Als sich der nach eigener Bekundung aus Thüringen stammende Student Johannes Plavius im Wintersemester 1621 in die Matrikel der brandenburgischen Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder eintragen ließ, dürfte sein ab 1647 als Rektor an der Danziger Petri- und Paulischule wirkende Kommilitone Johann Georg Moeresius zu den ersten Personen gezählt haben, die den Gelegenheitslyriker Ernst Schwabe von der Heyde in neuer Identität kennenlernten, wahrscheinlich ohne auch nur annähernd zu ahnen, einen der primären Reformer des literarischen Frühbarock vor sich zu haben, welcher in Danzig die nächsten Jahre dessen eigene, wenn auch recht dürftige Karriere als Verseschmied mindestens bis 1630 befeuern und prägen würde, denn Moeresius wechselte bereits zum Sommersemester 1622 auf das akademische Gymnasium in Danzig, um sich darüber einem Lehramt verpflichten zu können.
Somit überschnitt sich Moeresius Rückzug von der brandenburgischen Universität offensichtlich mit der Einschreibung des Gubener Studenten Friedrich Ringewald zum Frühjahr des gleichen Jahres an der Viadrina, der im Gegensatz zu Moeresius bereits dort die lyrische Begabung des Johannes Plavius kennen und schätzen lernen sollte.
Friedrich Ringewald ist zwar Zeit seines Lebens nie als Dichter oder Gelehrter hervorgetreten, seine Zugehörigkeit zur Gubener Dichterfamilie Apelles lässt sich allerdings eindeutig durch die Biographie belegen, die der Historiker Hugo Jentsch über einen der zwei Halbbrüder des damaligen Studienkollegen von Johannes Plavius anfertigte, bei dem es sich um keinen geringeren als den zum damaligen Zeitpunkt ungefähr vierjährigen Kirchenlieddichter Johann Franck handelte; eine Quintessenz, die sich aus der Gratulationssschrift von Ringewald zur Hochzeit seiner Schwester Elisabeth mit dem späteren Gubener Stadtrichter Simon Lehmann ergibt, welche Ringewald Ende Januar/Anfang Februar 1623 in Frankfurt/ Oder beim Universitätsdrucker Michael Koch in Auftrag gab und die Mitte 2025 von der Bibliothek Halle/Wittenberg digitalisiert sowie vernetzt wurde.
Das Besondere an diesem Epithalamium besteht darin, dass es als Anhang ein in ein lateinisches Cento eingearbeitetes Anagramm auf den Namen des Bräutigams Simon Lehmann enthält, welches augenscheinlich von Johannes Plavius stammt und daher momentan als das nachweislich erste sowie auch einzige Gedicht vor seiner Danziger Phase gelten darf, obwohl Plavius wahrscheinlich am Hauptteil der Festschrift, der aus Distichen in ebenfalls lateinischer Sprache besteht, mitgewirkt haben wird, da er sich auf dem Niveau eines im Neulateinischen versierten Dichters bewegt, zudem Stil sowie Metaphorik grundsätzlich von Routine und Professionalität zeugen. Doch auch die dreiteilige Gliederung des Epithalamiums weist darauf hin, dass es sich dabei nicht allein nur um das Erstlingswerk eines Anfängers handeln kann, sondern um ein emblematisches Gesamtkunstwerk, so dass auch dessen bildbeschreibender Mittelteil die mehrjährige Erfahrung eines in Theologie und Dichtung geübten Autors erforderte, wobei die abschließende Herkunfts- und Statusangabe von Johannes Plavius unter dem dritten Teil zumindest erste Prämisse bekräftigt.