ließ sich nicht beirren. Jetzt war ich natürlich gespannt, wie lange er es bei mir aushalten würde und ich entschied mich wieder für eine regelmäßige Armbewegung, um ihn nicht unnötig zu verschrecken.
Sie werden es schon ahnen: Meine Duftstoffe hatten ihn betört. Er wollte nicht von mir lassen. Als ich schließlich mein Auto erreichte, musste ich unsere angenehme Geselligkeit beenden. Ich streifte ihn sanft mit meiner Hand von dem Arm und er er gaukelte davon.
Mehr als eine Stunde seines kurzlebigen Schmetterlingslebens blieb er mir treu, ein Wesen, das in Fabeln und Schlagern als flatterhaft gilt.

Z




Anmerkung von EkkehartMittelberg:

Pixabay, marijakes-butterfly

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Kommentare zu diesem Text


 Gabyi (20.06.26, 18:28)
Das ist die sogenannte molekulare Treue. Die gibt es auch zwischen Menschen ;)

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 20.06.26 um 19:01:
Merci, Gabyi,
hast du Lust, diesen für mich neuen Begriff noch etwas zu erläutern?

Liebe Grüße
Ekki

 Gabyi antwortete darauf am 20.06.26 um 20:41:
Hallo Ekki, 
ich versuchs mal zu erläutern..
Den Begriff habe ich gerade mal erfunden ;). Er bedeutet, dass ein Molekül dafür verantwortlich ist, durch seine spezifische Molekülstruktur eine Verbindung zu einem anderen Molekül zu gewährleisten. Es gibt dabei spezielle Reaktionsarten und -typen. Zum Beispiel das Haber-Bosch-Verfahren bei der Ammoniak-Synthese. Es braucht Stickstoff und Wasserstoff, daraus entsteht dann Ammoniak. Man braucht immer Stickstoff, wenn man Ammoniak haben will und das ist dann molekulare Treue. In deinem Fall ist es das Geruchsmolekül, das du ausstömst, welches eine gewisse Bindung zu dem Falter herzustellen versucht.

LG
Gabyi

Antwort geändert am 21.06.2026 um 14:36 Uhr

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 20.06.26 um 21:33:
Danke, Gabyi, ich kann das nachvollziehen: Warum sollte es nicht eine chemisch verursachte Treue geben?

 Regina (21.06.26, 02:29)
"Er schlachte der Opfer zweie und glaube an Liebe und Treue", sprach doch schon bei Schiller der Schmetterling, nicht wahr. 
Dein moderner Armgast, war es ein Schmetterling oder eine Schmetterlingin?

 AchterZwerg (21.06.26, 07:16)
Einfach abgestreift!  :(
"Drum prüfe, wer sich ewig bindet!"

Lachende Grüße
Piccola

 Saira (21.06.26, 10:06)
Lieber Ekki,

deine Anekdote spielt schön mit dem Gedanken von Nähe und Dauer. Was als Zufall beginnt, bekommt plötzlich etwas Zartes, Beharrliches, ein kurzer Augenblick, der sich fast gegen die Zeit stellt.

Liebe Grüße

Sigi

 harzgebirgler (21.06.26, 15:10)
Hallo Ekki,

der war auf Fett und Eiweiß scharf
was er dem Namen nach auch darf:

"Die deutsche Bezeichnung „Schmetterling“, 1501 erstmals belegt, kommt vom slawischstämmigen ostmitteldeutschen Wort Schmetten (das heißt Schmand, Rahm), von dem einige Arten oft angezogen werden. Im Aberglauben galten Schmetterlinge gar als Verkörperung von Hexen, die es auf den Rahm abgesehen hatten, worauf auch frühere landschaftliche Bezeichnungen für Schmetterlinge wie Milchdieb, Molkenstehler oder ähnliche hindeuten. Die englische Bezeichnung butterfly weist in dieselbe Richtung und entspricht den regional gebräuchlichen Bezeichnungen Buttervogel, Bottervagel, Botterlicker, da die Tiere beim Butterschlagen angelockt wurden. Örtlich existierten aber auch verschiedene weitere Bezeichnungen; neben den oben schon genannten beispielsweise westfälisch Schmandlecker (von Schmand)." 
https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlinge#Herkunft_des_Namens

lg
henning

Kommentar geändert am 21.06.2026 um 15:12 Uhr

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 21.06.26 um 18:11:
Vielen Dank für die umfassende Information, Henning. Der langen Verweildauer nach zu urteilen, war bei mir viel zu holen.

LG
Ekki

 plotzn (22.06.26, 07:34)
Auf die Gefahr hin, Dich zu enttäuschen, lieber Ekki:

Ich denke, es hat sich unter den Schmetterlingen herumgesprochen, dass von den Menschen (abgesehne von wenigen Insektenforschern) keine direkte Gefahr ausgeht und man sie gut als kostenlose Mitganggelegenheit nutzen kann...

Liebe Grüße
Stefan
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