Infected.

Tagebuch zum Thema Alles und Nichts...

von  ZornDerFinsternis

Unscheinbar.

Hermetisch abgeriegelt.
Nach Außen dringt nichts.
Weder Licht noch Schatten.
Überlebensstrategisch für den einen.
Tödlich für den anderen.

Ich züchte.
Mit voller Hingabe.
Haut und Haar,
Gedanken, Erinnerungen..
Jeder Atemzug,
gänzlich gut geeignet.
Nährboden.

Viele Tage..
Jahre und Stunden.
In Einsamkeit verlebt.
Totale Hingabe.
Totaler Krieg.
Alles für die Pflicht.
Alles für das Nichts.
Bedeutungslose Selbstaufgabe.

Tag 449 nach Ausbruch.
Der Wirt wirkt geschwächt.
Atemfrequenz normal.
Unruhiger Schlaf.
Suizidale Tendenzen 
überdurchschnittlich erhöht.
Leiten erneute Testphase ein.

Schottet sich weiter ab.
Wirkt äußerlich weiterhin menschlich.
Zeigt keinerlei Gefühlsregung.
Redet im Schlaf.
Verweigert phasenweise Nahrungszufuhr.
Medikamenteninjektion -
ebenfalls negativ.

Tag 532.
Angriff auf Pfleger. Männlich.
Danach Beobachtung autoaggressiven 
Verhaltens.
Nächstes Level erreicht.
Völlige Selbstaufgabe 
scheint bald einzutreten.

Weiterhin 
instabiles Verhalten.
Depressive Episoden 
ebben ab.
Abschottung und Selbstzerstörungsdrang
steigen weiterhin exponentiell an.
Objekt 
nähert sich kritischer Phase.

...
Es ist dunkel.
Tageslicht habe ich lange nicht gesehen.
Um mich herum gibt es nichts.
Nur die kalten, weißen Wände.
Ich spüre, 
wie es weiter wächst.
Seine Verachtung 
sich tiefer in mich schlägt.

Ich frage mich,
ob ich noch objektiv betrachten kann.
Ob ich noch merke,
was hier mit mir geschieht.
Niedergang. 
Ein strategisches Niederbrennen aller Erinnerungen.
Gut oder schlecht,
spielt keine Rolle mehr.

Hier drinnen gibt es nur dich
und mich.
Ihr schaut von außen weiterhin gebannt 
in diese mickrige Zelle.
Auf Blut bespränkelte Wände.
Neonlicht ist weder edel,
noch romantisch.

Ich frage mich noch immer,
wann ihr mich endlich aufgebt.
Diese kranken Versuche einstellt.
Aufhört,
gegen meinen Willen zu entscheiden.

Es kümmert mich nicht,
was ihr sehen wollt.
Ich zeige euch einfach,
wie es ist.
Ihr bildet euch ein,
zu wissen, wer ich bin.
Wie die nächste Testphase endet.

Ihr gebt mir jedes Mal eine neue Nummer.
Aber niemals einen Namen.

Neue, schmerzliche Impulse.
Bewusstseinsverändernde Maßnahmen..
Wie auch immer ihr es nennt.
Ich nenne es Schmerz.
Ich nenne euch Lügner...
Bastarde.

Hier drinnen sind die Bedingungen unmenschlich.
Ihr wollt,
dass ich zerbreche.
Mich wieder für eure Zwecke öffne.
Für eure sterile Liebe.
Euer kaltes Mitgefühl.
Nur damit ihr später der Presse sagen könnt,
ihr hättet - nein -
ihr habt alles versucht.

Selbst ihr habt aufgehört..
Die Tage zu zählen.
Aufzeichnungen zu führen.
Einen Sinn, 
eine Erklärung zu suchen.
Stattdessen seht ihr zu.
Unfähig einen Schlussstrich zu setzen.
Die Akten zu schließen.
Stecker zu ziehen.

Ihr liebt es,
euch gottgleich aufzuspielen.
Nie dagewesene Ebenen von Schmerz 
in mich einzuspeisen.
Ihr wettet darauf,
wann ich aufgebe. 
Zerbreche.
Mich das nächste Mal verletze.

Es ist euch zu langweilig geworden.
Weil ihr die Kontrolle verloren habt.
Weil Schläge nichts ausrichten.
Eure Statistiken so nichtssagend sind,
wie die weißen Wände hier drinnen.
Eure Aufzeichnungen sind nichts wert.

All euer Bemühen, mich zu brechen...
Jeder stumme Schrei aus meinem Mund...
Jede Form der Abscheu und des Bedauerns.. 
Mit jedem Tag hier drinnen...
Bedeutungslos.

In meinem Kopf...
Tanzen immer die selben Bilder.

In meinem Herzen...
Schlägt im Takt seit damals
der selbe Hass.

In meinen Augen...
liegen weiterhin Hoffnung und Furcht.
(Ob beide wissen, dass sie sterben?)

Bringt es zu Ende.
Tötet mich...
So lange ihr noch könnt.
Bevor alles nach Außen dringt.
Nehmt euch von mir, 
was immer ihr noch braucht.

Wenn es dem Wohl aller dient...
Vergeht euch an mir.
Verbrennt meine Haut.
Zeichnet in dunklen Flecken eure Liebe nach.
Verdeutlicht euer Wohlwollen.
Schlagt weiter auf mich ein.

Stellt mich ruhig.
Fixiert mich.
Flößt mir Drogen ein.
Betäubt meine Sinne mit weiteren Schlägen.
Macht mich gefügig.
Zeigt eure Überlegenheit.
Fühlt euch erhaben.
Gottgleich.
Sicher.

Ich kenne das...
Die Welt zerfällt.
Steht am Abgrund.
Im Flammenmeer.
Die Hölle muss wahrhaftig sein.
Der Verstand funktioniert nicht mehr.
Es entbehrt jeglicher Logik.
Es gibt keinen Halt mehr.

Ihr habt euch alles genommen.
Ihr habt alles mit mir geteilt.
Perversionen.
Hass..
Schmerzen...
Angst.
Leid.

Im Dienste der Menschheit.
Der Wissenschaft..
Reine Nächstenliebe.

Ihr seid euch eurer Sache so sicher gewesen.
Hättet euren Kodex nie verletzt.
Ehrenmänner.
Wissenschaftler.
Perverse Kinderficker.

Leider muss ich euch enttäuschen..
Ihr habt versagt.
Ihr habt mich mir selbst zum sterben überlassen.
Seid so sicher gewesen.
So eitel.
Unschuldig.
Nahezu gütig.

Ich habe mich selbst zerstört.
In kleinste Trümmer zerschlagen.
Blutige Schnitte gesetzt.
Hass injiziert.
Erinnerungen seziert.
Wurde Inspiration.
Nährboden.
Mutagen.
Sinnestäuschung.

Ich habe gebettelt..
Auf Knien um Vergebung gefleht.
Ich habe euch so oft gebeten,
zuzuhören.
Aufzuhören.

Vergebens...

Ich habe euch gewarnt.
Ich habe mich selbst übertroffen.
Mein altes Selbst zum sterben zurückgelassen.

"Setzt das Virus frei..."

Kommentare zu diesem Text

Sin (55)
(28.05.19)
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 wa Bash (28.05.19)
definitiv lesenswert und als solches auch so geschrieben...
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