Schlachtfelder auf den Füßen und Ozzy jault

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Eine Stunde vor dem üblichen Feierabend bin ich bereits geduscht und habe mich verarztet. Meine Füße sehen aus wie nordafrikanische Schlachtfelder, auf denen die italienischen Truppen unter Mussolini gekämpft haben – und sie traten ebenso den Rückzug an; einem Erwin Rommel (Wüstenfuchs) werde ich allerdings nicht folgen, er brächte schlussendlich doch nur den Untergang. So pflege ich meine Füße, in denen ich tagsüber sockenlos in den Arbeitsschuhen stehe, weil eben die Socken scheuern und reizen, als gäbe es keinen Morgen, und warte zudem darauf, dass meine Rückenschmerzen nachlassen. Was den Höhepunkt der Olivenernte betrifft, habe ich mich wohl getäuscht – oder auch nicht –, manche sprechen nämlich davon, dass im November der Höhepunkt der Ernte sei. Ich bleibe dabei aber noch ein wenig skeptisch dahingehend, dass ich wesentlich kürzere Tage im November erwarte und demgemäß ein Weniger an eigentlicher Arbeit beziehungsweise Ernte … vedremo (Wir werden sehen).

 

Ich bin zu müde, um das Zimmer aufzuräumen, in dem alles Mögliche verstreut herumliegt: von den Pflastern für die Wunden über die Wasserflaschen, meine getragenen Ernteklamotten, Handtücher, Fahrradtaschen, Schlafsack, Zelt und Isomatte bis hin zu den Notizbüchern und so weiter.

 

Die Eidechse, die gestern noch in meinem Zimmer herumlief, hat sich seit heute Nacht nicht mehr blicken lassen. Wo auch immer sie jetzt ist, möge sie mir fernbleiben, ebenso wie die Stechmücken, die in allen Größen vertreten sind und die für die vielen Blutspuren in diesem Zimmer verantwortlich zeichnen.

 

Von den vielen Katzenjungen, die hier auf dem Hof mittlerweile heimisch sind, hat zumindest eines einen Namen bekommen. Bevor ich aber zum eigentlichen Namen komme, kurz die Geschichte dahinter: Ich zeigte einem der Italiener gestern nach dem Abendessen ein wenig Musik, wir unterhielten uns darüber mit Händen und Füßen und spätestens bei Black Sabbath waren wir uns einig geworden. Wir hörten also ein wenig Black Sabbath unter Ozzy Osbourne und wünschten ihm, er möge in Frieden ruhen. Heute erfolgte dann, in Anlehnung an den gestrigen Abend, die Taufe des kleinen schwarzen Kittens auf den Namen Ozzy.

 

Die anderen scheinen mittlerweile von den Olivenbäumen zurückgekehrt zu sein. Ich höre sie unter meinem Fenster reden – jenem Ausblick, der in den Innenhof des Anwesens zeigt und von dem aus man darüber hinaus einen Blick bis nach Pescara und über das Adriatische Meer richten kann. Hinter mir sollte die Sonne bald untergehen, über dem eindrucksvollen Gran-Sasso-Gebirgsmassiv.

 

Bald wird es Essen geben. Und wenn nicht, dann werde ich jene Lebensmittel verspeisen, die ich heute Morgen für das morgige Frühstück selbst einkaufte, darunter ein flaches Weißbrot mit viel Kruste, zwei Sorten Käse, Pistazienmortadella, frische Tomaten, Auberginen und einen Blumenkohl. Davon sollte ich satt werden und für morgen früh bliebe wohl auch noch etwas übrig.

 

Ich gehe einfach mal nachsehen, nicht, dass sie mich noch vergessen.




Anmerkung von S4SCH4:

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