Irgendwer kommt immer - meistens sind es Drei; allein gegen das Alleinsein, in einem Irrgarten
Tagebuch zum Thema Reisen
von S4SCH4
Sich in ein mehr oder weniger ausgewähltes Gefängnis begeben, in dem nur der innere Schweinehund über die Schlüssel verfügt oder jene Insasse (mich!) fortschicken, auf das sie alleine in der Welt klarkäme, das scheint das Möglichste an Wahl zu sein.
Wann das Gefängnis eben dazu wird und wenn es demzufolge nicht länger der Platz einer Heimat ist, dann liegt das auch am Freiheitsversprechen, an welches, jemand anderes im eigenen Namen glauben wollen will und es tatsächlich von einem abfordert, von einem, der seine Heimat damit aufzugeben bereit ist und sie Gefängnis nennt.
Für mich bleibt ein wirrer Wechsel zwischen einem Platz im Leben hier und einem Platz im Leben dort, beides spielt sich gegeneinander aus, schimpft sich einerseits Knast und schimpft sich anderseits Nichts; der Kampf der beiden ist perfide und projiziert Wünsche, Träume und Scheitern auf das Schlachtfeld Mensch. Schau mich an und sterbe auf mir!
Es gibt Momente, da hasse ich mein Leben nahezu vollendet, ich verabscheue es auf das Genaueste und weiß darum: jemand wird kommen, dieses ebenso tun und mir Wasser und Gram fortgraben und jemand wird kommen und mich von Gegenteil überzeugen und die Blumen säen.
Die beiden gehen dann nach Hause, jeweils auf einen Platz hier und einen Platz dort, ich verbleibe, im Ungefähren, im Versuchten, im einstmals geliebten und im einstmals gehassten, dort wo schließlich der Dritte in einem Korridor auf mich wartet und ausgequetschten Limonensaft herunterkippt, meine blutende Wunde wieder schließt, als wäre sie eine Kühlschranktür, seine Kreuze in der Kirche macht und mich auf eine neuerliche Runde sendet.
Ich sah die Drei mehr als ein (1) mal und habe keine Lust sie länger zu sehen, bis mir der Sankt-Nimmerleins-Tag (Tag x) schließlich die Türen versperrt und meint: „Die Welt ist genug allein!“
Würde ich zu Therapiezwecken Schreiben, wäre ich wahrscheinlich krank, denn alles was ich beabsichtige verkehrt mindestens einmal ins Gegenteil. So bleibt mir nur der mittelbare und mittellose Ausdruck, der Schmerz und die Ohnmacht, das Bittere ohne etwaige Zitrone dazu und ohne eine schokoladige Note.
Wenn alles immer subjektiv ist, dann gäbe es kein objektiv. Alles wäre … nun, ich werde keinen Spürhund auf Gottes Fährte ansetzen, ich werde meine Religion nicht in den neonbekränzten Heilsfiguren der Medien und der Wissenschaften finden … ich nehme es mit ins Grab, da kann man es wenigstens sicher und offensichtlich rauben, nicht wie im Leben, in dem die Wunden heilen, das Vergessen bisweilen wohltut und das Tun ein Kampf mit dem Ungetanem ist.
Je dunkler die Schatten an den Höhlenwänden, desto lichter der Schulterblick, der Blick in das Feuer, der Tunnel, jener der aus der Höhle fortführte und schließlich: der Blick in die Sonne. Wer verantwortet es, dem Schattenschauenden einen Wink zu geben, ihn über die Schulter blicken zu lassen oder ihn gar ins Licht zu führen? „95 Tage … dann ist er endlich frei … doch wer da draußen hat die Zeit ihn zu verstehen …“; diese Zeilen aus dem Lied von Hans Hartz mit dem gleichnamigen Song: 95 Tage spielen eine nicht unwesentliche Rolle, wenn es darum geht, Menschen zu resozialisieren oder in eine Gemeinschaft einzupassen - ob sie etwas (höheres) auf sich hielte oder nicht.
Warum sollte man frei von Höhenangst sein? Ich kenne die Angst, ihr entsetzliches und entsetztes Wesen, mit ihr ist nicht gut Kirschenessen, sie kommt wieder, holt sich ihren Anteil, komme was da wolle. Denn man entkommt ihr nicht, nur auf Umwegen baut man ihr zu liebe einen Irrgarten, bis sie dich findet, und bis sie gelangweilt einen Minotaurus anstellt und dich alle neun Jahre auf die verschlungenen Pfade entsendet, damit du knapp 8 Jahre wanderst, um anschließend ein angstfreies Jahr zu verbringen, damit im 9. Jahr sie wieder den Spaß an dir entdecke.
Zu meinem Reisetagebuch:
Morgen stehen einige Entscheidungen an, die uns Erntehelfer nicht betreffen, sehr wohl wissen wir davon, denn einerseits ist es eine Kommune Gleichgesinnter, andererseits ist der Bauer ein Bauer und der Bänker ein Bänker. Sich mit den matschigen und miefenden Stiefeln in den Sessel einer Kreditwürdigkeitsprüfung zu begeben scheint abstrus, wenn auch weniger fehl am Platz als man auf den ersten Blick vielleicht meinen könnte, aber das Bild muss doch vor der Realität kapitulieren. Schuster bleib bei deinen Leisten oder auch: Olivenernter bleib bei deinem Ernterechen.
Das Essen ist mal mehr mal weniger ausreichend, das Bier danach wird mal mehr mal weniger getrunken, die Dinge interessieren mal mehr mal weniger, ebenso wie die Arbeit … es bleibt bei einem circa. Einem La vita circa. Mit Annäherung durch Infinitesimalrechnung mag man dem Ziel näherkommen, es beschreiben und ´am Ball´ bleiben, nur erreichen wird man es nicht … nun, ich werde keinen Spürhund auf Gottes Fährte ansetzen …
Bei Fuß!