Das Schweigen der Welt

Gedicht zum Thema Leben/Tod

von  Saira

In Gaza schlafen die Kinder
mit dem Geräusch von Drohnen ein.
Nicht mit Märchen.
Nicht mit Liedern.
Mit dem Summen des Todes
über den Dächern ihrer Nächte.

 

Ein dreijähriger Junge
trug Festkleidung.
Kleine Schuhe.
Ein Hemd für eine Hochzeit.
Seine Mutter strich ihm noch über das Haar,
bevor der Himmel ihn zerriss.

 

Jetzt hängt sein Name
zwischen Staub und Blut
an den Wänden eines zerborstenen Tages.

 

Auf den Märkten
liegen keine Früchte mehr,
nur Schreie.
Keine Zukunft mehr,
nur Trümmer,
die nach verbrannter Kindheit riechen.

 

Die Krankenhäuser gleichen stillen Vorzimmern des Todes.
Ärzte nähen Wunden
mit leeren Händen.
Mütter drücken fiebernde Kinder
an ausgehungerte Körper,
als könnten Rippen
noch Schutz bedeuten.

 

Und irgendwo auf der Welt
läuft der Alltag weiter.

 

Tassen klirren.
Menschen lachen.
Nachrichten wechseln das Thema.

 

Doch Gaza bleibt.
Wie eine offene Wunde
im Gesicht der Menschheit.

 

Dort lernen Kinder zuerst,
wie man Tote erkennt,
bevor sie schreiben können.

 

Und jede zerstörte Schule
fragt uns schweigend:

 

Wie viele kleine Körper
müssen noch unter Staub verschwinden,
bis die Welt endlich aufhört,
wegzusehen?

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




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Fotoneuschöpfung für das Forum genehmigt

 

 







Anmerkung von Saira:

Was in Gaza geschieht, ist längst nicht mehr nur Krieg.

Es ist die systematische Zerstörung einer Bevölkerung durch Bombardierung, Vertreibung, Hunger und das gezielte Lahmlegen aller lebensnotwendigen Strukturen.
Verhindert oder massiv eingeschränkt werden unter anderem:

– Lebensmittel- und Hilfslieferungen
– Trinkwasser und Wasseraufbereitung
– Medikamente und medizinische Geräte
– Treibstoff für Krankenhäuser und Generatoren
– Stromversorgung
– Evakuierungen von Schwerverletzten
– humanitäre Korridore
– sichere Unterkünfte für Vertriebene
– funktionierende sanitäre Versorgung
– medizinische Hilfe für Kinder, Alte und Verletzte

Krankenhäuser brechen zusammen.
Operationen finden ohne ausreichende Betäubung statt.
Kinder sterben an Hunger, Infektionen oder fehlenden Medikamenten, obwohl Hilfe möglich wäre.

Und eines muss klar gesagt werden:

Die Benennung dieses Leids ist kein Antisemitismus.
Kritik an einer Regierung, an militärischem Vorgehen oder an möglichen Kriegsverbrechen richtet sich nicht gegen jüdische Menschen.

Menschlichkeit darf nicht davon abhängen, welche Sprache jemand spricht, welche Religion er hat oder auf welcher Seite einer Grenze er geboren wurde. Wer um tote Kinder, zerstörte Familien und verhungernde Menschen trauert, verteidigt keine Ideologie, sondern das Recht auf Leben.

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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (13.05.26, 15:01)
Liebe Saira,  
Mensch kann nicht mehr wegsehen, und der Unterschied muss heißen ISRAEL und SEINE Führung, nicht Judentum, denn die Lehren der jüdischen Bücher sind es nicht, auf deren Grundlagen dieses Gemetzel stattfindet.Das hast du in deinem Kommentar gut beschrieben. Klar ist. dass Israel auch Feinde hat, die Drohnen, Panzer und Raketen gegen die Bewohner Israels einsetzen.
Es ist einfacher, einen gewaltbesetzten Krieg durch Agitation und miese Propaganda zu entfachen, als ihn wieder einzudämmen.

Der Hass dominiert den Verstand und menschliches Empfinden. Wenn alle Brücken gebrochen sind und Städte und ganze Landstriche im Wüstensand versinken und Menschen von Stunden auf Stunden zu überleben hoffen, zieht der Schnitter mit seiner Sense durch verkohlte Städte und Landschaften, fährt er seine traurige Ernte ein und hinterlässt Ströme von Blut und leblosen , verstümmelten Körpern. Es ist eine zum Himmel stinkende Schande.
Ein trauriger Gruß!
Reli

Kommentar geändert am 13.05.2026 um 15:02 Uhr

 Alabanda (13.05.26, 15:19)
Die Benennung dieses Leids ist kein Antisemitismus.

Kritik an einer Regierung, an militärischem Vorgehen oder an möglichen Kriegsverbrechen richtet sich nicht gegen jüdische Menschen.

Da hast du recht!


Antisemitismus ist der Judenhass der von Gazaeltern, -großeltern, -geschwistern in Gazafamilien, von Gazalehrern in Gazaschulen den Gazakindern seit Jahrzehnten  eingeimpft wird.
Antisemitismus ist die Verteufelung von Israel als das Böse, das von der Landkarte ausradiert werden soll.
Antisemitismus ist das mobbing gegen Juden im Namen von Gaza überall auf der Welt, von bösen Worten bis zum Mord.

Ein Bsp. aus Deutschland, wo die Welt der Judenhasser nicht schweigt, im Gegenteil

 jüdischen Restaurant in Berlin wird attackiert bis zu seinem Ende


Kommentar geändert am 13.05.2026 um 16:37 Uhr

 Citronella (13.05.26, 15:57)
Nein, die Welt (außerhalb Deutschlands) schweigt nicht mehr. 

Eine israelische Kommission hat in zweijähriger Arbeit den mehrere hundert Seiten starken Report „Silenced no more“ erstellt, der die sexuellen Gräueltaten der Hamas vom 7. Oktober 2023 aufdeckt und  im Netz auf Englisch abrufbar ist. Er entstand auf der Grundlage unzähliger Interviews mit Betroffenen und Zeugen.

Wo wurde in Deutschland darüber berichtet? Hat hier schon mal jemand ein Gedicht über diese Seite der Geschichte geschrieben?

 eiskimo (13.05.26, 17:13)
Das ist kein Text, Saira, das ist ein Aufschrei, ein mehr als berechtigter, längst fälliger. 
Und Du formulierst ihn so, dass man nicht mehr weghören kann.
Möge er auch da gehört werden, wo die Front verläuft, die Front zur Menschenverachtung.
stiller Gruß 
Eiskimo
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