Der Atem des Wassers

Gedicht zum Thema Natur

von  Saira

Wo Schilf den Wind bewahrt
und Seerosen den Morgen spiegeln,
tanzen blaue und braune Libellen
auf silbernen Fäden der Frühe.

 

Die eine trägt Himmel,
die andere Erde.

 

Sie haschen nach dem Glanz,
bergen sich im Röhricht,
lauschen der lautlosen Welt
und folgen dem Atem des Wassers.

 

Dann hebt die Luft
ihr uraltes Geheimnis:

 

Flügel finden Flügel.

 

Ein Augenblick aus Morgenglanz,
leicht wie Tau,
flüchtig wie ein Sommerhauch.

 

Über dem stillen Spiegel
gleitet neues Leben
hinab in die Tiefe.

 

Dort holt die Zeit
tief unter Wasser Atem,
bis die Frühe
sie wieder emporruft.

 

Und wenn der Sommer reift,
kehren gläserne Schwingen zurück
als hätte der Teich
seinen Namen
in ihre Herzen gelegt.

 

Der Wind liest
Botschaften im ersten Schimmer
von der Haut des Wassers.

 

Kiesel schenken dem Ufer
kreisende Wellen.

 

Ein Schmetterling
sammelt Blütenleuchten.

 

Eine Reiherfeder
webt Schweigen.

 

Auf einer Seerose
ruht eine goldene Libelle.

 

Darüber schimmert
feiner Elfenstaub.

 

Der Abend
malt mit Karminrot
ein Lächeln
an den Himmel.

 

So hütet der Teich
jede Heimkehr

 

und jeder Flügel
kehrt nach Hause.

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026


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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (26.06.26, 12:20)
Liebe Saira,
ein schönes Sommermärchen mit viel "background". Schön, dass Tiere, auch Insekten, viel direkter Leben als die meisten Menschen. Diese Libellen, z.b. leben ihren Augenblick mit einer Logik, die in ihren Genen worzelt. Sie kommen ohne SINUS und COSINUS aus, stellen keine Berechnungen über die Tragfähigkeit von Fundamenten an.. Sie müssen auch nicht um ihre Rente fürchten, müssen nicht zur Musterung. Ihr Leben verläuft viel unkomplizierter. Ich habe auch noch nie gehört, dass eine Libelle einen Hertinfarkt bekommen hat.
All das solte uns Menschen zu denken Anlass geben.
Ich habe dein Gedicht gerne gelesen!
Mit frdl. Gruß!
Reli

Kommentar geändert am 26.06.2026 um 12:23 Uhr
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