Der Erntetag scheint vorbei, es ist Samstag oder sabato, da geht das Ernten nur bis zum Mittagessen, so ist zumindest das Gerücht im Umlauf; vielleicht geht es nachher aber auch noch weiter, wer weiß, alles scheint möglich, denn einige Kisten mit Oliven stehen noch draußen, in der Sonne, an den Bäumen und haben es nicht in den kühlen und dunklen Lagerraum geschafft. Wenn der Hammer fällt, dann fällt er eben.
Ich bin sehr kalt geduscht, ja, sogar außerordentlich kalt geduscht und werde gleich ein Nickerchen machen, diese Nacht war nicht zum Schlafen da, dieser anbrechende Nachmittag schon.
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Nach ausgiebigem Mittagsschlaf und einem Abstecher in die 2 Kilometer entfernte Stadt, bin ich wieder durchgeschwitzt auf dem Hof angekommen. Die Tropfen perlen von meinem Haupthaar herab, die Extremitäten kleben wieder, das altbekannte Körpergefühl also. Nichtsdestotrotz merke ich die Höhenlage von knapp 300 Meter, meine ich jedenfalls, heute Nachmittag war ein kühler Wind hier oben, wohlgemerkt, die Luft steht ohne ihn.
Die Kitten jammern, vielleicht weil sie Hunger haben, obwohl es Kleintiere zu genüge gibt, vielleicht liegt ihnen ein Grashüpfer quer im Hals, vielleicht nerven auch die Kleinkinder, die sich mit ihrer Ziehmutter auf dem Hof tummeln.
Die Aussicht von meinem Quartier hier im Haus macht etwas Besonderes mit mir, sie lässt mich nicht allein sein, auch wenn ich es de facto bin, die Lichter der Stadt und das Meer begleiten mich in die Dämmerung und bleiben mir ganz offensichtlich treu.
Die Sache mit den geernteten Oliven geht mir nicht aus dem Kopf, ob sie dort immer noch stehen, weiß ich nicht, ich möchte es nicht annehmen aber auch nicht ausschließen. Doch ich bin weder Vorarbeiter noch Mutti für alles, es wird schon bearbeitet werden, mit oder ohne mein Zutun, mit oder ohne meine Anteilnahme.
Ich könnte noch ein paar Geschichten erzählen, über die Menschen hier, über die anderen wwoofer, aber ich möchte die Erfahrungen mit ihnen lieber direkt erleben, vielleicht sind sie mir zu schade, zum Niederschreiben, vielleicht aber auch zu nebensächlich oder zu unwichtig, vielleicht regten sie mich aber auch unverhältnismäßig auf, so wie das Motivationsversprechen, das eine Person heute dem Hofbesitzer gegenüber preisgab, über den Kopf des angestellten Vorarbeiters hinweg und mit einer Prise ´Mann, bin ich nicht geil?“.
Derlei Dinge möchte ich eigentlich gar nicht mitbekommen, dennoch habe ich feine Antennen dafür, die Situation regt mich dann auf, nicht zuletzt, weil ich ihr am liebsten einfach sagen würde: ´Schnauze! ´, es aber nicht tue. Naja, der nächste gesellige Abend kommt bestimmt, da wird das Ganze wieder zersoffen und mittels Gesang verarbeitet. Vielleicht - vielleicht auch nicht.
Alles geht einmal vorbei, der Erntemond fiel dieses Jahres auf den 26. September, das ist längst Geschichte, der Jägermond (Luna del Cacciatore) steht an am 26. Oktober. Mit ihm werden Vorräte für den Winter angelegt, die Felder sind leer geerntet, das über den Sommer hin fettgefressene Wild auf weiter Flur erspähbar.