Same procedure as every year! Auch heute werde ich nicht ausgehen; keine Bars, kein Nachtleben, kein Geld ausgeben in dem Neonlicht und dem Kerzenschein einer Stadt am Meer. Genau wie gestern auch, sitze ich im Foyer der Herberge, tippe Buchstaben, die sich ihren Sinn suchen und warte auf einen Karton Pizza samt Bierflasche. Beides im Idealfall gefüllt mit Leckerei.
Paolas Hamburger von heute Mittag ist verdaut, ganz nebenbei erhielt ich eine Lektion in der italienischen Zutatenkunde und sie ist auch sonst eine ganz bezaubernde Dame. Zur besagten Lektion gehörten zum Beispiel geröstete Zwiebeln, also Cipolle croccante oder das große Bier (birra grande) mit sessantasei centilitro. Ihre Salsa Sauce piccante mochte ich aber auch heute nicht haben, denn auf meinen Burger kommt nur Ketchup und Majo als Sauce.
Burger, Pizza, Bier. Das alles hört sich nicht nach jener Ernährungsumstellung an, die ich vor Wochen, vor der Reise, initiierte, aber ich werde spätestens in einer Woche, sobald ich das Landgut in den Abruzzen erreiche, ziemlich wahrscheinlich auf gesund umsteigen.
Das Foyer lebt ein wenig auf, Espresso wird serviert, unter Freunden, es wird geredet und der Hund wird gestreichelt, jener, der auch auf der Homepage der Herberge ein Avatar besitzt und Hilfe bei Fragen anbietet. Doch bevor es richtig losgehen kann, ist es wieder vorbei, Stille kehrt ein, der Saftautomat, an dem man sich immerhin nach Belieben bedienen darf, summt für einen Moment, bis auch er schließlich wieder ruhig werden wird. Das Tapsen der Hundepfoten auf den sandfarbenen Fliesen wird dann wieder das Einzige sein, was zu hören sein wird.
Der Hund schließt langsam Freundschaft mit mir, war er anfangs noch eher zögerlich in seiner Art, schnupperte nur gelegentlich an den Füßen und ging bald wieder fort, so kommt er nun öfter vorbei, schnuppert nur kurz, hält längere Zeit Ausschau und wackelt erst dann wieder ab. Nach Recherche meine ich, der Hund, er hört auf den Namen Benny, gehört zur Rasse des Kleinspitz, also einer deutschen Hunderasse, ein kleines weißes Fellknäuel, immer sehr lieb dreinblickend und mit einer seitlich heraushängenden Zunge.
Die Pizza quattro formaggio mit extra funghi hat einen zu sehr hervorstechenden Gorgonzolageschmack, diese Käsesorte überdeckt mir das Weitere aus Käse und Pilzen doch sehr. Benny steht seit einer halben Pizza still bei mir, schaut und wartet, es wird vergeblich sein aus seiner Sicht, denn diesen Gorgonzola möchte ich dem Kleinen nun wirklich nicht zumuten. Was gäbe ich – und Benny vielleicht auch – für eine einfache Pizza mit Sardellen … nächstes Mal.
Was es diesmal sonst noch gibt, neben dem Essen, in Radio und TV? Nun, vor einigen Tagen brachte Italiens Regierung (G. Meloni) ein neues Wahlrecht durchs Parlament, es soll auch knappe Wahlsiege (etwa mit 42%) mit einer komfortablen Mehrheit belohnen, denn dazu soll der sogenannte Mehrheitsbonus greifen. Würde man solch eine Wahlrechtsreform auf Deutschland übertragen und die jüngsten Wahlergebnisse (AfD:43,8%) in Sachsen-Anhalt rein theoretisch auf Bundesebene hieven, wäre eine rechtspopulistische Regierung in Deutschland keine Illusion und auch kein haudünnes Mehrheitshäutchen, sondern bittere Realität. Sicherlich, das ist lediglich ein Gedankengang, ein Experiment, aber die Geschichte würfelt sich nicht selten aus der Geschichte etwas zusammen … aber wie auch immer: wen interessiert dieses Deutschland schon noch? Außer wenn es um verfrühte „Rückführungen“ geht … aber Schluss mit Politik, wenden wir uns den wichtigen Dingen zu:
Bier, Benny und ein bisschen Amore.