Viel Schlaf und ein Schlachtfeld zum Montagmorgen

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Innerhalb der letzten knapp 36 Stunden verwöhnten mich viel Schlaf und Ruhe in dieser Unterkunft in Rimini. Ich bin behäbig, würde gerne eine noch mehr schlafen und ruhen, als hätte ich mir versprochen, mich in Watte zu packen.
Sehr wohl, ich möchte nachsichtig mit mir umgehen, mich schonen, mich nicht absehbar dem Stress aussetzen, ich sagte ja, bereits: trouble will find me - wenn er will. Und so muss ich es vorsichtig sagen, dieses: ich werde weiterreisen und dieses: es muss weitergehen.

 

Das Kampfgebiet für diesen Tag ist dergestalt ausgemacht, jene, die angriffen, wenn ich mich losmache und abfahre, sie rufen: Sorge dich um dich, bleib und ruh dich aus! Und jene hingegen, die angriffen, wo ich zögerlich bin und umsichtig, allzu langsam, sie rufen: Sieh zu, komm voran, du hast dich genug ausgeruht!
Mir bleibt in dieser Konstellation nur die Rolle des Schlachtfeldes, oder die eines Täters und eines Opfers, der und das in der Actionkamera des Spiels zu sehen ist, ähnlich wie ein Egoshooter, der den eigenen Abschuss oder andere auch Spieler zeigt, nachdem der eigene Charakter nicht länger spielbar ist.  

 

Von der Nebensaison in Rimini habe ich vorerst genug gesehen, es wird meinen eigenen Akku nicht wesentlich aufladen, denn der Strom scheint hier rationiert und nicht jede Steckdose funktioniert, falls doch, dann lädt sie unter Umständen sehr langsam.

Ich komme hier demgemäß langsam zum Erliegen, muss mich heute mit letzter Kraft aufraffen um fortzukommen, sonst werde ich womöglich zu einem Gespenst, einem Geist inmitten einer Geisterstadt oder einer Geisterstadtpromenade.

 

Heute werde ich mit dem Zug nach Ancona fahren, gegen zehn Uhr am Morgen, ab Rimini Bahnhof. Dafür muss ich erneut in das Stadtzentrum, die sechse Kilometer sollten in einer halben Stunde machbar sein, ich hoffe früh genug loszukommen, noch vor dem ersten großen Verkehr. Dieser startet meinen Erfahrungen nach zwischen Zehn und Elf, doch hier in der Stadt kann es anders sein, gut möglich, dass der Berufsverkehr bereits gegen Neun auf einem Höhepunkt ist und ich, mit meinem Ansinnen zum Bahnhof zu kommen, mitten in diesen Höhepunkt hineinfahren werde.

 

In Ancona angekommen, werde ich dann vielleicht mehr über meine Pläne wissen, ob ich bleibe und wo, ob ich weiterfahre und wohin und so weiter. Fürs erste hoffe ich, dass bis dorthin alles glatt läuft, dass ich einen Fahrradstellplatz im Zug bekomme, und überhaupt, dass der Bahnhof nicht zu viele Treppen hat, auf denen ich das schwere Bike erstmal zum Bahnsteig hinbewegen müsste. 
 

Diesen typischen Montagmorgen, werde ich gerne hinter mir lassen, zwar nicht zum Preis eines überbordenden Gewusels, aber gerne für einen Schuss mehr Lebhaftigkeit. Möge sie dann auch erhalten bleiben und nicht auf dem eingangs skizzierten Schlachtfeld gleich wieder jäh ein Ende finden.   

 

La bella vita!




Anmerkung von S4SCH4:

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