Der Umriss, der bleibt

Gedicht zum Thema Trauer/Traurigkeit

von  Saira

Heute
hat die Zeit

ein Fenster

nach innen geöffnet.

 

Nicht der Himmel

war es,

der dunkler wurde.

 

Die Erde
schloss
für einen Augenblick
ihre grünen Augen. 

 

An einer Tür

wartet noch

ein Gruß,

der nie mehr

ausgesprochen wird.

 

Heute

ist eine Uhr

stehen geblieben,

ohne anzuhalten.

 

Sie zählt

nicht mehr

Sekunden,

sondern

Abwesenheit.

 

Die Luft

trägt noch

den Umriss

eines Menschen.

 

Das Licht

ließ

seinen Schatten

zurück.

 

Und irgendwo

geht ein Hund

zur Tür,

lauscht,

hebt den Kopf,

 

weil Treue

keinen Abschied begreift.

 

Er wartet

nicht auf den Morgen.

 

Er wartet,

als gäbe es kein Ende.

 

Ich suche

nach einem Satz,

der den Verlust

kleiner machen könnte.

 

Doch Wörter

schlagen Flügel

gegen Glas.

 

Vielleicht

ist Trauer

nichts anderes

als Liebe,

 

die keinen Körper

mehr findet,

an den sie sich

lehnen kann.

 

Und dennoch

bleibt etwas.

 

Nicht als Trost.

Nicht als Antwort.

 

Sondern

wie der leise Duft

eines Waldes,

nachdem

der letzte Baum

gefallen ist.

 

Man sieht

die Lücke.

 

Aber man begreift

erst mit der Zeit,

wie viel Himmel

dieser eine Mensch

getragen hat.

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




Anmerkung von Saira:

Dieses Gedicht entstand in stiller Trauer um einen lieben Freund, dessen Menschlichkeit, Güte und Leben Spuren hinterlassen haben, die bleiben. Seinem Andenken ist es von Herzen gewidmet.

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